Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Fääsch

Fääsch ist zu schwdt. Fääsch, Feesch m. (im Oberwallis auch f. und n.) als Toponym ‘Grasband, Streifen im Gefels’, rom. Lehnwort aus lat. FASCIA ‘Band, Binde’, ahd. fasca, mhd. fasch(e) und wdt. Fääscha, Fääschä (Goms), Feescha (Mattertal), Feeschu f. ‘Wickelband’ (ZINSLI 1984, 564; ID. 1, 1140 f.: GRICHTING 1998, 75) zu stellen; letzterer kennt nur die feminine Form. Der Name ist nur im Wallis als Appellativ für ein grösseres Grasband bekannt, das sich zwischen Felsen hinzieht (ZIMMERMANN 1968, 32; ZINSLI 1946, 146). Die toponomastische Bedeutung ‘Landstreifen’ ist in frz. und oberit. Dialekten verbreitet (REW 3214; ZINSLI 1984, 564; GPSR 7, 178 f.). Das HL kommt in rund 60 Flurnamen vor.

Das Simplex im Singular ist belegt als t Fääsch ‘das Grasband’ (Fieschertal), ts Fääsch ‘das Grasband’ (Baltschieder, Mund), das Fäsch ‘das Grasband’ (1636, Naters), Fäsch ‘das Grasband’ (FLNK, Mörel; Genus unklar), ts Feesch ‘das Grasband’ (Eisten, Ferden). Das Simplex im Plural kommt als t Fääsche ‘die Grasbänder’ (Ulrichen), in den Fäschen ‘in den Grasbändern’ (1839, Staldenried), t Feschä ‘die Grasbänder’ (Ferden, FLNK Feeschä), in den Feschen ‘in den Grasbändern’ (1702, Eggerberg; EK Fääsch) vor.

Diminutive erscheinen im Plural als t Feschine ‘die kleinen Grasbänder’ (Zermatt; aber FLNK Feesch) und in den Feschlinen ‘in den kleinen Grasbändern’ (1808, Naters).

Mit attributiven Adjektiven sind belegt: t Glate Fääsch ‘die glatten Grasbänder’ (Bellwald), z Lengen Vesch ‘beim langen Grasband’ (1563 u. später, Eggerberg), inne Lengu Fääschu ‘in den langen Grasbändern’ (Glis), dr Mittluscht, dr Obruscht und dr Under Feesch ‘das mittlere, das oberste und das untere Grasband’ (Ferden), der Schee Feesch ‘das schöne Grasband’ (Ergisch), das Vnder Vesch ‘das untere Grasband’ (1466, Mund).

Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita zunächst mit Tiernamen verbunden: ts Bärufeesch ‘das Grasband, wo es Bären hatte’ (Raron), ts Bockfääsch ‘das Grasband, das wie ein Bock aussieht / wo Böcke weiden’ (Birgisch), die Kalberfäsch ‘die Grasbänder für die Kälber’ (1651, Mund), die Kalberfeschen ‘die Grasbänder für die Kälber’ (1651, Birgisch), im Eselfesch ‘im Grasband, das einem Esel gleicht / für die Esel’ (1540, Naters), das Gitzefäsch ‘das Grasband für die kleinen Ziegen’ (1668, Bellwald), ts Gitzifääsch ‘das Grasband für die kleinen Ziegen’ (Goppisberg), ts Hasifääsch ‘das Grasband, wo es Hasen hat’ (Eggerberg), ts Hasufääsch ‘das Grasband, wo es Hasen hat’, ts Tierfääsch ‘das Grasband, wo es Gemsen hat’ (Mund). In einigen Fällen sind Pflanzen erwähnt: Arbifääsch ‘das Grasband mit Arven’ (FLNK, Mund), Grifilfääsch ‘das Grasband mit Preiselbeeren’ (FLNK, Baltschieder) mit ts Inner und ts Üsser Griifelfäsch ‘der innere und der äussere Teil des Grasbandes mit Preiselbeeren’ (Baltschieder), der Heiminufääsch ‘das Grasband mit Gutem Heinrich (Chenopodium bonus-henricus)’ (Glis), ts Hewwfäsch ‘das Grasband, wo Heu gewonnen wurde’ (Naters), Dischterfeesch ‘das Grasband bei der Dischtera (Gebiet mit Disteln)’ (FLNK, Ausserberg) mit im Vndren Tisterfesch ‘im unteren Grasband bei der Distera (Gebiet mit Disteln)’ (1703, Ausserberg), auf dem Tisterfoesch ‘auf dem Grasband mit vielen Disteln’ (1765, Raron). Die übrigen Komposita beziehen sich auf das Gelände oder eine nahegelegene Flur: ts (e)Radfääsch ‘das Grasband oberhalb des Rad (Geländeform)’ (Brigerbad), t Alpufeescha ‘die Grasbänder auf der Alpe’ (Ferden), ts Balufäsch ‘das Grasband im Gebiet des überhängenden Felsen’ (Lalden), Bochtefääsch ‘das Grasband im Gebiet Bochte (Bottich)’ (Ulrichen), t Chrizjifääscher ‘die Grasbänder beim kleinen Kreuz (auf dem Grat)’ (Birgisch), ts Eifääsch ‘das Grasband in / bei der Aue’ (Eggerberg), t Sattulfääscher ‘die Grasbänder beim Sattelhorn’ (Naters), t Schtielfääscher ‘die Grasbänder, die wie Stühle aussehen’ (Naters), di Talfääscher ‘die Grasbänder im Tal’ (Naters). Zwei Namen beziehen sich auf die Farbe der Bänder: t Goudfääsch ‘die goldenen Felsbänder (laut Gwp. rötliche Felsen)’ (Bellwald) und ts Tiifolfääsch ‘die Teufelsbänder (schwarzer Fels)’ (Mund). Unklar ist ts Aabufääsch ‘das Grasband im Westen (nur von Bettmeralp aus gesehen) / das abends bestossen wurde (?)’ (Naters). RÜBEL (1950, 84) kennt zwar die Abendweide für das Vieh; es ist aber unklar, ob das hier gemeint ist.

Komplexer sind t Obru und t Undru Bodfeeschä ‘die oberen und die unteren Grasbänder beim Boden’ (Gampel), andere wurden oben erwähnt.

Als Bestimmungswort erscheint das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern: Pletscha, Hooru, Tschugge, und Wald.

Eine Ableitung (aqueductum) Fescherŭ ‘die Wasserleitung vom / zum Grasband’ (1801, Unterems) gehört zu den Ableitungen auf /-ERA/ für Wasserleitungen.

VSNB, Bd. 2, Sp. 97

Vorkommen

fääsch

fääsche

fääscher

fääschu

fäsch

fäschen

fäschi

fäschiini

feesch

feescha

feeschä

feeschine

fesch

feschä

feschen

fescheru

feschlinen