Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Schlüche

Schlüche m., selten f. Kommt in rund 80 Namen vor. Es ist zu schwdt. Schlūchen, Schlūhen m., f. ‘Schlucht’, im Übergang zum Ortsnamen, ahd. *slūho m., *slūha f. (ID. 9, 18) zu stellen. In Einzelfällen kann auch Schluocht gemeint sein (cf. HL SCHLUOCHT). In den meisten Fällen handelt es sich um eine Schlucht oder einen Graben; die Deutung ist durchwegs ‘Schlucht’. Die lautliche Nähe zu Schluocht, das eher eine Geländeeinbuchtung meint, kann zu Unsicherheiten führen. ID. stellt es in die Nähe von Schlûch ‘Schlauch’ (ID. 9, 16); SEEBOLD / KLUGE (252011, 808 f.), GRWB (15, 505 ff.) und GRICHTING (1998) kennen jedoch das HL nicht.

Das Simplex erscheint als der Schluch (1634, Naters (unklar)), t Schlücha (Randa; seltenes Feminin), der Schlüche (Grengiols und fünf weitere Gemeinden), bÿ dem Schluͦchen (1550, Oberwald), im Schluchen (1693, Fiesch), dr Schluichen (Kippel), im Schluichen (Blatten), dr Schluihen (Ferden, Kippel), der Schlüüchu (Gampel, Niedergesteln (mehrfach)). Der Plural des Simplex ist selten belegt: t Schlüche (Ritzingen).

Das Simplex ist im Diminutiv als Schlüchji (FLNK, Eisten), im Plural als t Schlüchjini (Randa) und t Schlüüchjini (Eisten) erwähnt.

Mit attributiven Adjektiven erscheinen dr Aarbi Schluichen ‘die Schlucht mit Arven oder Arvengebüsch’ (Aarbi ist hier Adjektiv) (Blatten), d Beesch Schluichen ‘die bösen Schluchten’ (Ferden), der Dick Schlüüchu ‘die breiteste Schlucht’ (Steg, eine von mehreren Schluchten), dr Fiischter Schluichen ‘die finstere Schlucht’ (Ferden), der Hee Schlüche ‘die hohe Schlucht’ (Reckingen), der Inner Schlüchu ‘die innere Schlucht’ (Oberems), an den Krŭmmen Schlúchen ‘an die krumme Schlucht’ (1462 u. später, Ulrichen), an den Lengen Schluchun ‘an die lange Schlucht’ (1550, Oberwald), der Lang Schlúho ‘die lange Schlucht’ (1550, Obergesteln), der Nass Schluichen ‘die nasse Schlucht’ (Blatten), Ober und Unner Schlüche ‘der obere und der untere Teil der Schlucht’ (Blitzingen), der Unner Schlüchu ‘die untere Schlucht’ (Niedergesteln), der Voder Schlüchu ‘die vordere Schlucht’ (Oberems).

Als Grundwort erscheint das HL zunächst mit adjektivischen Erstgliedern; Lengschlüche ‘die lange Schlucht’ (FLNK, Ulrichen), der Rootschlüüchu ‘die rote Schlucht’ (Niedergesteln, zweimal), Twärschlüche ‘die quer laufende Schlucht’ (FLNK, Ulrichen). Die übrigen Belege lassen keine klaren Gruppen erkennen; t Aarbschluichen ‘die Schluchten mit Arven’ (Wiler), der Aupschlüche ‘die Schlucht bei der Alpe “Schorne”’ (Steinhaus), Brandschluichen ‘die Schlucht beim brandgerodeten Gebiet’ (FLNK, Blatten), Bruckschluchen ‘die Schlucht bei der Brücke’ (1568, Ernen), der Brunneschlüche ‘die Schlucht mit einer Quelle / einem Brunnen’ (Reckingen, zweimal) und viele andere, die häufig eine nahegelegene Flur kennzeichnen. Unklar ist das historisch belegte Horensluoch ‘die Hornschlucht’ (1457 (?), Unterems), wo nicht erkennbar ist, worauf sich Horen ‘Horn’ genau bezieht: es kann sich um eine Schlucht in Hornform handeln oder um eine Schlucht unterhalb eines Gipfels oder um etwas Anderes. Komplexer sind etwa dr Brandschluichischleif ‘der Holzschleif bei der Schlucht beim brandgerodeten Gebiet’ (Blatten), t Hinnerscht Blattschlüche ‘die hinterste Schlucht unterhalb des Gebietes Blatt (Felsplatte)’ (Münster), der Ober und der Under Brandschluichen ‘der obere und der untere Teil der Schlucht beim brandgerodeten Gebiet’ (Blatten), ts Stärchbalmuschlüüchji ‘die kleine Schlucht bei der Stärchbalmu (starker überhängender Fels)’ (Hohtenn), der Vierleerchewangschlüche ‘die Schlucht beim Grasabhang bei den vier Lärchen’ (Oberwald), t Voderscht Blattschlüche ‘die vorderste Schlucht unter dem Gebiet Blatt (Felsplatte)’ (Münster).

Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita findet sich das HL mit folgenden Grundwörtern: Acher, Grabu, Matta, Tunnel, Wald und Wang.

Komplexer sind t Gross Schlücheschlüecht ‘die grosse Geländeeinbuchtung beim Schlüche (Schlucht)’ (Blitzingen), t Mischischluachbrigga ‘die Brücke über die Mischischlucht’ (Zwischbergen) (JORDAN (2006, 324) hat Mischischluach und Mischischluachbrigga), ob dem Schlúchmattenstadol ‘oberhalb des Stadels bei der Schluchmatta (Wiese bei der Schlucht)’ (1776, Bürchen), Schluichgrabegalerie ‘die Galerie (Tunnel) beim Schluichgrabe’ (LT, Ferden) und andere.

VSNB, Bd. 4, Sp. 93

Vorkommen

schlu

schluach

schluch

schlücha

schlüche

schluchen

schlüchi

schlüchji

schlüchjini

schlücho

schluich

schluichen

schluichi

schluihen

schluoch

schlüüchä

schlüüche

schlüüchji

schlüüchjini

schlüüchu

sluoch