Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Bäll

Bäll ist unklar und überschneidet sich teilweise mit Bell. Das Simplex Bäll ist in Niedergesteln belegt, wo sich ein Namennest mit Bällchappu, Bällchappuschiir, Bäll(e)rebe, Bäll(e)rüüs, Bällstei, Bälweiderre, Obrun Bällweiderre und Bällweiderrungassu befindet. Weiter gibt es die Alpa Bäll (Naters) mit Bälerchrizji, Bälärru Scheenun Biel ‘der schöne Hügel der Leute von Bäll’ und dem Bälgrat (Mund); FLNK hat dafür in Naters auch Bälergrat. Der Flurname Belgrat ‘der Grat oberhalb von Bel(alp)’ (Naters) meint einen deutlich höher (ca. 3200 m) gelegenen Grat. Die moderne Bildung Belalp ist im Übrigen vermutlich der schriftlichen Festlegung zu verdanken, so schon 1388 in alpe de Bell; die lokale Aussprache bleibt aber ['bäll]. Der Versuch, in Belalp französisches ‘belle alpe’ zu sehen, scheitern an dieser Lautung, obwohl die Benennung des Hotels Belalp im 19. Jahrhundert den Anklang gesucht haben mag. Noch unklarer ist Bälliggjini (Naters, beim Weiler Hegdorn). Es liegt wohl ein Kompositum mit dem Plural des Diminutivs Liggji ‘die kleine Liegestelle’ vor; das Bestimmungswort könnte Bäll sein, aber auch ein assimiliertes Bänz ‘Schaf, Lamm’ (RÜBEL 1950, 100) – wobei diese Hypothese eher unwahrscheinlich ist. Historisches Belleggeren Wald (1738, Birgisch) ist unsicher, es könnte auch zu Bell gestellt werden; ‘der Wald der Leute von der Bällegga’ würde aber zu den Natischer Belegen passen. Ein weiterer Beleg findet sich zweimal als Bällegga ‘die Ecke beim Bäll (unklar)’ in Zwischbergen mit historischen Belegen bis 1389 (de Belleckon) zurück. Bäll ist laut ortsnamen.ch auch für eine Weide in Flums (SG) belegt, doch hat auch H. STRICKER dafür keine Erklärung (p. c., 2014). BENB (1, 4, 176 f. s. v. Bälle) nimmt einen PN Bello o. ä. an; das wird bei unseren Belegen kaum in Frage kommen. Das Lexem Bëll ‘einzelner Laut beim Bellen’ (ID. 4, 1158) führt auch nicht weiter. Die geografische Verteilung (Naters, Niedergesteln, Zwischbergen) einerseits, der offene Vokal /ä/ anderseits schliessen ein rom. BELLU ‘schön’ (FEW 1, 319 ff.) eher aus.

VSNB, Bd. 1, Sp. 150

Vorkommen

bäl

bälärru

bäler

bäll

bell (Bäll)