Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Erst

Erst wird als Zahlwort erst meist wie ein attributives Adjektiv verwendet. Es tritt nie als Simplex auf und nur einmal als Bestimmungswort im Kompositum zer Wiissun Eerschtmälchun ‘bei der weissen Ziege, die erstmals geworfen hat (wohl metaphorisch gemeint, auf der Hockenalp)’ (Kippel). Laut RÜBEL (1950, 91) wird der Terminus im Lötschtal für eine Ziege verwendet, die ihr erstes Junge geworfen hat.

In den übrigen Fällen sind flektierte und nichtflektierte Formen des HL zu unterscheiden, wobei die Form Erschtuscht (wörtlich: ersteste) nur in Naters für Burg (hier wohl metaphorisch für einen Hügel) und in Ergisch für Läger (Ruhestelle für das Vieh) verwendet wird. Die übrigen HLL sind: Egg(a), Fall, Grabu, Hitta, Häärz, Höu, Läger, Legi, Lig, Löuwina, See und Stafel.

Zum attributiven Adjektiv sind zweigliedrige Namen belegt: t Erscht Mässhitta ‘die erste (Alp-)Hütte, in der die Milch gemessen wurde’ (Ried-Mörel), ts Erscht Tschampematt ‘die erste Mähwiese der Familie Tschampen’ (Grengiols), biner Erschte Chummlegi ‘bei der ersten Legi (Zaun) bei der Chumma (Mulde)’ (Reckingen), Erschtä Stosswäg ‘der erste Stossweg (Weg durch den Mittelwald)’ (Erschmatt, FLNK), Erstes Dreieck ‘das erste Dreieck (Felsspitze am Dreieckhorn)’ (Fieschtertal, LT).

Das HL ist zu schwdt. erst ‘erst’ und wdt. eerscht ‘erster’ (ID. 1, 470; GRICHTING 1998, 63) zu stellen. Meistens bezeichnet es in Flurnamen das erste Glied einer räumlichen Reihe (z. B. von Alpseen), seltener eine zeitliche Abfolge.

VSNB, Bd. 2, Sp. 83

Vorkommen

erscht

erschtä

erschte

erschti

erschtu

erschtuscht

ersten

erstes