Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Lerch

Lerch m., auch Lärch m. ‘Lärche’ ist zu schwdt. Lärch m., n., f. Lärche(n), Lērch(en), Lorche(n), Lörche(n)), wdt. Lercha, Lerchä (Goms), Leerchu ‘Lärche, Larix europea; Lärchenholz’, als ON ‘Ort, wo viele Lärchen stehen oder standen’, mhd. larche (ID. 3, 1380; GRICHTING 1998, 127) zu stellen. Da bei flektierten Formen wie am / im Lärch nicht unterschieden werden kann, ob es sich um ein Maskulinum (einzelne Lärche) oder ein Neutrum (Lärchengehölz) handelt, wird normalerweise Lärchengehölz oder Lärchenwald angenommen. Die Bäume stehen im Allgemeinen vereinzelt, nicht sehr dicht, im Unterschied zu Tannen, sodass sich Lärchengehölz eher anbietet. Wenn jedoch explizit von Lärchwald die Rede ist, wird auch die Umschreibung ‘Wald mit Lärchen’ oder ‘Lärchenwald’ gewählt. In einigen Fällen geben die Gwpp. an, dass sich keine Bäume am Ort Lärch befinden; auf Grund dieser Angaben muss angenommen werden, dass sich früher dort oder in der Umgebung Lärchen befanden.

Lautlich enthält das ursprüngliche Lehnwort (aus lat. LARIX) im oberen Teil des Oberwallis bis zur Grenze zwischen den Bezirken Brig und Visp ein offenes /ä:/, weiter unten /e:/ (vgl. SDS 1, 31 f. zu Lärche Sg.Pl.). Geschrieben erscheint das HL jedoch immer als Lerch oder ähnlich.

Sicher neutral ist das Simplex im Singular als ts Lärch (Binn 2 Belege; Blitzingen; Mühlebach), das Lerch (1469, Ernen), ts Leerch (Ausserberg und drei weitere Gemeinden), ts Lerch (Inden) und ts Lerchä (Blatten; Dativ: im Lerchä). Sicher maskulin ist der Lärch (Eggerberg). Unklar sind die FLNK- oder LT-Belege ohne Artikel: Lärch (Binn; Randa, Reckingen), Lärche (Reckingen, wohl Plural), Leerch (FLNK, Randa). Unklar sind, wie gesagt, Belege wie am Lerch (1509, Turtmann), beim Leerch (1744, Staldenried), bim Lärch (Gluringen), hinder em Lerch (Blatten), im Lärch (Bellwald), im Lerch (1693 u. später, Gampel), zum Lärch (Baltschieder), zem Lerch (1542, Mund) und weitere Belege, wozu auch die ältesten Belege wie Lerhc (1301, Bürchen), de Lerke (1309, St. Niklaus), Lerke (1342, Grächen) und weitere gehören. Gelegentlich zeigen die historischen Belegreihen Varianten wie am Lerche (1396, Raron) und jn den Lerchen (1695, Raron). Eigentliche Plurale des Simplex sind selten: ine Lärche ‘in den Lärchen’ (Bellwald; LT Lärcha), in den Lerchen (1665, Greich; 1699, Ried-Mörel; 1740, Selkingen) und vereinzelt historische Belege. Der Beleg supra Laricem (Lerch) ‘oberhalb des Lärchengehölzes’ (1655, Salgesch) ist latinisiert; ob er tatsächlich ein ursprünglich frpr. Larze enthielt, ist unklar.

