Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Stapfa

Stapfa f. und Stepf m. sind zwei eng verwandte Namentypen, die sich zu schwdt. Stapf, Stapfe(n) m., f. ‘Fussspur (in Eis, Fels (eingehauen)); steiler, treppenartiger Fussweg; kleine Stiege und Leiter; ein Stück Zaun mit Querstaken, worüber man steigt’, ahd. staph, mhd. stapf (ID. 11, 1151 ff.) und Stepf ‘die Stiege über einen Zaun’ (ID. 11, 1168, Anm.) stellen lassen. GRICHTING (1998, 181 s. v. Schtapfa, Schtapfä (Goms), Schtapfu) gibt ‘Sperrpfosten, Absperrung, Durchpass (Gebäude)’. RÜBEL (1950, 86) kennt Schtapfe als Stapfhölzer, “die den Eingang eines Pferches verschließen”. ZINSLI (1984, 584 s. v. Stapfa, -u m./f.) gibt als eigentliche Bedeutung ‘Fussspur’, dann ‘steiler, treppenartiger Weg’, ‘leiterartige Einrichtung zum Übersteigen einer Umzäunung’. GRWB (17, 857 ff.) behandelt Stapf und Stapfen ausführlich; unter Bed. II 2 c) wird für die Schweiz “eine einrichtung zum übersteigen eines zaunes oder einer hecke” angegeben. Stepfer, Stapfer, Im Stepf, Imstepf und Varianten sind FaNN (AWWB 250), vor allem belegt für Mund und Naters.

Das HL kommt in rund hundert Namen in allen Bezirken vor; Östlich Raron ist aber nur einmal vertreten. Das Simplex im Singular ist als Stapfa (7 Belege), Zer Stapfen (mit Varianten, historisch 6 Belege), Stapfu (3 Belege, davon zwei mit Präpositionen), Zer Stapfun (Blatten), t Stepf (Guttet und vier historische), jn der Stepfen (1516, Ergisch; feminines Genus wohl von Stapfen entlehnt) und einmal hyperkorrekt als im Stöpff (1588, Glis), im Plural als Stapfe (dreimal, zweimal davon mit Präpositionen), ze Stapfu (Törbel), t Stepfe (St. Niklaus), (von) dien Stephen (1306, Grächen), jn den Stepffen (1475, Naters) belegt. Diminutive im Singular sind Stapfilti (Oberems), Stapfji (Mund), im Plural t Stepflini (Ferden mit 2 Belegen). Präpositionen wie Ze, Bi (bei), In sind häufig.

Mit attributiven Adjektiven ist das HL nur selten verbunden: zä Beeschä Stepfu ‘bei den bösen (anstrengenden) Stapfen (steiler Weg)’ (Gampel), t Leng Stapfa ‘die lange Stapfe’ (Wiler, Dorfteil), ts Ober Stepfji ‘der obere Teil des kleinen Stepf (steile Wege)’ (Gampel) und drei weitere Belege mit dem Grundwort Stepf, ts Under Stepfji ‘der untere Teil des kleinen Stepf (steile Wege)’ (Gampel) und drei weitere Belege mit dem Grundwort Stepf. Unsicher ist an den Vbbigen Stapf ‘an den nach oben führenden Weg’ (1489, Mühlebach), wo Vbbig ein Adjektiv sein könnte (cf. HL UBBIGEN).

In einigen wenigen Fällen kann ein vorangestellter Genitiv belegt sein: ts (e)Riädärsch Stapfa ‘die Stapfe (steiler Fussweg) beim (Bär-)Ried / der Familie Rieder’ (Wiler), wo Riädär ein FaN oder eine Herkunftsangabe sein kann, Bitschisch Stapfen ‘der Zaunüberstieg der Familie Bitschi’ (1757, Ausserberg; 1573 als Butschinstapfen), beÿ der Frawen Stapffen ‘beim Zaun der Frau’ (1617 u. später, Naters), wobei unklar ist, um welche Frau es sich handelt oder ob gar ein FaN (cf. HL FROUWER) vorliegt, Pfanmattersstapfen ‘die Stapfe (Zaunüberstieg) der Familie Pfammatter’ (Steg), der Welschen Stapffen ‘der Zaun / Fussweg der Familie Welschen’ (1684 u. später, Gluringen) und das längere ts Wirtstepfisch Spiicher ‘der Speicher des Wirtstepfi (wohl Übername zu Wirt und FaN Imstepf)’ (Mund) (vgl. JOSSEN 1989, 80 u. HL WIRT).

