Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Rigg

Rigg m. ‘Rücken’ ist zu schwdt. Ruggen wesentlich wie nhd. ‘der menschliche oder tierische Rücken’, ahd. hrucci, ruggi, rucke, mhd. rucke, rücke und wdt. Rigg ‘Rücken’ (ID. 6, 778 f.; GRICHTING 1998, 162) zu stellen. In FlN bezeichnet es ‘Bergrücken, längliche Bodenerhebung, Berg- oder Hügelgrat’, Diminutivformen bezeichnen ‘kleine Anhöhen’ (ID. 6, 787). /e/ vor dem Anlaut /r/ bezeichnet die Vokalisierung des /r/ in einigen Fällen.

Das Simplex im Singular ist belegt als der Rig ‘der Rücken’ (Blitzingen, Saas-Balen, Selkingen), der Rig ‘der Rücken’ (1504, Bürchen; 1550, Naters), Rigg ‘Rücken’ (FLNK, Zermatt; FLNK, Grächen), aúff dem Rig ‘auf dem Rücken’ (1818, Oberems), aúf úm Rÿg ‘auf dem Rücken’ (1774, Staldenried), ufem Rigg ‘auf dem Rücken’ (Bellwald (zweimal), Goppisberg, Reckingen), am Rig (1564, Termen), vff dem Rig ‘auf dem Rücken’ (1617, Raron), vff’m Rüg ‘auf dem Rücken’ (1697, Mühlebach). Das Simplex im Plural ist belegt als Rigge ‘die Rücken (Plural)’ (FLNK, Ulrichen), t (e)Rigga ‘die Rücken (Plural)’ (Ausserberg, Ferden, Mund, Steg), t (e)Rigge ‘die Rücken’ (Feschel), an den Riggin ‘an den Rücken’ (1564, Guttet).

Diminutive im Singular sind das Riggi ‘der kleine Rücken’ (1839, Termen), ts Riggji ‘der kleine Rücken’ (Binn, Brigerbad), aúf dem Riggÿ ‘auf dem kleinen Rücken’ (1850, Ausserbinn), Riggÿ ‘der kleine Rücken (Alpe)’ (1719, Simplon), am Rüggÿ ‘am kleinen Rücken’ (1636, Ernen). Plurale des Diminutivs sind belegt als die Riggini ‘die kleinen Rücken’ (1699, St. Niklaus), Riggini ‘die kleinen Rücken’ (FLNK, Embd).

Attributive Adjektive mit dem HL als Grundwort sind: Älwe Rigg ‘der fahlgelbe (Fels-)Rücken (Gipfelname)’ (Baltschieder), dr Älw Rigg ‘der fahlgelbe (Fels-)Rücken (Gipfelname)’ (Blatten) – es handelt sich um den gleichen Gipfel zwischen Nesthorn und Breitlauihorn –, der Äng Rigg ‘der enge (Fels-)Rücken’ (St. Niklaus), der Chrissig Rigg ‘der Rücken, der voll von Chris (Reisig) ist’ (Ulrichen), der Chrumm Rigg ‘der krumme (Fels-) Rücken’ (Blatten), der Dirr Rigg ‘der dürre (trockene) (Fels-)Rücken’ (St. Niklaus, zweimal), t Foder und t Hinner Rigge ‘die vorderen und die hinteren Rücken (Plural)’ (beide Ulrichen), der Gross Rigg ‘der grosse (Gras-)Rücken’ (Fieschertal), der Gross Rigg ‘der grosse (Fels-) Rücken’ (Randa), der Schmal (e)Rigg ‘der schmale Rücken’ (Mund), der Wilt Rigg ‘der (Fels-)Rücken oberhalb der Willt Äbi (wilder Abhang)’ (St. Niklaus) und ein Beleg mit Präposition: zwischu Riggu ‘zwischen den Rücken’ (Täsch).

Als Grundwort wird das HL in zweigliedrigen Komposita im Allgemeinen zu nahe liegenden Flurnamen gestellt: der Äbrig ‘der Rücken bei der Äbi (Abhang)’ (St. Niklaus), der Esch(e)rigg ‘der (Fels-)Rücken beim Eschji (das kleine Eschengehölz /der kleine Ort beim Saatfeld)’ (wohl eher Eschengehölz; ein Saatfeld ist hier kaum anzunehmen) (Raron), der Eschi Rigg ‘der (Fels-)Rücken mit Eschen’ (Ferden), der Cheerurigg ‘der Felsrücken oberhalb von ine Cheeru (in den Wegkehren)’ (Saas-Almagell), Leenurigg ‘der Rücken bei der Leeni (Lehne)’ (FLNK, Zeneggen), der Beerterrigg ‘der (Fels-)Rücken bei den Börtern (Plural von Bord (Abhang, Böschung))’ (Saas-Almagell), der Birchrigg ‘der Felsrücken oberhalb des Gebietes Birchmatte’ (St. Niklaus), di Brandrigga ‘die Rücken (Plural) bei Brand (brandgerodetes Gebiet)’ (Eisten), Bätzlerrrig ‘der Felsrücken beim Gebiet der Bätzla (Ort, wo es Bärenklau hat)’ (Kippel), Riedrigga ‘die Rücken (Plural) beim Ried’ (FLNK, Zermatt), der Schwennirigg ‘der Rücken bei der Schwenni (kleines gerodetes Gebiet)’ (Törbel), der Stellirigg ‘der (Fels-)Rücken bei der Stellimatte’ (St. Niklaus), der Stollrigg ‘der Rücken bei den Stollen (Felsformationen)’ (Randa), der Tschingil(e)rigg ‘der Rücken bei den Tschingle (Bergwiesen)’ (Niedergesteln), Wilerriggi ‘der kleine Rücken bei Wiler (Weiler von Blitzingen)’ (FLNK, Blitzingen).

