Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Dischtel

Dischtel ‘Distel’ ist zum schwdt. Pflanzenname Distel, Tistel, Dischtill m./f., ahd distil m., distula f., mhd. distel m./f., ‘Distel, distelartige Pflanze’ (ID. 13, 1996 ff.; WIPF 1910, 165; GRICHTING 1998, 59) zu stellen. Je nach Ort kann das /l/ zu /j/ palatalisiert werden. Neutrale Formen bezeichnen grosse Vorkommen von Disteln. Im Lötschental ist auch Dischel m. (ID. 13, 1996) belegt. Der Pflanzenname dient meistens für Alpgebiete und davon abgeleitet von Teilen solcher Gebiete, Berggipfel und Gletscher; er ist bei LAUBER / WAGNER / GYGAX (52104, 1134) als CARLINA, ab S. 1140 ff. als CARDUUS und ab S. 1144 ff. als CIRSIUM, jeweils mit verschiedenen Unterarten, belegt; weitere Distelarten kommen kaum in Frage. Im Bezirk Leuk fehlt er in den Orts- und Flurnamen. Er kommt in gut 80 Namen vor.

Das Simplex Dischtel, Dischtil, Dischtul, im Plural Dischtle oder Dischtje kommt u. a. in Grächen, Lax, Martisberg, Naters, Saas-Almagell, Saas-Balen, und Ulrichen vor; häufig bildet sich darum herum ein Namennest, das sich in Komposita mit den Grundwörtern Bach, Balm, Biel, Bord, Bodu, Brunnu, Fääsch, Gletscher, Graat, Gufer, Haalta, Hooru, Matta, Pletscha, See, Spitz, Stei, Stock und Tola zeigt. Adjektivische Bildungen sind Hinner Dischtel, Ober Dischtel, Unner Dischtel und Vorder Dischtel. Dieselben relativen Lageadjektive können sich auch mit Komposita verbinden wie Hinner Dischtelbode (Münster), Ober Dischtelhoru (Saas-Fee) und weitere mehr. Beim Kompositum Distilgarten ‘Distelgarten’ (1399, Ried-Brig) ist an ein eingezäuntes Stück Land zu denken, das für den Gemüseanbau verwendet wird, aber auch Disteln enthält. Die Bildung Distjenen ‘die Disteln’ (1824, Naters) enthält eine Palatalisierung von /l/ zu /j/ und eine falsche hochdeutsche Endung zu einem Dativ Plural ‘bei den Disteln’.

Ableitungen verschiedener Art sind zu finden: Dischlig (< Dischtel + ING) ‘Ort wo es Disteln hat’ (Blatten), Dischgerna (< Dischtel + ERNA, mit Velarisierung zu /g/) ‘Ort, wo es Disteln hat’ (Simplon), Tischterra (gleiche Bildungsweise ohne Velarisierung) ‘Ort, wo es Disteln hat’ (Ausserberg); diese Ableitung erscheint als Bestimmungswort Tischter- in einer Reihe von Namen wie Tischterbiel ‘der Hügel bei der Tischterra’ (Raron) und anderen (cf. HL DISTER). Ein kollektives Präfix GI- ist in Gidischtel ‘Ort, wo es Disteln hat’ (Randa, Visperterminen) zu finden. Solche Ableitungen verschiedener Art kommen auch in komplexen Bildungen wie ts Foder Faflärdischligen ‘der vordere Teil des Gebietes mit Disteln auf der Fafleralpe’ (Blatten) vor.

VSNB, Bd. 2, Sp. 17

Vorkommen

dischel

dischgerna

dischlig

dischligem

dischligen

dischtege

dischtel

dischtier

dischtil

dischtje

dischtu

dischtul

diste

distel

distil

distjenen

distlen

distlig

gidischtel

gidischtil

tischtel

tischtu(l)

tistill