Deisch
Deisch ist zunächst ein Weiler von Grengiols an der Furkastrasse am oberen Ende einer steilen Talstufe, die als Mons Dei ‘Gottesberg’ (schon 1344, Grengiols) fromm umgedeutet worden ist. Die historischen Belege zeigen die Form Doͤÿsch (1425 und später), also mit einem gerundeten Diphthong; die frühen Belege wie Deischbach (1367, Lax) und vfem Deisch (1437, Grengiols) gehen – laut PH. KALBERMATTER (p. c.) – auf Kopialbücher aus dem 17. Jahrhundert zurück. Daraus lässt sich folgern, dass die ältest belegte Form einen gerundeten Diphthong enthält. HUBSCHMIED deutete Deisch oder Teisch als deutsch, Doeys als französisch, und führte den Namen auf kelt. *dā ouksū ‘auf der Höhe’ zurück. Diese Deutung wurde von POKORNY abgelehnt, da es eine kelt. Präposition * dā nicht gebe und da der Name auch in der deutschen Schweiz und im grössten Teil Süddeutschlands verbreitet sei. Er lasse sich auf das Appellativ Deisch, Teisch ‘Kuhmist, Kot, Dünger, Schmutz, Abfall’, ahd. theisk, deisk ‘Mist, Misthaufen’ zurückführen (HUBSCHMIED 1938, 98; POKORNY 1948/49, 240; ID. 13, 1891 ff., mit einer Diskussion des Namens 1893). Es gibt damit einerseits die gerundete Form, anderseits die ungerundete; beide entsprechen vermutlich zwei verschiedenen Formen, die als éine interpretiert wurden.
Da die gerundete Form ursprünglich zu sein scheint, kann POKORNYs Deutung nicht zutreffen; hingegen sind die Belege für Bellwald, Hohtenn, Saas-Balen und Betten klarerweise auf Deisch ‘Mist’ zurückzuführen. Die Belege zu Deisch (Grengiols), Lax und vermutlich auch Binn jedoch müssen zu einem Lemma Döisch gestellt werden, ohne dass dazu eine Erklärung möglich ist (auch HUBSCHMIEDs Deutung kann kaum stimmen).
Das Simplex Deisch (Grengiols) ist historisch auch in Lax (1580) als vffen Deisch ‘auf dem Deisch’ belegt; diese präpositionale Form ist auch bei Grengiols historisch mehrfach belegt, teilweise auch als lat. SUPER. Das deutet darauf hin, dass der Weiler auf der Höhe der Talstufe Deischberg liegt. Für Binn ist auff Deisch (1762) belegt, vermutlich der gleiche Ort wie in Grengiols.
Relative Lagen benennen ts Ober Deisch (Grengiols, Lax) und ts Unner Deisch (Grengiols); in Fiesch ist historisch 1737 im obren Deÿsch belegt, auch hier ist unklar, ob der Ort mit jenem in Grengiols identisch ist.
In allen andern Belegen ist Deisch Bestimmungswort. Der Deischbach (Martisberg, Grengiols, Lax) fliesst von der Martisbergeralp an Lax und Deisch vorbei in den Rotten. Zu ihm gehören der Deischbachgrabe (Lax) und die Deischbachsita (Lax). Der Deischwald (Grengiols), auch Deischwaud (Lax) befindet sich östlich von Deisch. Zu Lax gehört auch an den Deÿschackren (1552). Der Deischbärg (auch Mons Dei, ab 1344) gehört wie auch t Deischcheerna ‘die Kehren der Kantonsstrasse am Deischberg’ und di Deischerwasserleita ‘die Wasserleite nach Deisch’ zu Grengiols.
Die Deischägerta ‘das Brachland beim Mist’ (Betten), in der Deisch=Halten ‘in der Halde beim Deisch (Mist)’ (1850, Bellwald), di Teischbalmu ‘der überhängende Fels mit Mist’ (Saas-Balen) und das komplexere Teischbalmen Kenel ‘der Kännel im Gebiet der Teischbalma (überhängender Fels mit Mist)’ (Hohtenn) sind weitere Vorkommen des HL DEISCH, die zur Deutung ‘Mist’ passen.
VSNB, Bd. 2, Sp. 6
Vorkommen
deisch
- Deisch Lax
- Deisch Grengiols
- Deisch Binn
- Deisch Bärg Grengiols
- Deisch Hauta Bellwald
- Deischacher Lax
- Deischägerta Betten
- Deischbach Lax
- Deischbach Grengiols
- Deischbach Martisberg
- Deischbach Lax
- Deischbachgrabe Lax
- Deischbachsita Lax
- Deischcheerna Grengiols
- Deischwald Grengiols
- Deischwaud Lax
- Ober Deisch Fiesch
- Ober Deisch Grengiols
- Ober Deisch Lax
- Unner Deisch Grengiols
deischer
- Deischerwasserleita Grengiols
teisch
- Teischbalmen Kenel Hohtenn
- Teischbalmu Saas-Balen