Seil
Seil ist zu schwdt. Seil, Seili n. wie nhd. ‘Seil’ aus Hanf o. ä. oder Metall, in Namen i. d. R. Hinweis auf Stellen, wo man Wildheu abseilte oder wo man ein Seil zwecks leichterer Begehung angebracht hatte; appellativisch auch für Luftseilbahn (ID. 7, 738 ff.). RÜBEL (1950, 72) kennt Seili f. als ‘Anbindestelle für Vieh im Stall’; der Ort, wo es ‘eingeseilt’ wird. GRICHTING (1998, 188) verweist unter Seili auf ‘Platz im Stall, Ordnung, Seilvoll’, letzteres etwa für Heu. ID. erwähnt Seili f. Abstraktbildung auf ahd. -î(n) zum Verb schwdt. seile(n) ‘an einem Seil heraufziehen oder hinunterlassen’, z. B. Wildheu (ID. 7, 759 f.; URNB 3, 207 f.). Das mehrfach vorkommende Seilrichti ist wohl identisch mit Schnuer-Richti oder Faden-Richti (ID. 6, 463 f.), hier häufig als ‘schnurgerade senkrecht abfallend’ zu verstehen.
Die Simplizia Seil und Seili fehlen in den Namen. Als Grundwort kommt Seil vor in Ober und Unner Draatseil ‘oberes’ und ‘unteres Drahtseil’ (beide Mund) für eine Einrichtung zum Holztransport. Unklar ist ts Draatseilbächji ‘der kleine Bach, der einem Drahtseil folgt / der so gerade ist wie ein Drahtseil’ (Ulrichen). Für Bäruseil (Eisten) fehlt eine vernünftige Deutung, es sei denn, es handle sich um eine phonetische Umdeutung von Bärusall (cf. HL SALL). Frosiil n. (Münster) gehört nach SDS (1, 112) ‘Seil’ hieher, der erste Teil ist wohl Fron ‘Herr’, aber die Deutung bleibt unklar. Es könnte sich auch um Sil m. ‘Zuggeschirr für Zugtiere’ (ID. 7, 763 f.) handeln (hdt. Siele f. GRWB 16, 953 f.); ZINSLI (1984, 226, Anm. 612) verweist auf *silja ‘lange Ackerstreifen’ (RN 2, 313 ff.), was aus lautlichen und sachlichen Gründen kaum überzeugt. Am ehesten ergibt sich so etwas wie ‘Gebiet wie ein Seil, das beim Frondienst verwendet wurde’.
Als Grundwort kommt Seili vor in Summerseili (Greich, Ried-Mörel); anzunehmen ist, dass hier ein Ort gemeint ist, der einer Anbindestelle für Vieh im Sommer gleicht, also angenehm ist; hierzu gehört auch die Summerseilwasserleita ‘die Wasserleite, die vom / zum Summerseili führt’ (Ried-Mörel). Bei Schaafseilini (Ritzingen) geht die Deutung wohl in die Richtung eines Gebietes, in dem sich die Schafe gern aufhalten.
Bei den Bestimmungswörtern ist zu unterscheiden zwischen den Bildungen mit Seilbaan (Hohtenn), Station Seilbahn (Leukerbad) und Seilbaastazjoo ‘Station der Seilbahn Hannigalp’ (Grächen) einerseits und mehreren weiteren Bildungen mit Seil, die jeweils unklar sind: Seilegga, Seilerrichti, Seilrichti, Seilfad, Seilloch, Seilschipfu, Seilmatte, Silacher und andere, sowie dem Seilschipfugräbji (Niedergesteln). Wie oben gesagt, ist Seilrichti und Seilerrichti als ‘schnurgerade senkrecht abfallendes Gebiet’ (Fels, Graben) zu verstehen. In anderen Fällen wie Seilfad und Seilloch sind schmale oder enge Stellen gemeint, die die Form eines Seiles haben, oder bei der man ein Seil zum Durchkommen braucht. Doch sind diese Deutungen jeweils vorläufig. Gelegentlich könnte auch der FaN Seiler einen Einfluss haben.
VSNB, Bd. 4, Sp. 154
Vorkommen
seil
- Bäruseil Eisten
- Draatseilbächi Ulrichen
- Ober Draatseil Mund
- Seilbaan Hohtenn
- Seilbastazjoo Grächen
- Seilegga Raron
- Seileggu Niedergesteln
- Seilfad Saas-Fee
- Seilloch Randa
- Seilloch Täsch
- Seilrichtene Münster
- Seilrichti Reckingen
- Seilrichtigrabe Grengiols
- Seilschiire Niedergesteln
- Seilschipfu Niedergesteln
- Seilschipfungräbji Niedergesteln
- Station Seilbahn Leukerbad
- Unner Draatseil Mund
seiler (Seil)
- Seilerrichti Birgisch
- Seilerrichti Zwischbergen
seili
- Summerseili Greich
- Summerseili Ried-Mörel
- Summerseiliwasserleita Ried-Mörel
seilini
- Schaafseilini Ritzingen
seill
- Seillfad Saas-Almagell
siel
- Sielmatte Glis
siil
- Frosiil Münster
sil
- Silacher Mühlebach