Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Kapälla

Kapälla f. ist zu schwdt. Chappelen f., wdt. Kapälla, Kapällä, Chappla, Dim. Kapälli, Kapällu f. ‘Kapelle’ (ID. 3, 382 f.; GRICHTING 1998, 121) zu stellen. Formal ist zu unterscheiden zwischen der lat. Form CAPELLA, der verdeutschten Form Capellen, der dialektalen Form Chappla oder Chapplu und der zweitbetonten Form Ka’pälla, die an hdt. Kapelle angelehnt ist. Capella und die deutschen Formen beziehen sich ursprünglich auf ein Gebäude, in dem ein Umhang des Hl. Martin von Tours als Reliquie aufbewahrt wurde (KLUGE / SEEBOLD 252011, 472). Diminutive sind Ka’pälli und Chapelti. Inhaltlich sind damit nicht nur kleine Kapellen gemeint, sondern manchmal auch Bildstöcke mit Heiligenbildern oder Kruzifixen. In einigen wenigen Fällen werden damit Geländeformationen bezeichnet, die an Kapellen erinnern. In lateinischen Texten erscheint auch der Terminus Sacellum ‘kleines Heiligtum, Kapelle’. Das HL kommt in rund 200 Namen vor.

Das Simplex Kapälla / Kapälle / Kapällu ist zusammen mit Capellen, Chapällu, Chapolu, Chapulu und Chaplu rund dreissig Mal im ganzen Gebiet belegt, häufig mit Präpositionen wie bi, hinner, mit, ob, unner, zer verbunden, womit meist der Bezirk um die Kapelle herum gemeint ist. Simplizia im Diminutiv sind seltener: Kapälli ist sieben Mal belegt, zum Chappeli einmal in Randa, obem Chapelti und unnerem Chapelti je einmal in Münster.

Attributive Adjektive sind selten, am häufigsten ist t Aalt Chappla (Wiler), zer Aaltu Chappelu (Saas-Balen), zer Aaltu Chappolu (Visperterminen) und einmal Latein: infra Capellam antiquam ‘unter der alten Kapelle’ (1739, Zeneggen). Weitere Adjektive: zum Chleinu Kapäli ‘zum kleinen Kapellchen’ (Saas-Balen), im Grosen Capellÿ ‘in der grossen kleinen Kapelle’ (1768, Leuk), vnder dem kleinen Capeltÿ (1756 u. später, Ritzingen), únder der Niwen Kapellen (1692, Oberwald), zur Nÿwen Capellen (1753, Ausserberg), Rot Kapälli ‘die kleine rote Kapelle’ (Gampel) und tsch Schreejend Chappelti ‘die kleine Kapelle, bei der es stark zieht’ (Ferden).

Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita ist Kapälla mit seinen Varianten sehr häufig. Das geläufigste Muster ist die Angabe des Ortes der Kapelle, sei das eine Alp, ein Dorfteil, ein Weiler, ein Wald oder eine andere Flur. Beispiele dafür: Albukapälli ‘die kleine Kapelle auf der Alba’ (Visp), t Bleickukapälla ‘die Alpe in den Bleiken’ (Simplon), Gsteikapälli ‘die kleine Kapelle im Gestein’ (Mund), Hiischerkapälla ‘die Kapelle beim Weiler Ze Hiischru (Zenhäusern)’ (Bürchen; bei GATTLEN 2007 so nicht bekannt), ts Saagikapälli ‘die kleine Kapelle (Bildstock) bei der Säge’ (Zwischbergen), Waldkapälla ‘die Kapelle im Wald’ (Visperterminen) und viele andere.

Ein zweites, selteneres Muster ist die Angabe der Heiligen, denen die Kapelle geweiht ist: St. Annakapälla ‘die Kapelle der Hl. Anna’ (Raron), ts Sant Joosopsch Kapälli ‘die kleine Kapelle des Hl. Josef’ (Visperterminen), ts Jopsch Kapälli ‘die kleine Kapelle des Hl. Josef’ (Saas-Fee). Dieses Muster kann alternativ ersetzt werden durch einen nachgestellten Genitiv: die Kappellen Sant Jodren ‘die Kapelle des Hl. Theodul (Landespatron)’ (1542, Törbel) oder – lateinisch – capella ‘S. S. Anna’ et Jacobj ‘die Kapelle der Hll. Anna und Jakob’ (1672, Zwischbergen).

Komplexere Konstruktionen entstehen, wenn der Bezugsort einen mehrgliedrigen Namen hat, wie in t Oberwaldchapla ‘die Kapelle im oberen Wald’ (Wiler), zer Riätholzchaplun ‘bei der Kapelle beim Rietholz’ (Kippel) oder ts Scheitwägunkapälli ‘die kleine Kapelle beim Scheideweg’ (Hohtenn).

Als Bestimmungswort ist Kapälla mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita verbunden: Acher, Bäärg, Biel, Bodu, Egg(a), Eie, Gartu, Güed, Hubel, Lischa, Matta, Schleif, Schluocht, Spiicher, Stuck, Tschugge, Viertel, Wald, Wang und Wäg. Nur einmal kommt hier eine Ableitung auf /-ER/ vor, eine Stellenbezeichnung: t Kappelermatta ‘die zur Kapelle (St. Anna) gehörende Wiese’ (Raron).

Auch hier sind komplexere Formen möglich, aber nur eine ist belegt: der Aalt Chappoluwäg ‘der Weg bei der alten Kapelle vorbei’ (Visperterminen).

VSNB, Bd. 3, Sp. 7

Vorkommen

capelle

capellen

capelli

capellon

capellu

capelti

cappellen

chapällu

chapellu

chapillu

chaplun

chappele

chappelen

chappeli

chappellu

chappelti

chappeltin

chappelu

chappla

chapplu

chapplun

chappoli

chappolu

chappulu

chapulu

kapäli

kapälla

kapälle

kapälli

kapällu

kapäue

kapel

kapele

kapelle

kapellen

kapelty

kapelu

kaplu

kapolu

kappälu

kappela

kappele

kappeler

kappellen

kappelu