Attributive Adjektive (auch Partizipien und Zahlwörter) sind: der Alt Lärch ‘die alte Lärche’ (Zwischbergen), zem Gibranndi Lärch ‘bei der verbrannten Lärche’ (Blatten), der Gitschuipjut Lärch ‘die zerzauste Lärche’ (Simplon), zum Grossu Leerch ‘bei der grossen Lärche’ (Staldenried), dr Hangänd Leerch ‘das hängende (steile) Gebiet mit Lärchen’ (Blatten), ts Hinner Lärch ‘der hintere Teil des Weilers Lärch’ (Blitzingen), ts Hinner Lärch ‘das hintere Lärchengehölz (Alpe von Lax)’ (Lax) mit dem dazu gehörenden Hinnerlärchcheer ‘der Kehr (Wegkehre) bei der Alpe Hinner Lärch (hinteres Lärchengehölz)’ (FLNK, Lax), Hool Lärch ‘die hohle Lärche’ (FLNK, Obergesteln) (aber eventuell Umdeutung von ‘der hohe Lärchenwald’), der Typ Holeerch ‘der hohe Lärchenwald’ (Törbel und acht weitere Gemeinden), Jungellärcha ‘das Alpgebiet mit jungen Lärchen’ (FLNK, Grengiols), t Junglärcha ‘das Gebiet mit jungen Lärchen’ (Ried-Brig), der Chrumm Lärch ‘die krumme Lärche’ (Ried-Mörel), das Nijderlerch ‘das untere Lärchengehölz’ (1489 u. später, Mühlebach), der Ober Lärch ‘der obere Teil des Lärchengehölzes’ (Mühlebach), ts Ober Leerch ‘der obere Teil des Lärchengehölzes’ (Randa, Weiler), jm Oberlerch ‘im oberen Lärchengehölz’ (1652, Grächen), am Obren Lerch ‘am oberen Lärchengehölz’ (1676, St. Niklaus), im Rechten Lerche ‘bei der rechten (sonnseitigen) Lärche’ (1401, Naters), ze Rote Leerchu ‘bei den roten Lärchen’ (Raron), ze Drii Leerchu ‘bei den drei Lärchen’ (Gampel), zen Dri Lerchen ‘bei den drei Lärchen’ (1700, Visperterminen), zun Dryn Lerchen ‘bei den drei Lärchen’ (1462 u. später, Ulrichen), ts Drilärchu ‘bei den drei Lärchen’ (Glis) und dazu gehörend di Drilärchnerrischa ‘die Riische (Steingeröll) beim Gebiet zu den drei Lärchen’ (Glis), der Unner Lärch ‘der untere Teil des Lärchengehölzes’ (Mühlebach), ts Unner Leerch ‘der untere Teil des Lärchengehölzes’ (Randa; ähnlich FLNK Unterbäch), bi de Zwelf Läärche ‘bei den zwölf Lärchen’ (Geschinen).

Selten sind vorangestellte Genitive zum HL: Luczen Lerch ‘das Lärchengehölz des Lutz’ (1401, Naters) (das Adjektiv lützel ‘klein’ (ID. 3, 1570) kommt aus lautlichen Gründen nicht in Frage), ts Bobmer Lärch ‘das Gebiet Lärch (Lärche) bei Bodmen’ (Blitzingen), wobei die /-ER/- Form ursprünglich wohl ein Genitiv Plural war, ts Bodumasch Lärch ‘die Lärche des Bodenmann / der Familie Bodenmann’ (Simplon) (Gwp. gibt eine Entstehungsgeschichte mit einem Fuhrmann namens Bodenmann), in Büschen Lerch ‘im Gebiet mit kleinen Lärchen’ (1813, Ernen), wenn Büschen ein Genitiv Plural zu Bǖsch ‘junger Nadelbaum’ (ID. 4, 1768) ist, ts Wiligerlärch ‘das Gebiet Lärch (Lärchengehölz) bei Wiler (Weiler von Blitzingen)’ (Blitzigen), wobei Wiliger ein Genitiv Plural der kollektiven Ableitung /-IG/ mit der Bedeutung ‘die Leute von Wiler’ ist.

Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort sind mit du Erschleerchu ‘bei den Lärchen von Ersch (matt)’ (Guttet) (wobei Ersch hier wohl eine Alpe von Erschmatt meint), der Füüfilärch ‘die Lärche, wo sommers um fünf der Schatten lag’ (Blitzingen), der Gaiarlärch ‘die Lärche des Herrn Gaillard (Kantonsförster)’ (Ried-Brig), ts Gililärch ‘die Lärche mit Lilien / des Wilhelm’ (Blitzingen) (Gili ist laut Gwp. ‘Wilhelm’; die historischen Belege vom Typ Gilgen-Lerch legen eher die Lesart ‘Lilie’ oder den FaN Gilgen nahe), Grůben Lerch ‘die Lärche bei der Grube’ (1608 u. später, Ulrichen), bim Chrizinuleerch ‘bei der Lärche mit den Kreuzen (wo man Kreuze machen kann)’ (Guttet), t Chrizleercha ‘die Lärchen, in die man ein Kreuz machte’ (Gampel), t Krizlärcha ‘die Lärchen bei der Wegkreuzung’ (Simplon), der Bildjileerch ‘die Lärche mit dem kleinen Bild (Kruzifix)’ (Oberems), der Bleschilärch ‘die Lärche bei der ebenen Fläche’ (Mund) (Gwp. verweist auf eine Sage mit einer Kuh namens Bleschi ‘die kleine Blässe’ (vgl. ID. 5, 161 für den Kuhnamen) cf. HL BLESCHU), dr Büchelärch (Mühlebach) (laut Gwp. eine Scheune; historische Belege weisen aber auf Pische < Bǖschen ‘junger Nadelbaum’ (ID. 4, 1768) hin), zum Reschlerch ‘bei der dürren Lärche’ (Guttet) (wohl zu resch < rösch ‘dürr’; hier wegen Unsicherheit nicht als attributives Adjektiv betrachtet), Ritlärch ‘das Lärchengehölz im gerodeten Gebiet’ (FLNK, LT Binn), Schattlerchen ‘die Lärchen im Schatten’ (1869, Münster) (der Beleg ist unsicher; 1582 steht bÿ den Schottlerchen und könnte zu schottlächt ‘unordentliches, wirres Haar habend’ (ID. 8, 1529) gestellt werden, also die ‘struppige Lärche’ wie die folgenden), t Schottlärche ‘die struppigen Lärchen’ (Geschinen, Ulrichen), der Tifellärch ‘die Lärche des Teufels (grosse Lärche)’ (Baltschieder), ts Toggulärchji ‘der kleine Wald mit alten Lärchen’ (Grächen), der Tonileerch ‘die Lärche mit einer Statue des Heiligen Anton’ (Wiler), bim Tubellärch ‘beim Lärchenbaum, der einem Holzpflock gleich’ (Geschinen), der Tüübelärch ‘die Lärche, die einer Taube gleicht (unklar)’ (Ulrichen) und t Zeiselärche ‘die Lärchen, die wie gerupfte Wolle aussehen’ (Reckingen).

Komplexer sind unter anderen jn Heinitzen Alp Lerch ‘die Lärche der Alpe der Familie Heinzen (?)’ (1539, Mühlebach) (die Alpe heisst lebend t Heizenaup (mit /l/-Vokalisierung); da keine historischen Belege vorliegen, ist der Bezug zur Familie Heinzen unklar), der Ober und der Unner Ritlärch ‘das obere und das untere gerodete Gebiet mit Lärchen’ (Binn).

Neben den eigentlichen Diminutiven gibt es eine Ableitung ts Lärchi (Naters), im Lärchi (Obergesteln), im Lerkinn (1679 (ca.), Birgisch), die vermutlich alle zu Lerch-ahi ‘das Lärchengehölz’ zu stellen sind (vgl. SONDEREGGER 1958, 466). Vermutlich sind auch bim Lärchistadul ‘beim Stadel beim Wald mit Lärchen’ (Ried-Mörel), aúf Lerchibiell ‘auf dem Hügel beim Lärchengehölz’ (1765, Stalden) und Mattlärchi ‘die Lärchen bei der Mähwiese’ (FLNK, Oberwald) mit der Mattlärchibode ‘der Boden beim Mattlärchi (Gebiet mit Lärchen bei der Matt)’ (Oberwald) hieher zu stellen. Ob Lerchisgufer ‘das Steingeröll bei den Lärchen’ (1469, Ernen) hieher gehört, ist unsicher; ein möglicher PN Lerchi ist jedoch nicht belegt.

Als Bestimmungswort kommt das HL Lerch mit den Grundwörtern Acher, Bach, Bäärg, Bodu, Cheer, Dorf, Egg (a), Eie, Flüö, Fura, Gassa, Grächen, Haalta, Hee (hoochheej), Matta, Pletscha, Schleif, Stafel, Tola, Wäg, Wald, Wang, Wasser, Weid und den komplexeren Bachtola und Wasserleita vor.

Andere komplexe Konstruktionen sind: der Nassleerchgrabo ‘der nasse Graben im Lärchengehölz’ (Visperterminen), der Ober und der Under Lärchepobem ‘der obere und der untere Boden, wo es Lärchen hat’ (Blatten) und andere mehr. Am komplexesten ist der Vierleerchewangschlüche ‘die Schlucht beim Grasabhang bei den vier Lärchen’ (Oberwald).

VSNB, Bd. 3, Sp. 91

Vorkommen

lärch

lärcha

lärche

lärchi

lärchis

lärchjini

lärchner

lärchu

lärchultini

lärchutini

leerch

leercha

leerche

leerchi

leerchji

leerchu

lerch

lerchä

lerche

lerchelty

lerchen

lerchli

lerk