Das HL tritt in zahlreichen Komposita als Grundwort auf, meistens mit einem Bestimmungswort, das sich auf eine naheliegende Flur, eine Alpe oder einen Weiler bezieht. Sachliche Gruppen lassen sich kaum bilden. Darum nur einige Beispiele: Alpetustapfu ‘die Stapfe (Zaunüberstieg / steiler Weg) bei der kleinen Alpe’ (Ergisch) zum urspr. romanischen Alpeta ‘kleine Alpe’ (im 13. Jhdt. u. später belegt als lalpeta), t Gattustapfa ‘der Zaunüberstieg auf dem Weg zur Alpe Gattun’ (Kippel), zer Houwatunstaphen ‘die Stapfe (Zaunüberstieg) bei den Howweten (Holzschlag)’ (1752, Ausserberg), zer Reschtistapfun ‘bei der Stapfe (Zaunüberstieg) der Alpe Reschti (Rastplatz)’ (Blatten) und andere. Unklarer sind der Eschelstapf (Blatten, Ferden), vermutlich ein steiler Weg, der nur mit Eseln begehbar war oder eine steile Weide für Esel und di Zingelstapfu ‘die Stapfen (steiler Weg) in der Form eines Felsbandes’ (Saas-Grund). Komplexer sind t Obri Alobielstapfu ‘die oberen Zaunstiege im Gebiet Alobiel (unklar)’ (Niedergesteln), wo schon Alobiel unklar ist, zer Riädärstapfuschiir ‘die Scheuer bei der Riederstapfa (steile Fusswege beim (Bär-)Ried / der Familie Rieder)’ (Wiler) und weitere.

Als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist das HL mit folgenden Grundwörtern verbunden: Acher, Biel, Bodu, Gartu, Gassa, Grabu, Löuwina, Matta, Strich, Tola und Wild. Komplexere Konstruktionen sind: t Ober und t Unner Stapfugassa ‘die obere und die untere Gassa, die zur Stapfa (Zaun) führen’ (Visp).

Eine kollektive Ableitung mit dem Präfix G(I)- ist Gstepf ‘das Gebiet mit vielen Stapfen’. Es ist in ts Gschtepf (Eggerberg), im Gstepff (1786, Naters) und im Diminutiv ts Gstepfji (Naters) belegt. In Eggerberg erscheint auch Gschtepfwildi ‘das wilde (unfruchtbare) Gebiet beim Gebiet Gschtepf (wo es mehrere Stapfen hat)’.

Dreimal belegt ist eine Ableitung auf -EL (SONDEREGGER 1958, 513) mit dem Sinn einer Stellenbezeichnung: ‘wo es Stapfen hat’: der Stepfelbodu ‘der Boden mit steilen Fuss-Stapfen’ (Saas-Balen), ts Stepfelmättelti (Randa), ‘die kleine Wiese mit Felstritten’, der Stepfelwasu (Randa) ‘die Wiese mit Felstritten’.

Insgesamt ist die Deutung des HL nicht einfach. Als ‘Zaunüberstieg’ kann es meistens gedeutet werden, wenn ein dauernder oder temporärer Zaun sich dort befand; als ‘steiler Weg’ oder ‘Felstritt’ kann es gedeutet werden, wenn die Umgebung steil und felsig ist. Manchmal ist offenbar auch einfach eine Umzäunung gemeint, oder ein schmaler Weg. Im Einzelfall kann das auf Grund der heutigen Verhältnisse kaum mehr geprüft werden; so sind etwa frühere Zäune nicht mehr vorhanden, oder durch modernere Techniken (z. B. Viehgatter) ersetzt.

VSNB, Bd. 4, Sp. 220

Vorkommen

gschtepf

gstepff

gstepfji

stapf

stapfa

stapfe

stapfelti

stapfen

stapff

stapffen

stapfji

stapfu

stapfun

stappfa

stappfu

stapphun

stepf

stepfe

stepfel

stepff

stepffen

stepfi

stepfisch

stepfji

stepflini

stepfu

stephen

steppf

stöpf

stöpff