Höupt
Höupt ‘Haupt’ ist zu schwdt. Haupt, Hopt, Haut, Haup, Hōp, Hopp, Pl. Höpter, Höper, Dim. Höptli, Häutli, Häupli, Höpli ‘Haupt’, mhd. houbet, ahd. houbit zu stellen; zum Wdt. siehe Höt, Hoid (Lötschtal), Höüt ‘Kopf, Rind’ (GRICHTING 1998, 109). Nhd. jetzt weitgehend durch ‘Kopf’ ersetzt; zur Verbreitung der Worttypen ‘Kopf’ und ‘Haupt’ im Schweizerdeutschen siehe SDS (4, 1, 2 und 4). In FlN ‘runde Erhebung, besonders der Gipfel im Gegensatz zum Fuss des Berges’, das Präfix Haupt- auch ‘erst, wichtigst, oberst’ (ID. 2, 1495 ff.; ZINSLI 1946, 51 und 324; KLUGE / SEEBOLD 252011, 399).
In den Flurnamen ist zu unterscheiden zwischen Höupt als ‘Erhebung’ oder ‘Gipfel’, Höupt als Zählwort für Rinder und dem modifizierenden Affix Haupt-, das entsprechend immer nur in Ableitungen auftreten kann; in einigen Fällen ist unklar, welche der Verwendungen vorliegt (z. B. Hoŭptstaffell (1469, Ernen), wo im Prinzip ‘der Stafel bei der Erhebung’, ‘der Rinderstafel’ oder ‘der wichtigste Stafel’ gemeint sein kann; die lat. Übersetzung capitali stafel hilft dabei nicht weiter).
Das Simplex Höupt ‘rundliche Erhebung, Felskopf’ ist in Randa, St. Niklaus und Zermatt (mehrfach) belegt; in Randa und Zermatt finden sich auch Komposita, welche die verschiedenen Höupt voneinander unterscheiden: ts Aalterhöüt ‘der Felskopf im Gebiet Alter’ (bei JULEN ET AL. (1995, 210) als „Runde Erhebung auf einem Bergrücken“ gedeutet), ts Gaaguhöüt ‘der Felskopf beim Gebiet Gaaggu (Dohlen)’ (bei JULEN ET AL. (1995, 221) als „Runde Erhebung oder Gipfel …“ gedeutet) und (unklar auf der SK) Triftelhaupt (bei JULEN ET AL. (1995, 248) als Triftjuhöüd notiert und als „Runde Erhebung …“ gedeutet) (alle drei Zermatt) und Gross und Chli Haupt (Randa), beide beim Höupt. Eine Adjektivbildung ist ts Gälu Höit ‘das gelbe Haupt (gelblicher Felskopf)’ (Oberems). Unklar sind Sandhöüt ‘Sandhaupt (wohl Felskopf im Sandgebiet)’ (Binn), ts Chaschtelhöüt (Saas-Fee), wohl eine Kombination von zwei Metaphern ‘der Felsblock, der wie ein Schloss aussieht’, und Sant Johannshöüpt ‘das Haupt des hl. Johannes des Täufers’ (Naters) – Herodes liess laut Mt 14, 10 Johannes den Täufer enthaupten. Unklar ist, ob es hier einen Bildstock mit diesem Motiv gab, oder ob ein Felsblock so benannt ist.
Die weiteren Belege enthalten Höupt vermutlich fast durchgängig in der Bedeutung ‘wichtigst’ – der Typ Höuptwasserleita ‘die wichtigste Wasserleitung’ (nach EICHENBERGER 1940, 61; BELLWALD / WÜRTH 2006, PASSIM) kommt er in Betten, Eggerberg, Fieschertal, Geschinen, Gluringen, Münster und Reckingen vor; in Bister ist die obre Hauptwasserleiten (1685) belegt. Wieweit Höüptwasser ‘das wichtigste Wasser (Bach)’ (Mühlebach), Haubtwasser ‘das wichtigste Wasser (Bach)’ (1760, Saas-Grund) und Höüptrüüs ‘der wichtigste Wasserlauf’ (Salgesch) inhaltlich das Gleiche bezeichnen wie Höuptwasserleita, ist unklar. Der Hoitgipfil ‘Hauptgipel der Diablons’ (Oberems) ist wohl aus dem Hochdeutschen entlehnt, hingegen sind die Hauptmeni ‘die Aufladestelle für die Rinder / der wichtigste Aufladestelle’ (1684, Gluringen), zum Houpthuss ‘zum Haupthaus’ (1580, Leuk), t Höütstatt ‘die Stätte für die Rinder / die wichtigste Stätte’ (Blitzingen) wie der schon erwähnte Hoŭptstaffell (1469, Ernen) mehrdeutig.
VSNB, Bd. 2, Sp. 508
Vorkommen
haubt (Höupt)
- Haubtwasser Saas Grund
haupt
- Chli Haupt Randa
- Gross Haupt Randa
- Hauptmeni Gluringen
- Hauptwasserleita Geschinen
- Hauptwasserleita Betten
- Hauptwasserleiten Münster
- Hauptwasserleiten Gluringen
- Hauptwasserleiten Eggerberg
- Ober Hauptwasserleiten Bister
- Triftelhaupt Zermatt
haut
- Gugelhaut Saas-Almagell
hoipt
- Hoiptgipfil Oberems
höit
- Gälu Höit Oberems
hopt
- Hoptwasserleita Fieschertal
hot
- Hot Wasserleita Geschinen
höüd
- Höüd Zermatt
houpt
- Houpthuss Leuk
höüpt
- Höüptrüüs Salgesch
houpt
- Houptstafu Ernen
höüpt
- Höüptwasser Mühlebach
houpt
- Houptwasserleiten Reckingen
höüpt
- Sant Johannshöüpt Naters
höüt
- Aalterhöüt Zermatt
- Chaschtelhöüt Saas-Fee
- Gaaguhöüt Zermatt
- Höüt Zermatt
höut
- Höut St. Niklaus