Dirr
Dirr ‘dürr’ Adj. ist zu schwdt. Adj. dür(r), ahd. durri, mhd. dürre, wesentlich wie nhd. ‘trocken, verdorrt, ausgetrocknet, wenig ertragreich oder fruchtbar’ und wdt. dirr, dir ‘dürr’ (ID. 13, 1345 ff.; GRICHTING 1998, 59) zu stellen.
Das Adjektiv wird attributiv flektiert und unflektiert verwendet, meist mit der Bedeutung ‘trocken’, ‘felsig’ oder ‘unfruchtbar’. Mit einem Baum- oder Waldnamen zusammen ist ein verdorrter Baum oder ein trockener Wald gemeint: von der Dirren Tannen ‘von der dürren Tanne (an)’ (1542, Biel; 1542 Ritzingen; gleicher Text in beiden Gemeinden), di Dirri Teelu ‘die dürre Dähle (Föhre)’ (Steg), ts Dirr Ta ‘der dürre (trockene) Tannenwald’ (St. Niklaus, zweimal), zer Dirrun Arbun ‘bei der dürren Arve’ (Blatten), der Dirr Wald ‘der dürre (trockene) Wald’ (Eisten), bim Diru Böüm ‘beim dürren Baum’ (St. Niklaus), jhm Dürren Than ‘im dürren Tannwald’ (1638, Grächen).
Ein Namennest findet sich in Randa und St. Niklaus: in Randa sind es Dirrugrat, Dirruhoru und Dirrujoch, in St. Niklaus Dirrugletscher, Dirugraad, Diruhoru, Dirujoch und ts Chlei Diruhoru. Namengebend dafür sind wohl di Dirru Fett ‘die dürren Grasbänder’ (St. Niklaus) – ein Simplex ist weder in Randa, noch in St. Niklaus belegt.
Die übrigen Grundwörter sind Acher, Bäärg, Biel, Bodu, Egg(a), Höü, Hubel, Löuwina, Mad, Matta, Nadel, Stand, Rigg, Riti, Schluocht, Taferna und Weid.
Komplexer sind der Dirr Löübodo ‘der dürre Laubboden’ (Mund), ts Dirrubärgsch Bodo ‘der Boden oberhalb des Dirrubärg (dürrer Berg)’ (Eisten), der Tirlöübigrabe ‘der dürre (trockene) Lawinengraben’ (Binn) und der Dirreggrabu ‘der Graben bei der Dirregga (dürre Ecke)’ (Zwischbergen).
Eine Ableitung Dirri ‘die dürre Stelle’ auf /-I/ (SONDEREGGER 1958, 495, Adjektivabstrakta; ID. 13, 1351 f. s. v. Dür(r)i) ist als Simplex di Diri belegt in Grächen und Zeneggen, als die Dirren (1634, Ausserberg) und Dirri (FLNK, Saas-Grund). Einen Plural findet man in die Dirrine (1753, Naters) und einen Diminutiv im Singular in im Tÿrigÿ (1701, Ried-Brig). Mit einer Präposition erscheint Hinnerdire ‘hinter der dürren Stelle’ (Blitzingen).
Sehr selten sind Formen mit Dorr. Raron hat zweimal ts Dorrgräbji ‘der kleine dürre Graben’ und Dorblatte ‘die Felsplatten im Bereich des Dorrgräbji’ (FLNK). ID. (13, 1256) kennt es und stellt es zu dürr. In Täsch ist schliesslich das Nomen im Plural di Dorrini ‘die kleinen dürren Stellen’ belegt; die Bildung ist ein Neutrum und wohl zum Verb dor(r)en (ID. 13. 1256 f.) zu stellen, am ehesten als ‘verdorrte Stelle’ zu verstehen.
VSNB, Bd. 2, Sp. 16
Vorkommen
diir
- Diirlouwinen Binn
dir
dire
- Hinnerdire Blitzingen
diri
dirr
- Dirr Biel Ried-Brig
- Dirr Biel Zermatt
- Dirr Biel Zermatt
- Dirr Bodo Zeneggen
- Dirr Egg Mund
- Dirr Egga Simplon
- Dirr Egga Zwischbergen
- Dirr Hubil Raron
- Dirr Hubil Niedergesteln
- Dirr Hubol Niedergesteln
- Dirr Löübodo Mund
- Dirr Matta Zwischbergen
- Dirr Rigg St. Niklaus
- Dirr Rigg St. Niklaus
- Dirr Ta St. Niklaus
- Dirr Ta St. Niklaus
- Dirr Wald Eisten
- Dirracher Ernen
- Dirregga Grengiols
- Dirreggrabu Zwischbergen
- Dirrschliecht Reckingen
dirre
- Dirre Biel Zermatt
- Dirrebode Fieschertal
dirren
- Dirren Nadlen St. Niklaus
- Dirren Tannen Biel
- Dirren Tannen Ritzingen
- Dirren Taverna Stalden
- Dirrenbärg Mörel
dirri
- Dirri Saas Grund
- Dirri Ausserberg
- Dirri Egga Ausserberg
- Dirri Teelu Steg
- Dirrimatta Grächen
- Dirristannd Leuk
- Dirriweiderra Eggerberg
dirrine
- Dirrine Naters
dirru
- Dirru Bedu Oberems
- Dirrubärgsch Bodo Eisten
- Dirrugletscher St. Niklaus
- Dirrugrat Randa
- Dirruhoru Randa
- Dirrujoch Randa
- Dirrustand Leuk
dirrun
- Dirrun Arbun Blatten
- Dirrun Egga Blatten
- Dirrun Mad Blatten
- Dirrun Mattun Kippel
- Dirrun Meder Blatten
diru
dor (Dirr)
- Dorblatte Raron
dorr
- Dorrgräbji Raron
- Dorrgräbji Raron
dorrini
- Dorrini Täsch
dürren
- Dürren Riti Visperterminen
- Dürren Ta Grächen
tir (Dirr)
- Tirlöübigrabe Binn
tirigi
- Tirigi Ried-Brig