Wüer
Wüer m. ‘Wasserfuhre, Wasserleitung’ ist zu schwdt. Wuer, m./n./f., ahd. wuora f., mhd. wuor m./f./n. ‘Bach-, Flussverbauung, seitlicher Schutzdamm am Wasser oder Stauanlage im Wasser zur Regulierung des Wasserstandes bzw. zum Ableiten des Wassers in einen Kanal’ und wdt. Wüör, Wuär (Lötschental) ‘Wasserfuhre’ (ID. 16, 1082 f.; GRICHTING 1998, 241) zu stellen.
Die rund vierzig Flurnamen bezeichnen im Allgemeinen eine künstliche Wasserleitung, bei der Wasser aus einem Bach entnommen und weitergeführt wurde (BELLWALD/WÜRTH 2006 s. v. Wüer).
Das Simplex im Singular ist als am Wüer (Obergesteln), Wüer (1678, Törbel), Wüer (FLNK, Ernen), Wuͦr (1540 u. später, Ernen; 1531 u. später, Fiesch und mehrere weitere Gemeinden), der Wuor (1634 u. später, Naters), super dem Wuͦr (1448, Ried-Brig), vnder dem Wuͦr (1531 u. später, Ernen), únder dem Wúor (1739, Fieschertal), der Wüor (Bürchen), der Wüär (Gampel), ob dem Wüer (Gluringen), under dem Wüer (Gluringen), enet dem Wuohr ‘jenseits der Wasserleitung’ (1709, Gluringen), an dem Wúor (1665, Raron), der Wüor (Bürchen), an den Wúr (1494 u. später, Zermatt), der Wuär (Gampel) und in weiteren Fällen belegt. 1273 ist in Mund auch Wor ‘Wasserleitung’ (1407 Wuͤr; 1417 Woͤr) bezeugt. Ein Diminutiv ist ts Wüörli ‘die kleine Wasserleitung’ (Eisten).
Mit attributivem Adjektiv erscheint die Gmeinen Wúr ‘die Wasserleitung, die der Gemeinde gehört’ (173? (defekt), Glis).
Einen vorangestellten Genitiv enthält Glyssero Wuor ‘die Wasserleitung der Leute von Glis’ (1349, Glis).
Mit dem Grundwort erscheint vor allem der Typ Miliwuer ‘die Wasserleitung zur Mühle’: Mili Wúehr (1734, St. Niklaus), Mùlinwuer (1453, Reckingen), der Miliwüer (Leuk, Varen), Múlywuͦr (1448 u. später, Glis), Mühle=Wuhr (1827, Visp), der Miliwuͦr (1639, Turtmann), beÿm Mhüli Wúer (1744, Brig), Mihli Wuohr (1738, Ried-Brig). Weiter sind belegt aŭs dem Bleüwen Wŭhr ‘die Wasserleitung zur Hanf- oder Flachsmühle’ (1650, Mühlebach), Sagen=Wuhr ‘die Wuhr (Wasserleitung) zur Sägerei’ (1827, Visp).
Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Blatta und Matta belegt.
Eine Reihe von Belegen enthält die feminine Ableitung Wieri (ID. 16, 1088 s. v. Wüeri) als Simplex oder Kompositum. t Wieri (Naters, Weiler bei einer Wasserleitung), t Wieri (Glis, Dorfteil, auch Wasserleitung dort), zer Wierin ‘bei der Wasserleitung’ (16??, Eggerberg), an der Wuͤrin ‘an der Wasserleitung’ (1452 u. später, Visp). Als Bestimmungswort findet sich t Wierimatte ‘die Wiesen an der Wieri (Wuhre, Wasserleitung)’ (Visp). Komplexer sind der Ober und der Unner Wieribodo ‘der obere und der untere Boden beim Weiler Wieri (Wasserleitung)’ (Naters) und – historisch – die Obren Wüeri ‘die obere Wieri (Wasserleitung)’ (1642, Glis).
VSNB, Bd. 4, Sp. 584
Ocurrences
wieri
- Ober Wieribodo Naters
- Unner Wieribodo Naters
- Wieri Glis
- Wieri Glis
- Wieri Glis
- Wieri Naters
- Wierimatte Glis
wierin
- Wierin Eggerberg
woer
- Woer Mund
wüär
- Wüär Gampel
wuehr
- Mili Wuehr St. Niklaus
wüer
wuer
- Miliwuer Reckingen
wüer
wüeri
- Ober Wüeri Glis
wuerin
- Wuerin Visp
wuhr
- Blauwen Wuhr Mühlebach
wuor
- Glyserro Wuor Glis
- Gmeine Wuor Glis
- Mili Wuor Ried-Brig
- Mili Wuor Brig
- Miliwuor Visp
- Miliwuor Turtmann
- Miliwuor Glis
- Saagu Wuor Visp
- Wuor Visp
- Wuor Fiesch
wüor
- Wüor Bürchen
wuor
wüorli
- Wüorli Eisten
wur
wuron
- Wuronmatta Eggerberg