Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Esche

Esche m. / f. ‘Esche’ ist zu schwdt. Esch I ‘Esche’ und wdt. Escha, Eschä (Goms), Eescha (Lötschental) (alle w.), Esch m. ‘Esche’ (ID. 1, 568; GRICHTING 1998, 73) zu stellen. Aus lautlichen Gründen ist der Baumname häufig nicht vom HL ESCH ‘Saatfeld’ (cf. HL ESCH) zu unterscheiden; wo das nicht möglich ist, werden beide HLL angegeben; im Einzelnen cf. HL ESCH.

Das Simplex im Singular ist 1299 in Törbel als jm Esche, resp. jm Esse bezeugt. Hier ist aber ziemlich sicher Esch ‘Saatfeld’ gemeint; im ersten Beleg ist ein Speicher genannt, der darauf hinweisen würde; der Weinberg (vineam) im zweiten Beleg passt aber eher zur Deutung ‘beim Eschengehölz’.

Das Simplex im Plural ist als Zen Esche ‘bei den Eschen’ (Ausserbinn) und Zen Eschenn ‘bei den Eschen’ (1586, Naters), in Simplon als mid de Eschu ‘bei den Eschen’ belegt.

Die Diminutive im Singular erscheinen als ts Eschji ‘das kleine Gebiet mit Eschen’ (Eggerberg), wo kaum ein Saatfeld liegt; zu diesem Namen gehören auch ts Inner Eschji ‘das innere (taleinwärts liegende) kleine Gebiet mit Eschen’ und ts Üsser Eschji ‘das äussere (talauswärts liegende) kleine Gebiet mit Eschen’ (beide Eggerberg). ts Eschji (Raron) und Eschji (FLNK, Embd) sind beide als ‘kleines Gebiet mit Eschen’ zu verstehen. ts Eschtji ‘das kleine Gebiet mit Eschen’ (Staldenried) wird laut V. ABGOTTSPON Eschji genannt und erscheint 1656 u. später als Zum Esch, hat also nichts mit Ascht zu tun. Der Plural des Diminutivs ist als die Eschlini ‘die kleinen Gebiete mit Eschen’ (1795, Naters) und ubern Eschini ‘oberhalb der kleinen Eschen’ (Ferden) belegt; letzteres befindet sich oberhalb von der Eschi Rigg ‘der (Fels-)Rücken mit Eschen’, bei FLNK als Eschine Rigg ‘der eschene (Fels-) Rücken’ (Ferden). Alle Diminutive können auch als Ableitungen zu Eschi < Esch-ahi ‘Eschengehölz’ mit dem Suffix /-AHI/ (SONDEREGGER 1958, 466) verstanden werden. Das gilt auch für t Eschi f. ‘das Eschengehölz’ (Bürchen).

Vermutlich ein Adjektiv liegt vor in t Eschini Chummu ‘die Kumme mit Eschen’ (Ergisch). Es handelt sich um das Adjektiv eschin ‘von der Esche herrührend’ (ID. 1, 568).

Als Bestimmungswort ist das HL wie folgt belegt: Eschigrund ‘der Grund (Rottenebene) mit Eschen’ (Baltschieder). Die historischen Belege von 1553 und 1697 haben jn Heschengrúndt, was den Verdacht nahelegt, dass hier ursprünglich ein PN Heschi oder ähnlich gemeint war, der allerdings sonst nicht belegt ist; das gilt auch für das 1548 belegte Heschen Eÿen ‘die Aue mit Eschen (?)’. aúf den Eschikúbel ‘auf den Hügel bei den Eschen / der Familie Escher’ (1774, Naters) ist unsicher; es könnte hier ein Eschig vorliegen ‘die Leute der Familie Escher’. im Eschu Mos ‘im Moos (sumpfiges Gebiet) mit Eschen’ (Fiesch) enthält entweder einen vorangestellten Genitiv Plural oder bildet ein Kompositum.

Die Adjektivbildung aschin-/eschin- ‘von der Esche herrührend’ (ID. 1, 568) gehört hieher.

Vermutlich ein Lesefehler liegt in am Hirgeschji (1855, Staldenried) vor, das auch als Girgeschji gelesen werden kann und dann zum HL GIRETSCH ‘Vogelbeerbaum’ gehört.

VSNB, Bd. 2, Sp. 86

Vorkommen

esch (Esche)

escha

eschä

eschär

esche

eschi

eschini

eschinon

eschinu

eschji

eschlini

eschtji

eschu

heschun