Chrüt
Chrüt n. ‘Kraut’ ist zu schwdt. Chrūt, wdt. Chrüt, Chruid (Lötschental) n. ‘Kraut, kollektiv Gras, bes. sofern es als Grünfutter abgeweidet oder so lange es noch auf dem Felde steht, Graswuchs’ zu stellen (ID. 3, 883 ff.; GRICHTING 1998, 54 f.). RÜBEL (1950, 115) erwähnt, dass Chrüt „die Blätter der Runkelrüben“ meine.
Das Simplex kommt nicht vor. Mit einem attributiven Adjektiv erscheint ts Hochrüt ‘das hochgelegene Gebiet mit Kraut’ (Saas-Grund). Als Grundwort ist das HL in ts Faluchrüt ‘Arnika’ (Täsch) (zu Fallchrut (ID. 3, 890), dem Namen für ARNICA MONTANA ‘Arnika, auch Wohlverleih’ (LAUBER / WAGNER / GYGAX 52014, 1118) und ts Lüschrüt ‘das Läusekraut’ (Täsch) (zu Lüschrut (ID. 3, 900) belegt, wobei unklar ist, welche Pflanze genau gemeint ist; vermutlich ein Läusekraut (PEDICULARIS VERTICILLATA ‘Quirlblättriges Läusekraut’, das im Alpenraum verbreitet ist; LAUBER / WAGNER / GYGAX 52014, 934). In zwei Belegen Lammikräuͤtern (1869, Stalden) und Lamminkräutern (1869, Törbel) ist wohl die Ableitung Chrütera gemeint: ‘das Gebiet mit Kraut bei der kleinen Lamme (Felsschlucht)’. Einen seltsamen Genitiv des HL weist ts Innruscht Chrütsch ‘beim innersten Gebiet mit Kraut’ (Zermatt) auf, wo der Name von der Lage her (2353 m., beim Gletscher) Probleme aufgibt.
Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit Bäärg, Brunnu, Chnubel, Egg(a), Fad, Flüö, Gartu, Grabu, Mad, Schleif, Schlüche, Tola und Tschugge. Dabei ist die Grútzschuggen (1540, Glis) sehr unsicher; das Bestimmungswort Grút ist sonst nicht belegt. Komplexer sind Chrütbärgwäg ‘der Weg auf den Chrütbärg (Berg, wo es Kraut hat) hinauf’ (FLNK, Baltschieder) und der Unner Chrütbärg ‘der untere Teil des bergwärts gelegenen Gebietes, das mit Kraut bewachsen ist’ (Baltschieder).
Häufiger sind Ableitungen vom Typ t Chrütera ‘das Gebiet mit Kraut’ (Stalden), iner Chrüteru ‘im Gebiet mit Kraut’ (Saas-Grund), t Chruitärra ‘das Gebiet mit Kraut’ (Blatten, Ferden), t Krütera ‘das Gebiet mit Kraut’ (Baltschieder, Grächen), die Krútern ‘das Gebiet mit Kraut’ (1860, Steg), jn die Krútteren ‘im Gebiet mit Kraut’ (1540 u. später, Embd), dvͥ Krutterra ‘das Gebiet mit Kraut’ (1399 u. später, Staldenried), in der Krutterun ‘im Gebiet mit Kraut’ (1674 u. später, Zeneggen), im Plural t Chrütere ‘die Gebiete mit Kraut’ (Saas-Almagell; FLNK Chriter) und t Krütre ‘die Gebiete mit Kraut’ (St. Niklaus). Unsicher ist t Krüüternee ‘das Gebiet mit Kraut’ (Hohtenn, van de Chrüüternu). Es handelt sich um eine /-ERRA/-Ableitung zum Nomen Chrüt (SONDEREGGER 1958, 471 ff.) mit der Bedeutung ‘viel Kraut’.
Mit attributiven Adjektiven kommen t Ober und t Unner Chrütre ‘die oberen und die unteren Gebiete mit Kraut’ (Täsch), in der Stotzenden Krutero ‘im steilen Gebiet mit Kraut’ (1768, Zeneggen), t Wiiss Chrüterra ‘das weisse Gebiet mit Kraut’ (Törbel) vor.
