Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Fäld

Fäld n. ist zu schwdt. Fëld, Fël Dim. Felli, Pl. Felder, auch Feld, Fël ‘zu Ackerbau bestimmtes Land, einzelnes Stück oder kollektiv im Unterschied oder Gegensatz von Wiesen oder Weinbergen’ und ‘Wiesen oder Weideland’ (ID. 1, 806) zu stellen. WIPF (1910, 76) kennt das Wort als Fäld (unsere Umschrift); GRICHTING (1998) und RÜBEL (1950) erwähnen es nicht. Lat. CAMPUS ‘Feld’ erscheint in älteren Texten; es ist dabei nicht immer klar, ob ein Name oder ein Appellativ vorliegt. Der Typ Gampel (Gemeindename) oder jünger Tsa oder Tscha wird hier nicht behandelt.

Inhaltlich ist zur Bearbeitung der Felder MONHEIM (1955) zu beachten. Höhenlage, Regenhäufigkeit und davon abhängig Wachstumsperioden bestimmen mit, ob und wie im Oberwallis mehrfache oder einfache Kulturen im Agrarbereich möglich waren.

Das Simplex ist im Singular als Fäld (FLNK, Leuk; FLNK, Mund; FLNK, Ried-Brig, FLNK, St. Niklaus), ts Fäld (Törbel), im Fäld (Naters, Reckingen, Termen), im Fäud (Binn, mit /l/-Vokalisierung), am Feld (1638, Grächen; 1515 u. später, Mörel), am Felt (1553 u. später, Gluringen; 1675, Turtmann), an dem Velde (1235, Münster; 1356, Grengiols) belegt; phonetisch ist der Vokal meist lang (Fääld), entsprechend der Länge vor /l/+Kons., wird aber nicht so geschrieben. Das Simplex im Plural ist belegt als an den Välden (1513, Brigerbad) und an den Velden (1613, Lalden).

Der Diminutiv ist nur einmal im Singular belegt als im Fäldji ‘im kleinen Feld’ (Grächen).

Eine Kurzform ohne /d/ ist im Plural als ze Fäle ‘bei den Feldern’ (Bellwald) (allerdings unsicher) und historisch 1335 als zun Felen (Niederwald) belegt, auch hier jedoch unsicher. Als Diminutiv erscheint üfem Fäli ‘auf dem kleinen Feld’ (Ulrichen) (wobei Gwp. angibt, das sei auch ein FaN gewesen, aber nicht in Ulrichen), ts Fäälji ‘das kleine Feld’ (Ernen, Lax, Mörel), wobei Ernen und Lax historische Belege mit /d/ aufweisen.

Attributive Adjektive zum HL sind ts Alt Fäld ‘das alte Feld’ (Raron), am Endren Velde ‘am jenseitigen Feld’ (1387, Münster; 1661 im Ándren Feldt), am Endren Fäldt ‘am jenseitigen Feld’ (1584, Naters), im Endren Feldÿ ‘im jenseitigen kleinen Feld’ (1756, Naters), ts Fiischter Fäld ‘das finstere Feld’ (Naters), jm Fodren Felt ‘im vorderen Feld’ (1638, St. Niklaus), Gemeÿnvelt ‘das Feld, das der Gemeinde gehört’ (1389, Turtmann, später lateinisch), ts Gmei Fäld ‘das Feld, das der Gemeinde gehört / das gemeinsam genutzt wird’ (Oberems), Gmeind Feld ‘das Feld, das der Gemeinde gehört’ (1815, Salgesch), ts Hofäld ‘das hohe Feld’ (Lalden, Mund), das Hoväldt ‘das hohe Feld’ (1513 u. später, Brigerbad), am Hochen Feldt ‘am hohen Feld’ (1699 u. später, Visp), am Hoofäldt ‘am hohen Feld’ (1593 u. später, Eyholz), im Kleinen Feldlin ‘im kleinen Feld’ (1758, Naters), im Kleinen Fellji ‘im kleinen Feld’ (1839, Lax), jm Kleinen Feldÿ ‘im kleinen Feld’ (1680 u. später, Ernen), t Linggu Fäld ‘die linken Felder’ (Mund), mehrere Belege von ts Ober und ts Unner Fäld ‘das obere Feld’ (St. Niklaus und jeweils mehrere andere Gemeinden) mit verschiedenen Varianten inklusive /l/-Vokalisierung. Die lateinischen Belege mit teilweise nachgestelltem Adjektiv sind campum curvum ‘das krumme Feld’ (1232, Ried-Brig), in campo curvo ‘im krummen Feld’ (12?? u. später, Naters), in longo campo ‘im langen Feld’ (1338, Bratsch), in largo campo ‘im breiten Feld’ (13. Jh. u. später, Erschmatt), in nigro champo ‘im schwarzen Feld’ (1333 u. später, Unterems), in exteriori campo ‘im äusseren Feld’ (1346, Bratsch). In den lateinischen Belegen ist unklar, ob es sich um Namen oder Appellative handelt.

