Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Verweise für Hauptlemma

Dallie

Hauptlemma

Tääle

Tääle f. ‘Dähle, Föhre’ ist zu schwdt. Täälen, Teele auch Dääle, Deele f., ‘Bergföhre, Kiefer, PINUS SYLVESTRIS’ zu stellen; in der westlichen deutschen Schweiz gilt Dähle als hochsprachliches Wort (AMMON ET AL. 2016, 163). Im westlichen Teil des Oberwallis ist die Patois-Form Dal(l) ji, Dal(l)ie, Dailly u. ä. zu frpr. daille f. bezeugt, das zum Lehnappellativ Tääle geführt hat. (ID. 12, 1395 ff. bes. Anm. 1397; GPSR 5, 1, 5 ff.; JUD 1944–45, 42; HUBSCHMID 1949, 66 f.; TAGMANN 1946, 25; LUNB 1,2, 1061 ff.; GRICHTING 1998, 192 s. v. Tääla). Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher geklärt. HUBSCHMIED geht von kelt. *daglā ‘Fackel’ aus, POKORNY erwägt eine Herleitung von der idg. Wurzel *dhāl ‘blühen, grünen’ (HUBSCHMIED 1933 (a), 264 f.; POKORNY 1948/49, 241). Wie bei anderen Baumnamen kennzeichnet das Neutrum Tääl n. einen Wald oder Bestand von Bäumen, hier Föhren. In einigen Fällen ist die Abgrenzung des HL TÄÄLE zu anderen HLL wie TAL und TELA unsicher. Insgesamt kommt das HL in rund 100 Namen vor.

Das Simplex des Feminins im Singular ist als Täälu ‘Dähle (Föhre)’ (Saas-Grund) belegt, wobei hier eigentlich das häufigere Teelu vorliegen müsste; dieses erscheint als Zer Teelu ‘bei der Dähle (Föhre)’ in Erschmatt, Gampel und Zermatt, historisch als bey der Telen (1807, Feschel) und in der Telen (1717 u. später, Guttet). Zer Tellun (1390 u. später, Glis; 1421 u. später, Ausserberg) und zŭr Thällen (1644, Betten) weisen eine gekürzte Form auf. Nur einmal belegt ist das feminine Simplex im Plural d Teele ‘die Dählen (Föhren)’ (Saas-Fee). Das neutrale Simplex im Singular ist belegt als im Thel ‘im Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat’ (1342 u. später, Bitsch), ts Tääl ‘das Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat’ (Ried-Brig, Simplon), im Tääu ‘im Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat’ (Binn, mit l-Vokalisierung) und im Teel ‘im Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat’ (Erschmatt, Leuk).

Ein Diminutiv ist belegt als ts Teeli ‘das kleine Gebiet, wo es Dählen (Föhren) hat’ (St. Niklaus).

Der romanische Typ ist belegt als Dallyes (1395 u. später, Agarn, 1427 als dov Dallie), in der Dallÿen (1822, Oberems), Dallij (1526, Salgesch und Varen), in di Dallje (Albinen), Dalliez (1544, Leuk; frühere Formen sind latinisierte de Dalleto (1215) und de Dalley (1236)). Dazu kommen komplexere Formen: campus dov Dallie ‘das Feld bei der Dähle (Föhre)’ (1413, Leuk), cristam Dalley ‘der Hügel mit der Dähle (Föhre)’ (1345 u. später, Albinen). Die Formen mit auslautendem /s/ sind Plurale; die genaue Form ist schwierig zu bestimmen (MEYER 1914, 71; TAGMANN 1946, 25).

