Noms de lieux et de
lieux-dits du Haut-Valais

Lemme supérieur

Wart

Wart ‘Warte’, auch Waart, ist zu schwdt. Wart f. ‘erhöhter Punkt im Gelände, Aussichtspunkt, Beobachtungsposten, Lauer’, ahd. wart(a), mhd. wart(e), in FlN zur Bezeichnung von Orten, von denen Ausschau gehalten wird (ID. 16, 1585 ff.; ZINSLI 1984, 70) zu stellen.

Als Simplex kommt Wart vor in uf der Wart ‘auf dem Aussichtspunkt’ (Binn), Twarde ‘die Aussichtspunkte’ (mit assimiliertem Artikel) (Blitzingen), die Wardt (1574, Eischoll und Ergisch), und unner der Waart ‘unter dem Aussichtspunkt’ (Randa).

Mit adjektivischen Attributen sind belegt t Oberscht Twaard, t Mittlescht Twaard und t Unnerscht Twaard (alle Blitzingen).

Wart als Grundwort kommt vor in der Gämschwaart m. ‘Aussichtspunkt für die Gemsjagd’ (Oberems); das Genus maskulin könnte von Wart n. ‘Aufseher’ (ID. 16, 1576) stammen. Unklar ist der Beleg jm Burwardtt (1570, Grächen).

Die übrigen Belege enthalten Wart als Bestimmungswort. Ein eigentliches Namennest ist zu Warbflie ‘die Flühe mit einem Aussichtspunkt’ (Mund), mit der Assimilation von /t/ zu /b/, entstanden: zen Nidren Warbflien (1676 und früher, Mund), Oberi Warbflie ‘die oberen Wartflühe’ (Mund), Unneri Warbflie ‘die unteren Wartflühe’ (Mund), t Warbfliewildi ‘die Wilde (unfruchtbares Gebiet) bei der Wartfluh’ (Mund), in der úntren Warpflüe Wildin ‘in der unteren Wilde bei der Wartfluh’ (1821, Mund), beÿ dem Wartflieier Bildhaús (1754 und später, Mund), Waldflieiero Kirchweg (1654, Mund) und ob Warpffliero obren Bildÿ (1738 und später, Mund). Weitere Grundwörter zu Wart sind: Biel, Flüö, Hüüs, Schlüecht und Tschugge, teilweise an mehreren Orten belegt. Warthüs (Visperterminen) wird von ZIMMERMANN (1968, 74) als ‘Haus, Wohnstätte eines Bann-, Forst-, Flur- oder Wasserleitungswartes’ gedeutet, also als eine Art Wacht-Haus; die Gwp. stellt es aber zu einer <Warte>, einem Aussichtspunkt; keine der beiden Deutungen lässt sich auf Grund der Daten bevorzugen. Komplexere Strukturen bilden etwa Fiescher Wartbieu ‘der zu Fiesch gehörende Hügel mit Aussicht’ (Fiesch).

Ein unsicherer Beleg ist der Wargistei (Goppisberg) (auf Karte 1:10000 Wargistein). Hier könnte ein Diminutiv Wart+ji > Wargi vorliegen: ein Stein, der ein kleiner Aussichtspunkt ist. Der historische Beleg am Wartilstein (1562) scheint eine Ableitung von Wart zu bestätigen, doch ist die Ableitung sonst nicht belegt.

VSNB, Bd. 4, Sp. 518

Ocurrences

twaard

twarde

waart

war

warb

wardt

wardtt

wargi

wart

warth

wartt