Noms de lieux et de
lieux-dits du Haut-Valais

Lemme supérieur

Steg

Steg, dialektal Stäg m. ist zu schwdt. Stëg m., Dim. Stëg(e) li ‘Steg, schmale, leichte Brücke, schmaler Weg’, amdh. stëg, -c und zu wdt. Schtäg ‘Steg, Brücke’ (ID. 10, 1487 ff.; TGNB 2, 2, 567; GRICHTING 1998, 180) zu stellen. Das HL lässt sich nicht immer von den HLL Stäga f. ‘Treppe’ und Stäcke(n) ‘(Zaun-)Stecken’ unterscheiden. Formen auf -ER können auch zum FaN Steger (AWWB 68 f.) gehören. Das HL kommt in rund 180 Orts- und Flurnamen vor.

Das Simplex ist im Singular am prominentesten im Gemeindenamen Stäg (LT Steg) vertreten, dem früheren Benken. Der Name bezieht sich ursprünglich wohl auf einen Weiler, der am Steg über die Lonza nach Gampel gelegen war. Weitere Simplizia sind bim Stäg ‘beim Steg über den Rotten’ (Niederwald), bim Stäg ‘beim Steg über den Alpjerbach’ (Simplon), der Stäg ‘der Steg über das Grosse Wasser’ (Zwischbergen), zem Stäg ‘beim Steg über die Matter Vispe’ (Zermatt, Dorfteil), zum Stäg ‘beim Steg über die Saaser Vispe’ (Saas-Fee, Dorfteil; Saas-Grund; St. Niklaus), zum Stäg ‘beim Steg’ (1578 u. später, Raron), zem Steg (1434 u. später, Mörel; 1390 u. später, Ried-Brig; 1519 Visperterminen), zum Steg ‘beim Steg (über die Turtmänna)’ (1695, Turtmann). Wohl auch eine Brücke ist gemeint in Steg ‘der Steg (an dem am Scheidtag die Schafe gezählt wurden)’ (1763, Saas-Almagell). Ein unsicherer Beleg ist zuw Stegen (1303, Niedergesteln), das eventuell mit dem weiter unten erwähnten Zwisteg ‘der Zwei-Steg (Doppelsteg)’ (1396, Steg) zusammenfällt. Eine technisch bedingte Ausnahme ist der Name Stn. Gampel-Steg ‘die Station (Bahnhof) der SBB für Gampel und Steg’ (Steg).

Plurale des Diminutivs kommen kaum vor: en den Stecquen (1355, Ergisch) kann sowohl ‘bei den Stegen’ wie ‘bei den (Zaun-)Stecken’ heissen.

Das Diminutiv des Singulars erscheint ebenfalls selten: zum Stägji ‘zum kleinen Steg (Brücke über den Almagellerbach / den Leenbach (LT kennt beide Bezeichnungen)’ (Saas-Almagell), beÿ dem Steglin ‘beim kleinen Steg in der Eymatte’ (1742, Turtmann).

Ob ein Plural des Diminutivs in mit den Stegginen ‘bei den kleinen Stegen (keine Angabe wo)’ (1749, Niedergesteln) gemeint ist oder etwas anderes, bleibt unklar.

Mit attributiven Adjektiven kommt das HL wie folgt vor: (lat.: ad antiquum pontem seu Steg) beim Alten Steg (1373, Törbel), der Breit Stäg ‘der breite Steg (über den Milibach’ (Unterbäch; laut Gwp breit wegen des Viehauftriebs), der Hangend Stäg ‘der hängende Steg (über tiefe Schlucht)’ (Zermatt), zem Heeji Stäg ‘beim hohen Steg (Brücke über die Lonza)’ (Blatten), der Steinig Stäg ‘der steinige Steg (natürlich entstandener Steg aus Stein)’ (Raron; FLNK Steinigu Stäg), vnder dem Trochennenn Steg ‘unter dem trockenen Steg’ (1560, Täsch), zem Trochne Stäg ‘beim trockenen Steg’ (Zermatt), zum Unnru Stäg ‘beim unteren Steg (heute Brücke der Strasse über die Saaser Vispe)’ (Saas-Almagell). Unsicher ist an dem Racken Steg ‘an der Brücke, die mit schwerer Arbeit instand gesetzt wurde’ (1822, Saas-Fee), wo Racken sich auch auf ein Verb beziehen kann (vgl. HL RACKEN).