Vorangestellte Genitive (ausser den ursprünglich genitivischen /-ER/-Formen) sind: des Atten Felt ‘das Feld des Vaters / der Familie Agten’ (1528, Ernen), im Eischen=Feld ‘im Feld beim Schafstall’ (1838, Ernen) (cf. HL EISCHT), ts Höupmischfäud ‘das Feld des Hauptmanns (wohl Funktion)’ (Ernen; FLNK Höüpmerschfäud), in Martis Feldt ‘im Feld des Martin / der Familie Marti’ (1722, Ernen), in Mattlis Feld ‘im Feld der Familie Mattli’ (1679 (ca.), Ernen), ts Pfaffufäld ‘das Feld der Familie Pfaffen / des Pfarrers’ (Ried-Brig), ts Sant Peetersch Fäld ‘das Feld des Heiligen Peter’ (Saas-Fee; Gwp. nennt Peter Josef Zurbriggen als ehemaligen Besitzer), Belege mit /-ER/ (früherer Genitiv): ts Ärner Fäld ‘das Feld bei Ernen’ (LT, Ernen), ts Geschenerfäld ‘das Feld bei Geschinen (Gemeindename)’ (Geschinen), am / im Gluriger Feldt ‘am / im Feld bei Gluringen (Gemeindename)’ (1602 u. später, Gluringen; 1571 lat.: in campo Jllorum de Glŭrigen ‘im Feld der Leute von Gluringen’), Creútzero Väldt ‘das Feld der Familie Kreuzer / der Leute vom Weiler Chriz (?)’ (1625, Eyholz), Leiggärfäld ‘das Feld bei Leuk’ (FLNK, Leuk; SK u. LT Leukerfeld: lat.: jn territorio camporum de Leuca ‘im Gebiet der Felder von Leuk’), Leigerfeld ‘das Feld bei Leuk’ (1741, Bratsch), Nateser Feld ‘das Feld bei Naters’ (1841, Naters; vorher lat.: in campo de Narres ‘im Feld von Naters’) und Stägärfäld ‘das Feld bei Steg (Gemeindename)’ (FLNK, Steg; LT Stägerfäld).

Als Grundwort erscheint das HL zunächst mit Tiernamen: ts Geisfäld ‘das Feld, wo die Ziegen weiden’ (Ergisch), ts Geissfäld ‘das Feld, wo die Ziegen weiden’ (Eischoll), ts Geissufäld ‘das Feld für die Ziegen (Gwp. meint, der Ort sei nach „Geissrafe“ (SEMPERVIVUM TECTORUM, Dachhauswurz; cf. LAUBER / WAGNER / GYGAX 52014, 170) benannt)’ (Bratsch; FLNK Geissifäld), ts Oggsefäud ‘das Ochsenfeld (Alpe im Binntal)’ (Binn), das Rinderfeld ‘das Feld für die Rinder’ (1852 u. später, Niedergesteln), ts (e)Rinderfäld ‘das Rinderfeld’ (Niedergesteln, wohl identisch mit dem historischen Beleg von 1852 u. später), hierzu gehört auch ts Rinderfäldalpji ‘die kleine Alpe beim Rinderfeld’ (Hohtenn), ts Widerfäld ‘das Feld für den Widder’ (Ried-Brig).

Weitere zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind: ts Hubufälji ‘das kleine Feld beim Hügel’ (Ernen; FLNK Hubufäud), ts Iischefäud ‘das vereiste Feld’ (Ernen) (laut Gwp. der kälteste <Hirtweg> von Ernen), ts Jänefäud ‘das Feld des Johannes’ (Ernen), ts Meiefäld ‘das Feld mit Blumen’ (Grengiols), Seefäld (FLNK, Unterbäch; LT Seefeld) ‘das Feld beim Grossen See (Alpsee auf 2546 m.)’ (Unterbäch), di Dräckfäld ‘die dreckigen (schlammigen) Felder’ (Mund), das Túrtmanfeldt ‘das Feld bei Turtmann’ (1617 u. später, Turtmann; 1607, Unterems). Nur lateinisch ist belegt in campo de pertusio ‘im Feld beim Loch’ (13. Jh. u. später, Unterems; unklar, ob Appellativ oder Flurname).

