Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chircha - Chilcha

Chircha und Chilcha sind zu schwdt. Chirchen, wdt. Chilcha, Chilchä (Goms), Chircha (Mattertal), Chirchu (Saastal), Chilchu f. ‘Kirche; Kirchen- und Armengut bzw. dessen Verwaltung; Kirchengemeinschaft; Name von Bergen nach ihrer Gestalt benannt’, ahd. chiricha, mhd. kirche, mit der alem. Nebenform ahd. chil(i)cha, mhd. kilche, (ID. 3, 229 ff.; GRICHTING 1998, 48) zu stellen. Hdt. Belege haben auch anlautendes /k/ wie in Kirche. Lautlich lässt sich kein Muster für die beiden Formen mit /r/ und /l/ erkennen. Neben den markanten Kirchen in den Gemeinden werden manchmal auch Kapellen Chircha oder Chilcha genannt. Die Zugehörigkeit vieler Gemeinden zu grossen Mutterpfarreien (ursprünglich Münster, Ernen, Mörel, Naters, Visp, Raron und Leuk) schlägt sich in vielen Chirchwäg, Chilchwäg nieder; Chirchgassa, Chilchgassa dagegen ist eher auf die Gasse beschränkt, die in der Gemeinde zur Kirche führt. In den Dörfern kann die Lage oberhalb, unterhalb, neben, hinter oder auch bei der Kirche namengebend sein. Güter, Äcker, Wiesen und Gärten, die zum Kirchengut gehörten, werden mit Chirch- / Chilch- als Bestimmungswort benannt. Neben eigentlichen Kirchen gibt es auch Felsgebilde und andere Gebiete, die einer Kirche gleichen und entsprechend benannt werden; in Blatten (Lötschental) gibt es ein eigentliches Namennest mit Zer Chilchun, Chilchgrabem, Chilchgrabemegg usw., ebenso in Ulrichen mit Chilchweng, Chilchgletscher und Chilchhore.

Entsprechend der Sachlage sind Simplizia eigentlich selten, meist ist eine Präposition wie ze, bi, unner, hinner usw. vorhanden, auf die das Simplex im Obliquus (meist Chirchu / Chilchu) folgt. Im /l/-Vokalisierungsgebiet der Grafschaft ist die lautliche Form Chiuche. Nur ein einziger Diminutiv ist belegt: in den Kilchiltinen ‘in den kleinen Kirchen’ (Simplon).

Adjektivische Attributbildungen sind: Zer Aaltu Chilchu ‘zur alten Kirche (frühere Messkapelle, jetzt verschwunden)’ (Visperterminen), bei der Englischen Kirche ‘bei der englischen Kirche’ (Saas-Fee), t Heidnisch Chilcha ‘die heidnische Kirche’ (St. Niklaus, Gebiet, das wie eine alte (heidnische) Kirche aussieht) und Zer Heimlichu Chilchun ‘Zur heimlichen Kirche’ (Ferden), ein Name eines Gebietes, das wohl einer Kirche gleicht. Als Grundwort kommt das Lemma in Komposita kaum vor: belegt sind Suschtnerchillchu ‘die Kirche von Susten’ (Leuk), di Zantpeterschchilchu ‘die Kirche von St. Peter’ (Leuk, heute Feuerwehrlokal), t Fuggsjichilcha ‘die Kirche des kleinen Fuchses’ (Grächen, Felsturm, der einer Kirche gleicht) und Zer Juduchirchu ‘zu der Judenkirche’ (Zermatt, viereckiger Stein – eventuell im Hinblick auf eine Synagoge oder einfach vorchristlich?).

Sehr häufig ist Chircha – Chilcha als Bestimmungswort, so vor allem im Kompositum Chirchwäg / Chilchwäg, das allein oder mit Spezifikation wie Alt Chirchwäg (Fiesch) oder Firganger Chilchwäg (Bellwald) rund zwanzig Mal vertreten ist. Weitere Grundwörter sind Acher, Bach, Balm, Blatta, Biel, Bodu, Driest, Egg(a), Eie, Fad, Gartu, Gassa, Gletschter, Grabu, Güet, Haalta, Heer, Hooru, Matta, Platz, Räbe, Ritz, Schiir, Stadel, Stutz, Tola, Wald, Wand und Wang. Komplexe Bildungen sind selten: beym alten Gobbiller Kirchweg ‘beim alten Kirchweg der Leute von Goppisberg’ (Filet) oder Brüof Eggerbärgero Chilchuwäg ‘Aufwärts (am) Eggerberger Kirchenweg’.

Ableitungen sind selten und betreffen im Fall von /-ERI/ (Grächen, Münster) vermutlich Komposita mit dem sonst unbelegten Höri (wdt. Heri) (cf. HL CHILCHERI); eine Deutung auf /-ERI/ ist aber für die Wasserleitung, die zum Dorfteil bei der Kirche führt (t Chilcheri, Grächen), durchaus möglich. Sie heisst in St. Niklaus t Chirchneri.

VSNB, Bd. 1, Sp. 348

Vorkommen

chil

chilch

chilcha

chilche

chilchen

chilchu

chilchun

chilhu

chillcha

chillcheri

chillcheru

chillchu

chirch

chircha

chirche

chirchneri

chirchu

chiuch

chiuche

kil

kilch

kilche

kilchen

kilcherren

kilchiltinen

kilchu

kilchun

killchu

kirch

kirche

kirchen

kirchu

kiucha