Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Weri

Weri f. ‘Wehr’ ist zu schwdt. Weri, Wēri, Wērri f., Pl. -inen (bzw. -enen), ‘Verteidigungsbau, Befestigungswerk; Schutzbaute gegen Naturgewalten, Schutzwall, -mauer, Bach-, Flussverbauung, Lawinenverbauung gegen Geröll und Schnee’, ahd. weri, mhd. were und wdt. Weri ‘Schutzmauer, Grenzlinie (Kuhweide)’ (ID. 16, 955 ff.; GRICHTING 1998, 238) zu stellen. Im Bezirk Leuk kann ein /ä/ an Stelle des /e/ treten. Typischerweise ist eine Weri eine Dammbaute gegen einen Fluss (wie Rotten, Lonza, Saltina oder Vispa) oder einen Bach (wie den Kelchbach oder den Tschingelbach), oder eine Mauer, ein Damm gegen Lawinen. Eine Ausnahme ist das Stauweer (Leuk), wo der Rotten gestaut wird.

Das Simplex ist im Singular als t Wäri (Leuk), Weri (FLNK, Gampel (mehrfach); FLNK, Täsch), t Weri (Hohtenn, Saas-Grund, Randa), uf der Weri (Brig, Glis), üf der Weri (Obergesteln) belegt, dazu kommen historische Belege an der Werin (1492, Geschinen; 1658 beÿ der Werÿ), an der Wery (1470, Baltschieder), aúff der Werÿ (1746 u. später, Simplon), auf der Werÿ (1815, Oberwald), aŭff der Veri (1653, Naters), by der Werin (1507, Steg, später aúf der Werrÿ u. ä.), jn der Werin (1490, Raron), Weeri (1413, Lax, laut Dokument eine Mauer). Ein Plural des Simplex ist nur in in t Wärini ‘in den Wehren (Lawinenverbauungen)’ (Albinen) belegt.

Mit attributiven Adjektiven erscheinen fur die Alten Werin ‘für das alte Wehr’ (1562, Brigerbad), aúff den Eigenden Wehrinen ‘auf den eigenen Wehren (wohl: Wehrbauten mit Eigengütern)’ (1727, Brigerbad), die Gemeine Werin ‘das Wehr, das der Gemeinde gehört’ (1693, Gampel) und aúf der ŭntern Wehri ‘auf dem unteren Wehr’ (1865, Steg). die Bättmer Wörÿ ‘das Wehr (unklar wogegen) der Leute von Betten’ (1683, Martisberg) enthält einen alten Genitiv, der aber als Adjektiv verstanden werden kann.

Als Grundwort ist das HL wie folgt in zweigliedrigen Komposita belegt: die Landwoͤry ‘das Wehr des Landes (gemeint ist wohl die Landmüüra bei Gamsen)’ (1538 u. später, Glis), Lauinewehr ‘das Wehr gegen die Lawinen’ (Geschinen, SK; Obergesteln, SK; Leukerbad (Plural) SK), Lontzwerin ‘das Wehr gegen die Lonza (1752, Gampel; 1852, Steg Lonzenweri), di Bruschweri ‘das Wehr bei Brunnä (Brunnen /Quellen)’ (Ferden), t (e)Rottuweri ‘das Wehr gegen den Rotten’ (Naters) und das schon erwähnte Stauweer (FLNK, Leuk; auf 1:10000 Stauwerk). Einen Sonderfall stellt der Typ Bachschweri ‘das Wehr gegen den Bach / was so aussieht wie ein Wehr gegen den Bach’ (1678, Greich) und weitere, auch Basweri ‘das Wehr gegen den Bach’ (1791, Termen) - es handelt sich eigentlich um ein vorangestelltes Nomen im Genitiv Bachsch und das Grundwort Weri ‘Wehr’. Eine unverstandene Deutung dazu ist wohl Baschwerd ‘das Wehr gegen den Bach’ (1852, Gluringen). Der Name wird auch für Gebiete verwendet, die so aussehen wie ein Wehr gegen den Bach. Komplexere Konstruktionen hierzu sind Baschweriwald ‘der Wald im Gebiet der Baschweri (Wehr gegen den Bach’ (FLNK u. LT, Goppisberg; LT, Ried-Mörel). Einen Genitiv Plural zu einem komplexen Namen zeigt Bistmeren Bachschwerehag ‘der Zaun beim Bachwehr der Leute von Bister’ (1753, Bister).

Einen seltenen vorangestellten Genitiv findet man in ts Chleinu Masch Weri ‘des kleinen Manns Wehr (unklar, wer mit kleiner Mann gemeint ist)’ (Glis) - es handelt sich um eine Mauer am Glishorn, die das Wasser in den Grossgraben (auf der Landeskarte Holzgraben) leitete.

Als Bestimmungswort findet man das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Acher, Bodu, Brigga, Gartu, Matta, Schleif, Spitz und Wärch. Komplexere Konstruktionen sind t Obru und t Undru Werimatte ‘die oberen und die unteren Wiesen beim Wehr (Wehrverbauung beim Rotten)’ (Glis), t Unner und t Forder Wehreia ‘die untere und die vordere Aue beim Wehr’ (Visp).

VSNB, Bd. 4, Sp. 542

Vorkommen

ware

wäri

wärini

weer

weeri

wehr

wehre

wehrinen

wer

werd

were

weri

werin

werri

werrin