Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Eige

Zu schwdt. Eigen n., mhd. eigen, ‘ganz eigener und darum auch erblicher Grundbesitz, ein solches Grundstück, Gut, im Gegensatz zu Fahrhabe, zu Lehengut und zu Allmend, Adj. eigent ‘als Eigentum angehörend’ (ID. 1, 146; GRWB 3, 95, 69). Das Nomen ist teilweise Neutrum, teilweise Feminin, soweit erkennbar. GRICHTING (1998, 64) kennt nur das Adj. eige, eigä (Goms), eign, eigund ‘eigen’.

Von den rund 30 Namen gehören die meisten dem Bezirk Goms an; die übrigen verteilen sich über die restlichen Bezirke.

Sichere Simplizia im Singular sind ts Eige ‘das Eigengut’ (Binn) (aber 1820 in der Eigen), t Eige (Biel, aber historisch immer Plural, erst 1769 Singular; Gluringen, historisch 103 und 1726 Plural, 1633 Singular, wohl Neutrum), in der Eigen (1589, Agarn; ähnlich 1859, Hohtenn, 1725 Obergesteln). Eigne, auch t Eitne (Binn) sind wohl Singular, aber 1768 auch Plural. Das seltsame Zeygen ‘beim Eigengut’ (1446, Ried-Mörel) ist wohl ein Singular.

Sichere Simplizia im Plural sind in Eige ‘in den Eigengütern) (Ritzingen, auch historisch immer Plural), in dien Eygen (1393, Grengils), vf dien Eigen (1310, Visp), t Eigna (Visperterminen; historisch Plural). Etwas unklarer ist zen Heygen ‘bei den Eigengütern’ (1351, Unterems), wo das anlautenden /h/ sich auch in Hemessa ‘Ems’ findet.

Insgesamt wechseln Singular und Plural, Neutrum und Feminin in unklarer Weise. Die Assimilation (/g/ > /t/) in t Eitne kommt nur in Binn vor.

Attributive Adjektive in zweigliedrigen Konstruktionen sind: t Hinnre und t Vodre Eitne ‘der hintere und der vordere Teil des Eigengutes’ (Binn).

Einen vorangestellten Genitiv zeigen Kinigs Eÿgen ‘das Eigengut der Familie König’ (1688, Mörel; auch Kings Eÿgen) und t Leemischeige ‘die Eigengüter der Familie Lehmann / des Lehensmannes’ (Binn).

Als Grundwort findet sich nur im Múhly Eigen ‘im Eigengut bei der Mühle’ (1838, Visp).

Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL mit folgenden Grundwörtern vor: Biel, Bord, Läg, Matta, Wald, Wier und Zehnt. Letzterer Beleg Eygen Zendo (1453) meint wohl ein Eigengut, dessen Ertrag als Zehnten diente.

Eine /-ET/-Ableitung (SONDEREGGER 1958, 524) liegt in Eiget ‘das Eigengut’ (Münster) und den dazu gehörenden ts Ober Eiget, im Unner Eiget, der Eigetbode, der Eigetwald, und der Ober Eigetbode (alle Münster) vor.

Vermutlich ein Adjektiv kommt in aúff den Eigenden Wehrinen ‘auf den Eigengütern bei den Wehrbauten’ (1727 Brigerbad) und z’Eigenen Stadol ‘beim eigenen Stadel’ (1838, Staldenried) vor.

VSNB, Bd. 2, Sp. 57

Vorkommen

eige

eigen

eigenden

eigenen

eiget

eigna

eigne

eigu

eitne

heigen