Ein vorangestellter Genitiv findet sich nur in ts Sengärsch Stägli ‘der kleine Steg der Leute vom Senggä (durch Sengen gerodetes Gebiet)’ (Wiler). Häufiger sind ursprüngliche Genitive Plural auf -ER(O), die als Adjektive umgedeutet oder als FaN verwendet werden: Lochersteg ‘der Steg oberhalb des Weilers Loch’ (SK, Ulrichen), Baltschiedersteg ‘der Steg der Leute von Baltschieder (unklar, ob über den Baltschiederbach oder über den Rotten)’ (1519 u. später, Baltschieder; 1471 u. später, Visp), der Tännärstäg ‘die Brücke über die Lonza bei Tänn (Tenn)’ (Wiler), Walderstäg ‘der Steg (über den Rotten) Richtung Oberwald’ (FLNK, Oberwald), Wängärstäg ‘der Steg (über die Turtmänna) beim Weiler Wänge / der Familie Wenger’ (FLNK, Ergisch), im Egersteg ‘im Gebiet des Steges der Familie Äger’ (1857, Simplon).

Als Grundwort kommt das HL weiter vor allem im Typ Hosteg vor: der Hosteg ‘der hohe Steg (hohe Brücke über die Mattervispa zwischen Zermatt und Täsch)’ (Zermatt, LT Hostäg; Täsch, SK Hohsteg), der Hostäg ‘der hohe Steg (über die Doveria)’ (Zwischbergen, FLNK Hostäg, LT Hohsteg), Hostäg ‘der hohe Steg (über die Saaser Vispe)’ (FLNK, Saas-Balen), (lat.) citra (jenseits) dem Hostege ‘der hohe Steg (Brücke)’ (1305, Stalden), die Hohstega ‘die hohen Stege (Brücken)’ (1653, Ulrichen; könnte alternativ auch Stiege sein). Komplexere Konstruktionen dieses Typs sind zem Indri und zem Uistri Hostäg ‘beim inneren und beim äusseren hohen Steg (über die Lonza)’ (Ferden). Ein adjektivisches Bestimmungswort findet sich weiter in Mittelstäg ‘beim Mittleren Steg’ (1809, Täsch), Weitaus die meisten zweigliedrigen Komposita mit dem HL als Grundwort kennzeichnen eine in der Nähe liegende Flur. Dabei fallen vor allem Konstruktionen auf, die einen Gemeinde- oder Weilernamen enthalten: bim Gamsustäg ‘beim Steg über den Rotten bei Gamsen’ (Glis), der Laldensteg ‘die Brücke über den Rotten nach Lalden’ und ähnlich (1544 u. später, Eyholz; 1530 u. später, Lalden; 1531, Visp), der Rudustäg ‘die Brücke über die Doveria bei Gondo (Ruden)’ (Zwischbergen; bei JORDAN (2006, 312) als Ruduschtäg). In Einzelfällen wird der Name des Gewässers erwähnt: dr Lonzustäg ‘der Steg über die Lonza (Talbach)’ (Kippel), der Mässerestäg ‘die Brücke über den Mässerebach (identisch mit Saflischbach?)’ (Grengiols), dr Schreejustäg ‘der Steg über den Wasserfall des Faldumbaches’ (Ferden), der Zubistäg ‘der Steg (Brücke) über den kleinen Wasserlauf’ (Blatten, einmal mit zem), wo mit Zubi (cf. HL ZUBA) ein kleiner Wasserlauf gemeint ist.

Die Benennung nach einer nahegelegenen Flur findet sich etwa in der Aroleitstäg ‘der Steg (über den Zmuttbach) bei Aroleit (Arvenwald)’ (Zermatt), Elmstäg ‘der Steg über die Lonza bei Älm’ (SK, Eggerberg), dr Erlstäg ‘der Steg über die Lonza bei den Erlen’ (Blatten, zweimal), des Feldmoossteges ‘der Steg beim Feldmoos (sumpfiges Gebiet beim Feld)’ (Obergesteln; Genitiv durch Konstruktion bedingt), der Figistäg ‘der Steg über die Doveria unterhalb der Figina’ (Zwischbergen; JORDAN (2006, 260 hat Figischtägi), dr Firtstäg ‘der Steg bei der Furt’ (Blatten), der Furtstäg ‘der Steg bei der Furche (Fura)’ (Oberwald) und viele andere mehr. Komplexer ist z. B. vff dem Golembach Stegen Stuͤcklin ‘auf dem kleinen Stück Land beim Golmbach’ (1669, Kippel), der Haggdoristäg ‘der Steg (über den Chummenbach) zum Gebiet kleines Hagedorn’ (Wiler), der Hobriggestäg ‘der Steg beim Gebiet Hobrigga (hohe Brücke)’ (Fieschertal) – ein besonders schönes Beispiel für einen Stegnamen, der sich auf eine Brücke bezieht – , der Rotgsteistäg ‘der Steg (über den Golmbach) beim Gebiet Rotgstei (das rote Gestein)’ (Kippel) und andere mehr.

