Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Pass

Pass ist zu schwdt. Pass m. wie nhd. ‘Durchgang, Übergang (im Gebirge)’, aus mlat. PASSUS ‘Engpass im Gebirge und in Wegen’ (ID. 4, 1655 ff.; KLUGE / SEEBOLD 252011, 686; GRICHTING 1998, 150; URNB 2, 888 ff.) zu stellen Das HL kommt fast nur als Grundwort in rund 100 Belegen vor. Neben den bekannten Pässen Furgge (Furka), Gemmi, Gries, Grimsel, Nufenen und Simplon sind meist Übergänge von einem Tal in ein anderes gemeint. Die Namen beziehen sich auf den Ausgangs- oder Zielort oder auf naheliegende Fluren oder Gipfel. So gibt es der Adlerpass, der vom Mattertal ins Saastal führt, am Adlerhorn vorbei (Zermatt, Saas-Almagell), der Alaliinpass (Täsch) oder der Aleliinpass (Saas-Almagell) ebenfalls vom Mattertal ins Saastal am Allalinhorn vorbei und viele andere mehr. Solche Pässe sind Fusspässe im Hochgebirge, wie auch etwa der Fluchtpass beim Fluchthorn (Saas-Almagell). Manche der Pässe führen nach Italien, wie die verschiedenen Pässe in Zwischbergen: der Andollapass ‘der Pass zur Andolla-Alpe’ (Zwischbergen, LT Passo d’Andolla), der Oriaschapass ‘der Pass zur Alpe von Oriaccia’ (Zwischbergen. LT Passo di Oriaccia), der Potimmiapass ‘der Pass bei der Alpe Pontimia (Zwischbergen)’ (Zwischbergen, LT Passo di Pontimia), der Büsingpass ‘der Pass zur Alpe Büsing’ (Zwischbergen, LT Passo del Büsin), der Ragozzapass ‘der Ragozza-Pass’ (Zwischbergen; kleiner Pass noch auf Schweizer Seite bei der Bochetta Gattaschosa), der Russupass ‘der Pass bei der Cima del Rosso’ (Zwischbergen, LT Passo del Rosso), der Wallaropass ‘der Pass nach Vallaro’ (Zwischbergen, benannt nach der Kleinsiedlung Vallaro in Italien)’ – nicht erfasst wurden hier weitere Pässe, die vom Zwischbergental in andere Oberwalliser Täler führen. Ausser den Pässen nach Italien gibt es einige in den Kanton Bern, neben dem Grimselpass (Oberwald) etwa der Gemmipass (Leukerbad) oder der Trützipass ‘der Pass von der Alp Trützi über den Aargrat in den Kanton Bern’ (Geschinen), den Kanton Uri, wie der Dammapass ‘der Dammapass (Pass zwischen Dammastock und Rhonestock von Oberwald nach Uri)’ (Oberwald) und der Mutpass ‘der Mutpass (LT Muttpass) bei den Muttenhörnern (benannt nach Mutten im Kanton Uri)’ (Oberwald) und den Kanton Tessin mit der Nufenepass ‘der Nufenenpass’ (Ulrichen) und der Ggornopass ‘der Pass, der ins Val Corno (Horn)’ (Ulrichen) führt. Als frpr. Element ist der Traguipass ‘der Pass oberhalb der Alpe Tracuit (LT Col de Tracuit)’ (Oberems) belegt. Fast überall lassen sich noch weitere Pässe aufführen.

Neben den zweigliedrigen Komposita gibt es auch eine Reihe von komplexeren Konstruktionen: Alt Nufenepass ‘der alte Nufenenpass (heutige Strasse ist nordöstlich davon)’ (FLNK, Ulrichen), der Breithorepass ‘der Pass unterhalb des Breithorns’ (Zermatt), der Breithorupass ‘der Pass beim Breithorn’ (Simplon, Zwischbergen), Chaltwasserpass ‘der Pass beim Kaltwassergletscher’ (FLNK und LT, Ried-Brig; SK Kaltwasserpass), Chaschtlertellipass ‘der Pass ins Chaschtlertelli (kleines Tal beim Chaschtler)’ (FLNK u. LT, Niedergesteln) und viele andere mehr. Mit attributiven Adjektiven sind besonders der Öschtlich und der Weschtlich Geerepass ‘der östliche und der westliche Gerenpass’ (Oberwald) und Hinter Allalinpass ‘der Pass über dem hinteren Allalingrat’ (FLNK u. LT, Saas-Almagell) zu erwähnen. Speziell ist auch Waldesertapass ‘beim Pass ins Val Deserta (Deserta-Tal in Italien)’ (Binn).

Nur ganz seltene Belege weisen das HL als Bestimmungswort auf: di Grimselpassheeji ‘die Höhe des Grimselpasses’ (Oberwald), Lötschepasshütte ‘die bewartete Hütte auf dem Lötschenpass’ (Ferden).

Ein Diminutiv ist nur einmal belegt: ts Galupassji ‘der kleine Pass oberhalb des Galenbergs (begraster Berghang)’ (St. Niklaus).

Neben dem HL PASS werden auch die HLL FURGGA und JOCH häufig für Bergübergänge verwendet. It. ist das HL PASSO, frz. HL PAS und COL.

VSNB, Bd. 3, Sp. 335

Vorkommen

pass

passji