Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Bellwald (PN)

Bellwald (PN) ist einerseits ein Gemeindename und anderseits ein im Oberwallis verbreiteter Familienname. Die Grundhypothese des AWWB (25) geht davon aus, dass der FaN auf den ursprünglichen Wohnort Bellwald zurückgeht. Die geografische Konzentration des FaN auf Blatten (Lötschental) und der Ausdruck di Belwadiga ‘die Sippe Bellwald’ (W. BELLWALD, p. c.) mit der kollektiven /-IG/-Ableitung sprechen aber dagegen.

Als Gemeindename bezeichnete Bellwald zuerst die Bergkuppe, auf welcher die Gemeinde liegt. Sie ging erst später auf die Hauptsiedlung (1374 Zblattun) über ("Bellwald" (HLS) [06.07.2020;IW] nach W. RUPPEN (1979, 290)). Der Name wird bestehend aus dem Grundwort schwdt. Wald m., ahd. wald, mhd. walt wesentlich wie nhd. ‘kleinerer oder grösserer Baumbestand’ (ID. 15, 1467 ff. bes. 1475 f.) und einem ersten Namenteil Bell- analysiert, dessen Herkunft unsicher ist. KRISTOL ET AL. (2005, 137) nehmen zwei Hypothesen an: (1) ein Weiterleben des lat. BELLUM in frz. bel ‘schön’, (2) einen germanischen PN (Ballo / Pallo) (FÖRSTEMANN 1, 243) oder zum Stamm Balu (FÖRSTEMANN 1, 235), wo ein PN Pallo erwähnt ist. Nicht beachtet wird, dass im Goms mit Oberwald und Niederwald schon zwei Gemeindenamen mit Wald existieren; ein drittes Wald müsste sich von diesen zwei absetzen, doch fehlt ein solcher Hinweis. RUPPEN (1979, 291) deutet den Namen als Fellwald, meint also wohl, es liege eine Beziehung zu lat. PELLIS ‘Fell’ vor. Eine grundsätzlichere Lösung ist wohl ein zweigliedriger germanischer PN. Als Grundwort wäre dann selbst ein PN zum Typ vald (FÖRSTEMANN 1, 1496 ff.) anzunehmen. In Frage kommen Baldoald (FÖRSTEMANN 1, 1497) oder ein ähnlicher Name. Diese Hypothese scheint uns angesichts der schwierigen Situation am sinnvollsten.

Der Gemeindename lautet in der lokalen Mundart mit /l/-Vokalisierung Beuuaud ‘Bellwald’ (Bellwald, SK und LT Bellwald). Der älteste Beleg lautet 1273 Bellewalt, spätere Belege lassen den zweiten Vokal weg: 1293 Belwalt, 1332 Belwalt, 1376 Belwald usw.

Das Simplex im Singular ist belegt als jm Belwaldt ‘im Gebiet, das dem Bellwald (FaN) gehörte’ (1671 u. später, Blatten), Belwalt ‘der Wald bei der Alpe Bäll’ (1390, Naters), der in der Quelle als siluam ‘Wald (Akkusativ konstruktionsbedingt)’ bezeichnet wird, also sicher kein FaN ist.

In Blatten bildet sich ein ganzes Namennest mit di Bellwaldegga ‘die Ecke der Familie Bellwald’, di Bellwaldhaaltä ‘die Halden der Familie Bellwald’ (FLNK Bellwadhaltä), di Bellwaldlägi ‘die Ebene am Gebiet der Familie Bellwald’, dr Bellwaldwald ‘der Wald beim Gebiet der Familie Bellwald’ (LT und FLNK Bellwadwald), dr Fiischter Bellwald ‘der finstere Teil des Gebietes der Familie Bellwald’, t Obru und t Undru Bellwaldhaltä ‘der obere und der untere Teil der Halden der Familie Bellwald’, t Ober und t Under Bellwaldlägi ‘der obere und der untere Teil der Ebene der Familie Bellwald’, dr Inder und dr Uister Bellwaldschleif ‘der innere und der äussere (Holz-)Schleif der Familie Bellwald’. Die Form Bellwad ohne /l/ ist im Übrigen im Tal gängig (W. BELLWALD, p. c.). Dazu passt ein vorangestellter Genitiv dr Bellwadu Schiir ‘die Scheuer der Familie Bellwald’ (Kippel).

Eine Ableitung auf /-ER/ zum Gemeindenamen Bellwald ist belegt in in der Belwalder Binen ‘die Bellwalder Bine (Pflanzplatz)’ (1824, Bellwald), an den Gemeinen Belwalder Wald ‘der Wald, der der Gemeinde Bellwald gehört’ (1839, Bellwald), t Beuuaudertrifft ‘die Bellwalder Trift (Alpgebiet am Fieschergletscher)’ (Bellwald) und Bewauderwäg ‘der Weg nach Bellwald’ (FLNK, Niederwald).

Eine Ableitung auf /-ERI/ für Wasserleitungen ist in t Beuuauderi ‘die Wasserleitung nach Bellwald’ (Bellwald, mit /l/-Vokalisierung, FLNK Bellwalderi) belegt.

VSNB, Bd. 1, Sp. 184

Vorkommen

bellwadu

bellwald

bellwaud

bellwauder

bellwauderi

belwald

bewauder