Wohl vom Verb chrütte, chrüttä (Goms), chruitu (Lötschental), chrüütu ‘abschneiden (Gras, Kraut), ist das substantivierte Fem. Chrütteta, Chrüttätä (Goms), Chrüttuta (Mattertal), Chrüttettu (Saastal), Chruitätä (Lötschental), Chrüütätu f. ‘Gras (abgesichelt)’ (ID. 3, 883 ff.; GRICHTING 1998, 54 f.) abgeleitet. Es kommt vor in t Chrütete ‘das Gebiet mit Kraut’ (Grengiols), t Kchrütete ‘das Gebiet mit Kraut’ (Ulrichen), t Kchrüütete ‘das Gebiet mit Kraut’ (Naters), jeweils im Plural. Es handelt sich um eine /-ETA/-Ableitung (SONDEREGGER 1958, 482 ff., wohl deverbativ).
Zum Adjektiv chrütig (zu (g’)chrûtig ‘krautig’ (ID. 3, 917)) gehört der Chrütigu ‘das Gebiet mit Kraut’ (Raron, Alpweide) mit den dazu gehörenden ts Chrüütigchi ‘das Kinn (Schlucht) im Gebiet des Chrütigu’, ts Chrüütighoru ‘das Chrüütighoru (Gipfelname, LT Chrütighorn, Gipfel über dem Chrütigu)’, t Chrüütiglowwi ‘das Rutschgebiet beim Chrüütigu’ (Raron). Wohl auch dazu gehört Krutigrück ‘der krautige Rücken (Rücken mit Kraut)’ (SK, Ausserberg).
VSNB, Bd. 1, Sp. 374
Vorkommen
chriter
- Chriterfad Saas-Almagell
- Chritergräbji Staldenried
chriteri
- Chriteri Blitzingen
chrü(t)
- Chrü(t)prunu Saas-Balen
chrüd
- Chrüdschlücho Visperterminen
chruitärrä
- Chruitärrä Blatten
chruitärra
- Chruitärra Ferden
chrüt
- Chrütbärg Eggerberg
- Chrütbärg Mund
- Chrütbärgwäg Baltschieder
- Chrütchnubla Steg
- Chrütgärtu Bratsch
- Chrütgärtu Feschel
- Chrütmatt Baltschieder
- Chrütmatt Raron
- Chrüttolu Salgesch
- Faluchrüt Täsch
- Hochrüt Saas Grund
- Lüschrüt Täsch
- Unner Chrütbärg Baltschieder
chrüter
- Chrüterflüe Zermatt
chrütera
- Chrütera Stalden
chrütere
- Chrütere Saas-Almagell
chrüterra
- Wiiss Chrüterra Törbel
chrüteru
- Chrüteru Saas Grund
chrütete
- Chrütete Grengiols
chrütig
- Chrütighorn Baltschieder
chrütigu
- Chrütigu Blatte Täsch
- Chrütiguflüo Eisten
chrütre
- Chrütre St. Niklaus
- Chrütre Zermatt
- Ober Chrütre Täsch
- Unner Chrütre Täsch
chrütsch
- Innruscht Chrütsch Zermatt
chrüüt
- Chrüütschleif Gampel
chrüüter
- Chrüütereggi Ausserberg
chrüütig
- Chrüütigchi Raron
- Chrüütighoru Raron
- Chrüütiglowwi Raron
chrüütigu
- Chrüütigu Raron
crut
gru
- Grutschugge Glis
kraut
- Krautmat Niedergesteln
kräutern
- Lammikräutern Stalden
- Lammikräutern Törbel
krütera
krutern
- Krutern Steg
krütete
- Krütete Ulrichen
krutig
- Krutigrück Ausserberg
krütre
- Krütre St. Niklaus
krütteren
- Krütteren Embd
krutterra
- Krutterra Staldenried
krutterrun
- Krutterrun Zeneggen
- Stotzenden Krutterrun Zeneggen
krüüternee
- Krüüternee Hohtenn
krüütete
- Krüütete Naters