Einen Besitzernamen enthält laut Gwp. der Niggistäg ‘der Steg beim Gut des Niggi (Übername der Besitzerfamilie)’ (Zwischbergen; JORDAN (2006, 341) hat Niggi Schtäg und nennt die Besitzerfamilie Arnold).

Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Biina, Chrumm, Eie, Fura, Haalta, Hooru, Lamma, Matta, Pletscha, Tal, Wang und Weid.

Komplexere Konstruktionen sind: der Steghorugletscher ‘der Steghorugletscher (LT Steghorngletscher, Gletscher unterhalb des Steghorns)’ (Leukerbad), der Stägacherwald ‘der Wald beim Stägacher (Acker beim Steg)’ (Mund), t Stäggmattuschiir ‘die Scheuer bei der Wiese beim Steg’ (Blatten), der Stägmattewaud ‘der Wald bei der Stägmatta (Wiese beim Steg)’ (Fiesch; FLNK Stägmattewald), der Stägschleifgrabo ‘der Graben beim Stägschleif (Schleif beim Stäg)’ (Mund), bis an den Saŭmsteggraben ‘bis zum Graben mit dem Steg für die Säumer’ (1847, Ulrichen) und andere.

Eine Reihe von Belegen weist die Form Steger / Stäger auf. Ihre Lage legt zumeist eine Ableitung auf -ER von Steg (Gemeindename) nahe, die ursprünglich wohl ein Genitiv Plural war (SONDEREGGER 1958, 526 ff.); in einigen Fällen ist eher der FaN Steger gemeint. Belegt sind im sogenannten Stegerthale ‘im Tal der Leute von Steg / bei Steg’ (1860, Hohtenn; 1860, Steg), das Steger Moos ‘das Moos (sumpfiges Gebiet) der Gemeinde Steg’ (1852, Steg), Stäger Riedbärg ‘der Riedbärg, der zu Steg gehört’ (FLNK, Niedergesteln), (lat.) ad siluam et nemus Stegerro ‘beim Wald der Leute von Steg / der Familie Steger’ (1584, Ausserberg), Stägerfäld ‘das Feld, das zu Steg gehört (in der Rottenebene)’ (LT, Steg; FLNK Stägärfäld), t Stägergassu ‘die Gasse der Leute von Steg (nach Niedergesteln)’ (Niedergesteln), jm Steger Grund ‘im Grund (wohl Rottenebene) der Leute von Steg’ (1572 u. später, Steg). Unklar ist Stägerwald ‘der Wald bei einem Steg’ (FLNK, Birgisch).

Eine Ableitung auf -ERRA für Wasserleitungen ist belegt in Stagerren (1664, Steg; Dativ aus Konstruktion bedingt), t Stägerru ‘die Wasserleitung der Leute von Steg (ohne Wasser)’ (Hohtenn), ufer Stägerru ‘auf der Wasserleitung der Leute von Steg’ (Hohtenn), t Stägerru Wasserleitu ‘die Wasserleiung der Leute von Steg (historisch: die Stegeri)’ (Niedergesteln), t Stägerrusüe ‘die Wasserleitung der Leute von Steg (mit Wasser)’ (Hohtenn).

t Stägifischini ‘die Grundstücke (im Mass eines Fischi) beim kleinen Steg’ enthält wohl einen Diminutiv des HL; der Stägjitschuggo ‘der Felsen mit Tritten’ hingegen gehört zum HL STÄGA ‘Treppe’.

VSNB, Bd. 4, Sp. 227

Ocurrences

stäg

stäger

stagerren

stägerru

stägg

stägi (Steg)

stägji

stägli

stägs

stecquen

steg

stegen (Steg)

steger (Steg)

stegginen

stegi

steglin