Als Simplex kommt Tagfeld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber)’ (1691, Ergisch; 1691, Oberems; 1691, Turtmann) nur in diesem für die beiden Orte identischen Text für das Turtmanntal vor. Daneben gibt es aber eine Reihe von komplexeren Konstruktionen: ts Ängitagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) bei der Ängi (enge Stelle)’ (Oberems), ts Giigitagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Giigi’ (Oberems), ts Grindjitagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Grindji’ (Oberems), ts Grüobtagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Grüoba (Grube)’ (Oberems; FLNK, Ergisch), ts Jäniltigertagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) auf der Alpe Jäniltigu (der Familie Jenelten)’ (Oberems), ts Chiemattjitagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) bei der kleinen Wiese für die Kühe’ (Oberems), ts Niggelingtagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Niggeling (Familie Nicolin / Niggeli)’ (Ergisch), ts Pletschtagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe zer Pletschu (bei der Ebene)’ (Ergisch), ts Blüomatttagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Blüomatt (blühende Mähwiese)’ (Oberems), ts Brunnettagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Brunnetji’ (Oberems), ts Brändjitagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) des Brändji (Alpe)’ (Oberems), ts Rotigertagfäld ‘das Tagfeld (Weide tabgsüber) der Alpe Rotigu (der Familie Roten / der Leute des Roten)’ (Oberems), ts Simmigutagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Simmigu (Alpe der Familie Simmen / der Leute des Simon)’ (Oberems), ts Tschafiltagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Tschafil (Schleif?)’ (Ergisch), ts Vorsastagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) des Vorsaasstafels’ (Oberems). Das Simplex Tagfäld ist nur im Turtmanntal belegt, wo aber alle Alpen einen dieser Namen aufweisen; sonst heissen vergleichbare Fluren Tagweid.

Komplexere Konstruktionen verschiedenen Typs sind: ts Ewigschneefäud ‘das Feld mit dem ewigem Schnee (Gletscher)’ (Fieschertal), ts Gläisig Oggsefäud ‘das Ochsenfeld der Gläisigalpe (Alpe der Familie Gläisen)’ (Binn), ts Grossseefäld ‘das Feld (Alpweide) beim grossen See’ (Unterbäch), Kretta Hofeld ‘das hohe Feld der Familie Crettaz’ (1852, Eyholz), ts Niw Leigerfäld ‘das neue Feld der Leut von Leuk’ (Leuk), ts Ober Hofäld ‘das obere hohe Feld’ (Brigerbad, Lalden), ts Ober Unnerfäld ‘das obere Unterfeld’ (Erschmatt), Schertigen Oxenfelldt ‘das Ochsenfeld der Familie Schertig’ (1714, Binn) und andere mehr.

Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Konstruktionen mit folgenden Grundwörtern: Bach, Bäärg, Biel, Bodu, Bord, Brigga, Chriz, Egg(a), Gassa, Grabu, Halm, Kapälla, Los, Matta, Moos, Sparr, Tiri, Treije, Wäg und Züü. Ein Problem stellt t Fäldertanne ‘die Feldertannen (unklar, laut Gwp. keine Tannen mehr, aber im Gebiet Tanne)’ (Ulrichen) dar, wo wohl ein Besitzername gemeint ist; der FaN FELDER ist für das Wallis allerdings im FAMILIENNAMENBUCH DER SCHWEIZ (1, 536 f.) nicht belegt.

Komplexere Konstruktionen sind ans Hofeldtbordt ‘das Bord (Abhang, Böschung) beim hohen Feld’ (1703, Visp), das Hoofeldbord ‘das Bord (Abhang, Böschung) beim hohen Feld’ (1643, Lalden), der Litz Fäudbach ‘das schattenhalb, nördlich gelegene Gebiet um den Fäldbach’ (Binn), Ober Fäldbode ‘der obere Teil des Boden beim Weiler Fäld (Feld)’ (FLNK, Binn), Oberfäldhalte ‘die Halden beim Gebiet ts Oberfäud (das obere Feld)’ (FLNK, Gluringen), ts Oberfäudwasser ‘die Wasserleitung für das Ober Fäld’ (Blitzingen), Rarenfeldthŭrli ‘der kleine Turm (ev. die kleine Tür) im Rarnerfeld’ (1852, Raron), Raron Feldthürli ‘die kleine Türe zum / im Rarner Feld’ (1852, Niedergesteln) (wahrscheinlich identischer Ort zum gleichnamigen Beleg von Raron), der Unner Fäldkanaal ‘der Kanal im Unterfeld’ (Turtmann), Unnerfäldchriz ‘das Kreuz im Unterfeld’ (FLNK, Münster), Unnerfäldhalte ‘die Halde beim unteren Feld’ (FLNK, Gluringen), der Unnerfäldhubil ‘der Hügel im Gebiet Unterfeld’ (Erschmatt), Unnärfäldgrabu ‘der Graben durch das Unterfeld’ (Turtmann), ts Unnerfäldsch Bode ‘der Boden beim Unnerfäld (Feld unterhalb des Dorfes)’ (Reckingen) und andere.

Ableitungen auf /-ERI/ mit der Bedeutung ‘Wasserleitung’ (SONDEREGGER 1958, 551) sind t Fälderri ‘die Wasserleitung, die zum Fäld führt’, uf der Fälderri ‘auf (oberhalb) der Wasserleitung, die zum Fäld führt’ (beide Törbel), t Hofäldneri ‘die Wasserleitung, die zum Hochfeld fliesst’ (Brigerbad).

VSNB, Bd. 2, Sp. 109

Vorkommen

fäälji

fäld

fälder

fälderri

fäldi

fäldji

fäldjini

fäldneri

fäldsch

fäli

fäud

feld

felden

feldgi

feldji

feldlin

välden