Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Campus

Campus ‘Feld’ ist mehrfach belegt, wobei die meisten historischen Belege auf lat. CAMPUS ‘Feld’ zurückgehen und nicht immer klar ist, ob ein Flurname oder ein Appellativ gemeint ist. Die Form campo kann ein lat. Dativ oder Ablativ sein, aber auch eine it. Form, wobei italienische Namen nur an der Südgrenze des Oberwallis zu Italien und dem Kanton Tessin auftreten. Für die frz. Form vgl. das HL CHAMP, für die frpr. Form das HL ZA; dt. Lehnformen sind unter dem HL GAMPEL zu finden.

Als Simplex ist de Campis ‘bei den Feldern’ (1203 u. später, Leuk) belegt, wo ein Weinberg so benannt ist, der 1217 auch als Rees bezeichnet wird. Da diese Form nur noch 1358 in Leuk als eys rees marchis vorkommt, muss es sich um einen romanischen Namen handeln (cf. HL REES).

Mit einem nachgestellten lat. Genitiv oder einer präpositionalen Form erscheinen: jn Campis de Fingoz ‘in den Feldern von Pfyn’ (1578, Leuk), in Campis dou Chablo ‘in den Feldern beim Holzschleif’ (1330, Leuk), in Campis Presbiterorum ‘in den Feldern der Priester’ (1468, Albinen), in Campo dol Dreuies ‘im Feld mit Brunnen (Quellen)’ (1328, Ergisch; in anderen Dokumenten dol Druyes, dou Dueỳs, dol Duyes, dol Duỳes) (cf. HL DRUYES), jn Campo dou Bioley ‘im Feld mit Birken’ (1355, Ergisch), in Campo dou Rives ‘im Feld beim Bach’ (1358, Albinen), in Campo Dues ‘im Feld mit Brunnen (Quellen)’ (13. Jh., Ergisch) (cf. HL DUES), in Campo Gyrardi ‘im Feld des Girard’ (1368, Varen) (cf. HL GYRARDI), jn Campo Lambaner (1351 u. später, Varen) (cf. HL LAMBANE), jn Campo Reyl (1338, Inden) (cf. HL REYL), in campo d.[icto] Vyonet ‘im Feld, das Vyonet genannt wird’ (1375, Varen) (cf. HL VIA). Weiter sind belegt iuxta campum dol mantel ‘beim Feld des Mantel’ (1250, Leuk) (cf. HL MANTEL (ROM.)), juxta campum faborum ‘beim Bohnenfeld’ (1526, Varen), campum Oliverii ‘das Feld der Familie Olivier’ (1241, Varen), campus dou dallie ‘das Feld bei den Dählen (Föhren)’ (1413, Leuk).

Mit einem attributiven Adjektiv erscheinen: jn plano campo ‘auf dem ebenen Feld (unklar, ob Name)’ (1328, Ergisch; 1407 Leuk, 1589 in planis campis; 1338 u. später, Varen) (später erscheinen Plan Cham und Pflantschang in Varen).

Eine nachgestellte präpositionale Konstruktion findet man in in summitate saxi de campo cort ‘auf der Höhe des Felsen beim Feld des Hofes’ (13. Jh., 1328, Ergisch).

It. campo ist nur in Passo di Camposecco ‘der Camposecco-Pass (trockenes Feld)“ (Saas-Almagell), benannt nach dem Gebiet Camposecco ‘trockenes Feld’, das u. a. als Lago di Camposecco ‘See von Camposecco’ erwähnt ist, auf der italienischen Seite. OLIVIERI (21961; 1965) kennt den Namen nicht.

VSNB, Bd. 1, Sp. 314

Vorkommen