Farn
Farn ‘Farn’ ist zu schwdt. Farn m./n., Pl. ebenso, ahd. farn, farm, mhd. varm, varn ‘Farn’, ‘Farnkraut, verschiedene Spezies, oft als grobe Streue verwendet’ (ID. 1, 1017 f.) zu stellen; im Oberwallis meist als Faare (C. SCHMID 1969, 190; bei GRICHTING (1998) fehlt das Wort), deswegen ist im Einzelfall auch eine Ableitung zum Verb fare ‘fahren’ (cf. HL FAHR) möglich. Inhaltlich ist wichtig, dass Farn eine Nutzpflanze als Streu und eine Heilpflanze gegen Hexenschuss und Ischias (C. SCHMID 1969, 190) war.
Das Simplex ist nur im Plural mit einem Adjektiv belegt: t Obru und t Undru Fare ‘der obere und der untere Teil des Gebietes mit Farn’ (Simplon). Sonst ist Faar- Bestimmungswort, am häufigsten zu Acher (Gampel, Hohtenn, Leuk, Niedergesteln, Steg), einmal historisch Farenhaltÿ ‘die kleine Halde beim Farn’ (1774, Naters); komplexer ist der Faarachercheer ‘die Strassenkehre beim Farnacker’ (Steg).
Als Ableitung auf /-I/ (wohl älter /-AHI/, siehe BENB 1, 1, 119) kommt Faarni ‘das Gebiet mit Farn’ (Fieschertal) vor. Produktiver ist die Feminin-Ableitung auf /-ERA/ (ahd. /-ARRA/ (ID. 1, 1019; SONDEREGGER 1958, 471 ff.) in Farnera ‘Ort, wo Farnkraut in grösserer Menge gedeiht’, das als Simplex in Binn, Fieschertal, Grengiols und St. Niklaus belegt ist; historisch findet es sich als in der Varnaron (1399, Birgisch). Als Bestimmungswort tritt es als Farner auf: ts Farnerstäfulti ‘der kleine Stafel bei der Farnere (Gebiet mit Farn)’ und der Farner Graben ‘der Graben beim Gebiet mit Farn’ (1842, Turtmann).
Unklar ist ts Farialp (Visperterminen). Wenn ts Artikel ist, passt er nicht zu Alp, das sonst immer feminin ist. Wenn ts ein Artikel im Genitiv ist, wäre Fari als PN oder Übername zu interpretieren ‘die Alpe des Fari’; Fari wäre dann ‘jemand, der fährt’ (ID. 1, 902); allerdings würde man dann einen Genitiv *ts Farisch Alp erwarten. Ein Konstruktion vom Typ ts Alp fare ‘auf die Alp fahren (ziehen)’ ist nicht möglich – sie erklärt weder die Stellung von Alp, noch die Form Fari. ZIMMERMANN (1968, 71) stellt t Farialp (Feminin!) zu mhd. farn ‘Farn’. Woher das neutrale Genus des Belegs von M. S. stammt, ist unklar.
VSNB, Bd. 2, Sp. 126
Vorkommen
faar
faarnera
faarni
- Faarni Fieschertal
fare
- Obru Fare Simplon
- Undru Fare Simplon
faren
- Farenhalty Naters
fari
- Farialp Visperterminen
farner
- Farner Grabu Turtmann
- Farnerstäfuti Binn
farnere
varnaron
- Varnaron Birgisch