Mit attributiven Adjektiven finden sich: ze Churzen Teellu ‘bei den kurzen Dählen (Föhren)’ (Hohtenn), di Dirri Teelu ‘die dürre Dähle (Föhre)’ (Steg), ts Hotäu ‘das hohe Gebiet mit Dählen (Föhren)’ (Binn), ts Inner Tääl ‘das innere Gebiet mit Dählen (Föhren)’ (Simplon), ts Ober Tääl ‘das obere Gebiet mit Dählen (Föhren)’ (Bitsch), ts Uisser Tääl ‘das äussere Gebiet mit Dählen (Föhren)’ (Simplon), ts Unner Tääl ‘das untere Gebiet mit Dählen (Föhren)’ (Bitsch) und ts Vooder Teeli ‘das vordere Gebiet mit Dählen (Föhren)’ (St. Niklaus). Komplexere Namen sind: an Gross Ruppen Thaellun ‘an der grossen Dähle (Föhre) der Familie Ruppen / die grosse rauhe Dähle (Föhre)’ (1539, Bürchen), t Oberi, t Mittleri und t Undri Heteeluleisi ‘der obere, mittlere und untere Weg durch die hohen Dählen (Föhren)’ (Leuk).

Einen sicheren vorangestellten Genitiv weist nur Schallblettisteelu ‘die Dähle (Föhre) der Familie Schallbletter [eig. Schallbetter?]’ (Gampel) auf.

Als Grundwort in zweigliedrigen Komposita kommt das HL nur in t Hitzteele ‘die Dählen (Föhren) bei der Stelle, wo das Vieh in der Mittagshitze lagerte’ (Zeneggen) und in t Schiisserteelu ‘die Dähle (Föhre), bei der man sich erleichtern kann’ (Hohtenn) - es ist hier unklar, ob Schiisser ‘Scheisser’ wörtlich oder als Pflanzenname zu verstehen ist; allerdings gibt es u. W. im Oberwallis keinen derartigen Pflanzennamen (wohl aber sonst, vgl. z. B. ID. 7, 1348 Chalber-Schîsser).

Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita häufig; prominent ist der Typ Täälwald, bzw. Teelwald ‘Föhrenwald’ (ID. 15, 1491) mit knapp zwanzig Belegen im ganzen Oberwallis. Daneben sind Grundwörter Acher, Blatta, Birmji, Bord, Brigga, Brunnu, Egg(a), Flüö, Grabu, Gufer, Löuwina, Matta, Rüüs, Stafel, Suon, Wäg und Zug. Komplexere Bildungen sind z. B. Teel Gufer Gassen ‘die Gasse zum Steingeröll mit Dählen (Föhren)’ (1713, Glis), Teelacherhaalte ‘die Halden bei den Teelachra (Äcker bei den Dählen (Föhren))’ (FLNK, Oberems) und der Teelblattuschleif ‘der Holzschleif bei der Teelblattu (Felsplatte beim Teelwald (Wald mit Dählen (Föhren))’ (Gampel).

Eine Ableitung ist ts Teler (Eischoll), das vermutlich auf ein kollektives Zirkumfix GI-/-ER zurückgeht und ‘wo es viele Dählen (Föhren) hat’ meint. Der FaN Theler (m.) ist dagegen wohl ein Herkunftsname zum hier behandelten HL.

Eine Ableitung di Tällerna (Zwischbergen) ist dort zweimal belegt. Es scheint sich um das Suffix -ERNA zu handeln, das bei Pflanzennamen kollektiv verwendet wird, also ‘ein Gebiet mit vielen Dählen’.

Die in Blatten belegten Formen ts Gisentell, t Gisentella, ts Gisentellin gehört vermutlich nicht hieher, sondern zum HL TAL. Einmal belegtes Bachtälla (Wiler) ist zum Typ Bach-Tela ‘Wasserrinne’ zu stellen.

VSNB, Bd. 4, Sp. 295

Vorkommen

dalley

dallie

dallien

dallij

dallje

dallyez

tääl

täälu

tääu

täl (Tääl)

tällerna

täu

teel

teele

teeli

teellu

teelti

teelu

tel

telen (Tääl)

teler

thaellun

thäl

thällen

theel

thel (Tääle)

thellen (Tääle)