Keine unmittelbar benachbarte Flur ist in der Alpurigg ‘der Rücken auf der Alpe’ (Raron) und der Blattelrig ‘der Rücken mit Felsplatten (Kollektiv)’ (1789, Saas-Fee) zu erkennen. Eine kleine Quelle findet sich in dr Brinlirigg ‘der Felsrücken mit der kleinen Quelle / dem kleinen Brunnen’ (Blatten) und eine Salzleckstellbe bei der Sulzrigg ‘der (Fels-)Rücken mit Salzleckstellen für die Gemsen (?)’ (Blatten), Eigentlich adjektivische Bildungen sind der Mittelrigg ‘der Mittelrücken (Gipfelname)’ (Saas-Almagell, SK Mittelrück; LT Mittelrück, FLNK Mittelrigg), der Mittelrigg ‘der mittlere Rücken (Felsrücken)’ (Randa), ts Mittel(e)riggji ‘der kleine mittlere Rücken’ (Mund), der Schmaurigg ‘der schmale Rücken’ (Fieschertal, mit /l/- Vokalisierung), der Sürrigg ‘der saure Felsrücken (hier wohl: schlechter Boden)’ (Termen), Zwischriggu ‘das Gebiet zwischen den Rücken’ (Randa), der Züerigg ‘der zweite (Fels-)Rücken’ (Randa).

Namengebend können auch Pflanzen sein wie in Faggsurigg ‘der Rücken mit Borstengras’ (Zermatt), der Holzirigg ‘der (Fels-)Rücken beim kleinen Holz (Wald)’ (Bitsch), der Holzrigg ‘der (Fels-)Rücken mit Holz (Wald)’ (Ausserberg, Raron; nicht der gleiche Ort), Krutigrück ‘der krautige Rücken’ (SK, Ausserberg, sonst nicht belegt), das komplexere dr (e)Räckholter(e)rig ‘der Rücken mit Wacholderstauden’ Steg), resp. der (e)Rägholter(e)rigg ‘der Rücken mit Wacholderstauden’ (Hohtenn, gleicher Ort), oder das Aussehen wie in der Feschtirigg ‘der Rücken, der aussieht wie eine Feschti (burgähnliche Form)’ (Gampel).

der Geisrigg ‘der Ziegenrücken’ (Saas-Grund) ist ein Felsgrat, der zwischen zwei Gletschern liegt (ID 6, 792; ZINSLI 1946, 61), doch gilt das nicht für der Geisserigg ‘der (Erd-)Rücken, der einem Ziegenrücken gleicht’ (Eisten, auf ca. 1650 m). Ähnlich ist der Grossmüeterrigg ‘der Rücken der Grossmutter (gekrümmter Rücken)’ (Oberwald) wohl ein metaphorischer Name: der Rücken ist gekrümmt wie der einer alten Frau.

Unsicher ist der PN Peter in Peterrück ‘der Rücken des Peter (Felsrücken zwischen Antronapass und Latelhorn)’ (Saas-Almagell, LT und SK).

In zwei Fällen ist ein vorangestellter Genitiv für einen komplexeren Namen verantwortlich: ts Peetersch Geisrigg ‘der (Erd-)Rücken des Peter, wo die Ziegen weiden’ (Saas-Almagell) und ts Wendelisch (e)Rigg ‘der Rücken des Wendelin (PN)’ (Ferden).

Komplexere Konstruktionen sind der Groos und der Chlei Holz(e)rigg ‘der grosse und der kleine Felsrücken mit Holz (Wald)’ (Raron), der Hinner und der Voder Schrooturigg ‘der hintere und der vordere Teil des Rückens bei den Geländeeinschnitten’ (Täsch), der Inder und der Uister Wilär(e)rigg ‘der innere und der äussere Rücken bei Wiler’, der Mannliboderigg ‘der Rücken beim Mannliboden (Boden mit Menschenbild)’ (Reckingen; SK Mannlibodenrügg beim Mannliboden, Blitzingen; gleicher Ort) und andere mehr.

Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Alpa, Bletz, Grabu, Haalta, Maal, Tritt und Weid.

Einmal ist ein vorangesetzter Genitiv belegt in uf ts Riggsch Bode ‘der Boden auf dem Rigg (Rücken)’ (Reckingen).

Vermutlich gehört auch das HL RICCA hieher.

VSNB, Bd. 3, Sp. 456

Vorkommen

(e)rig

(e)rigg

(e)rigga

(e)rigge

(e)riggji

rig

rigg

rigga

rigge

riggi

riggin

riggini

riggji

riggsch

riggu

riggun

riggy

rück

rüg

rügg

rüggy

ryg

  • Ryg Staldenried