Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Rot

Rot Adj. ‘rot’, ist als Farbadjektiv zu schwdt. rot wie nhd. ‘rot’, wdt. root ‘rot’ (ID. 6, 1737 ff.; GRICHTING 1998, 164) zu stellen. In FlNN ist es als Hinweis auf die rötliche Geländefarbe oder auf das Fliessen von eisenhaltigem Wasser zu verstehen (LUNB 1, 2, 814; URNB 2, 1148).

Die weitaus meisten Belege weisen Rot oder eine flektierte Form wie Rote oder Roti als attributives Adjektiv zu einem Grundwort auf. Die über 300 belegten Formen haben am häufigsten den Typ Rothooru (Rothorn) und komplexere wie Faldumrothoren (Ferden) oder Zinalrothoru (Randa, Täsch), insgesamt über 50 Belege. Allein JORDAN (2006) nennt rund 25 Belege mit dem HL ROT. Weiter sind der Typ der Rot Tschuggu ‘der rote Fels’ (Zwischbergen und rund zwanzig weitere Belege mit Varianten), der Rot Stei ‘der rote Stein’ (Zermatt, achtzehn weitere Belege, einige davon nur Latein) und viele weitere belegt. Während die häufigsten auf rote Felsen oder rote Erde zurückgehen, beziehen sich vor allem der Rotbach ‘der rote Bach’ (Baltschieder und ein Dutzend weitere) auf eisenhaltiges Wasser, manchmal aber auch roten Boden. In einigen wenigen Fällen könnte statt des Adjektivs auch die FaNN Roth und Roten oder der Flussname Rottu ‘Rotten’ eine Rolle spielen; das ist vor allem bei historischen Belegen nicht immer klar, etwa im historischen Beleg in den Rotten Reben oder Rotten Weingarten (1673, Brigerbad), wo der lebende Beleg ze Rote Räbu ‘bei den Reben am Rotten’ eine Flur direkt oberhalb der heutigen Rotten-Ebene zeigt. Hier dürfte wohl eher der Flussname als die Farbe gemeint sein.

Eine Substantiv-Ableitung auf /-I/ (SONDEREGGER 1958, 495) erscheint als Reeti (ID. 6, 1780 ff.): t (e)Reeti ‘die Röte’ (Raron, Alpweide auf ca. 2600m), jn der Retin ‘in der Röte’ (1527, Mund), t Reetine ‘die roten Gebiete’ (Randa), wo sich der Reetibode ‘der Boden oberhalb der Reetine’, der Unner Reetibode ‘der untere Boden oberhalb der Reetine’, t (e)Reetibrigga ‘die Brücke (über die Vispe) im Gebiet Reetine’, t Reetiflüe ‘die Fluh oberhalb der Reetine’, der Reetiwald ‘der Wald bei den Reetine’ und ts Reetiwasser ‘die Wasserleitung zu den Reetine’ befinden. Bei Raron sind auch ts (e)Reetichi ‘das Kinn (Schlucht) bei der Reeti (Röte)’, ts Reetiegg ‘die Ecke bei der Reeti (Röte)’ und t (e)Reetipletscha ‘die Ebene bei der Reeti (Röte)’ belegt.

Eine Adjektivableitung auf /-IG/ (SONDEREGGER 1958, 487) ist in t Reetige Twärlini ‘die kleinen rötlichen Alpmulden’ (Grengiols) belegt, das so nicht im ID. vorkommt; LEXER (2, 505) kennt aber die Weiterbildung rœtelëhtic ‘rötlich’. Unsicher ist, ob in t (e)Reetig (Steg) das hdt. Rötung steckt; die historischen Belege haben durchwegs maskulines jm Rhotig (1630), im Rötig (1705), im Retig (1722 u. später). Zu vermuten ist also eine Substantivierung der Ableitung auf /-IG/, die lebend zum femininen Substantiv umgedeutet wurde. Unklar ist auch der Röting (Niedergesteln), das 1304 und 1307 als Roeting, 1687 im Rötig und 1699 im Rötet belegt ist. Die letzte Form ist identisch mit dem folgenden Beleg; die Formen insgesamt weisen auf eine /-ING/-Ableitung zum HL Rot hin, die später zu einer /-ET/-Ableitung umgedeutet wurde.

Eine weitere Ableitung auf /-ET/ n. (SONDEREGGER 1958, 524, ahd. /-ÔDI/-ÔTI/) ist ts (e)Reetet ‘die rote Stelle’ (Eggerberg).

VSNB, Bd. 3, Sp. 499

Vorkommen

(e)reetet

(e)reeti

(e)reetig

(e)rot

(e)roti

(e)rotu

(e)rotun

reeti

reetige

reetine

retet

reti

retin

retinun

rhot

rhott

rhotun

roeting

root

roots

rootu

rot

rote

roten

roth

rothe

rothen

roti

rots

rotten (rot)

rotu

rotun