Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Ross

Ross n. ‘Ross, Pferd’ ist zum schwdt. Tiernamen Ross n., Dim. im Wallis Rossji, Rešši, für Pferd, ‘das gewöhnliche Wort für die Gattung überhaupt’, ahd. (h)ros, mhd. ros, ‘Pferd’ (ID. 6, 1412 ff.; GRICHTING 1998, 164) zu stellen. Die Flurnamen können nicht immer klar von Roosse ‘Röstplatz für Hanf und Flachs’ und Rose ‘Rose’ getrennt werden.

In den rund 140 Belegen mit Ross erscheint das HL ein einziges Mal als Grundwort im Beleg ts Wiiss Ross ‘das weisse Pferd’ (Saas-Balen), ein weisser Fels, der die Umrisse eines Pferdes aufweist.

Der häufigste Typ, über 30 mal belegt, ist der Rossbode ‘der Boden für die Pferde’, in den meisten Fällen eine ebene Fläche auf einer Alp, auf der die Pferde weiden konnten. In Simplon bildet Rossbode ein eigentliches Namennest mit der Rossbodu, der Rossbodugletscher, der Rossbodupass, der Rossbodestafel und das Rosbodmerwasser (1814, Simplon). JORDAN (2006, 24, 30, 91, 219) kennt mehrere Rossbodu, das kleinere Rossbodi (120) und eine Reihe weiterer Namen wie Obrä Rossbodu (101), Undrä Rossbodu (91), Rossbodugletschär (108), Rossbodupass (108), Rossbodusattul (Variante 108), Rossboduschtaaful (101) und Rossboduschtäg (91). Ebenfalls häufig belegt sind di Rossmatta ‘die Wiese für die Pferde’ (17 Belege, wobei auch Roossmatta gemeint sein kann ‘die Wiese mit Roosse (Röstplatz für Hanf und Flachs)’) und der Typ Rosswang ‘Grasabhang für die Pferde’ (rund ein Dutzend Belege). Interessant mögen Rosswäg (7 Belege) und Rossstrasse (1846, Obergesteln) sein, wo Wege und Strassen gemeint sind, die von Pferden begangen werden können. Seltsam ist Rosszügji oder Rosszigji ‘die kleine Schlucht (Zug) für die Pferde’ (Randa), die mit Rosswang, Rosswangzigji, Rosswangwasser, Rosswangbrigga und dem Rossgletscher (alle Randa), sowie dem in St. Niklaus belegten Rosswang (mit mehreren dazu gehörenden Belegen) zusammengehören. Es scheint, dass Rosswang der Ausgangspunkt ist, und die Belege wie Rossgletscher und Rosszigji Abkürzungen davon sind. Weitere Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind: Acher, Alpa, Bach, Biel, Blatta, Bord, Brunnu, Cheer, Chopf, Chumma, Egg(a), Eie, Fad, Färich, Fläck, Gadu, Gand, Gassa, Gilla, Gletscher, Hitta, Lamma, Land, Löüf, Mad, March, Schiir, Sprung, Stall, Stelli, Tola, Wald, Wasser, Weid und.

Komplexere Konstruktionen sind u. a. der Üsser Rosswang und der Vooder Rosswang (St. Niklaus), ts Rossbaarmestei ‘beim Stein, der aussieht wie eine Pferdekrippe’ (Biel).

Ein Rätsel ist Roswingarto ‘der Weingarten, der mit einem Pferd bearbeitet wird?’ (1304, Eyholz). Es ist schwierig sich vorzustellen, was ein Pferd mit einem Weingarten zu tun hat. Das HL ROSE ‘Rose’ könnte jedoch eine Rolle spielen, wenn angenommen wird, dass dort auch Rosen wuchsen.

Im Übrigen zeigen die Namen, dass Pferde als Nutztiere im Oberwallis eine grössere Rolle spielten, als das normalerweise angenommen wird (bei RÜBEL 1950 fehlen Angaben zu Pferden vollständig). In einigen Fällen (z. B. Rosswald) spielt wohl einfach die Form eine Rolle, die an ein Pferd erinnert. Die aus der Säumerei bekannten Maultiere (eine Kreuzung aus Eselhengsten und Pferdestuten) bilden dagegen kaum Namen (cf. HL MÜLTI).

VSNB, Bd. 3, Sp. 496

Vorkommen

(e)ros

(e)ross

ros

rosen (Ross)

ross

rossi

rossji

rosso (Ross)