Ergisch
Ergisch ist der amtliche Name einer Gemeinde, die im Dialekt Äärgisch heisst und die sich auf der linken Rottenseite auf rund 1100 m am Eingang zum Turtmanntal befindet. Die älteste Form des Namens (10?? u. später) Argessa lässt allgemein vermuten, dass dem Namen das kelt. Adj. argios ‘glänzend, hell, weiss’ zugrunde liegt (DELAMARRE 2003, 54), und mit einem vorlat., eventuell kelt. /-IS(S)A/-Suffix, welches eine Zugehörigkeit ausdrückt, gebildet wurde (KRISTOL ET AL. 2005, 328 f.). Der älteste Beleg erweist, dass das /-s/ (/-sch/) im Namen Ergisch zum Stamm gehört, und dass es hier nicht um ein rom. Plural-s handelt (SCHMID 1951, 53). Laut JACCARD (1906, 152) soll das Dorf seinen Namen seiner sonnigen Lage verdanken, MEYER (1930, 22) wiederum meint, dass die von weitem sichtbare Lage des Dorfes zur Namengebung geführt habe, für andere Autoren ist das Vorkommen von weissem Quarzit oberhalb des Dorfes für die Benennung ausschlaggebend gewesen, kelt. *Argissa sei die ‘Siedlung beim hell, glänzenden Gestein’ (GUEX 1938, 375 und 1976, 177 f.; RÜBEL 1950, 131; HUBSCHMID 1960, 285).
Neben den vielen Belegen für Argessa und einigen wenigen für Argesa tritt der erste sichere ‘deutsche’ Beleg 1548 als Ergisch auf, 1574 ist es aͤrÿsch, 1626 Ergies, 1655 Ehries, 1667 Ergesch, 1669 Eriesch, 1700 Ehriesch, 1742 u. später am Erjesch. Die schriftlichen Formen wechseln also zwischen /g/ und /i/, was sich auch in anderen Belegen findet. Der heutige Name Ergisch (Äärgisch) lässt sich auf Argessa zurückführen, die Form mit /i/, resp. /j/ für /g/ lässt sich als regelmässige Lautentwicklung ansehen (RHEINFELDER 41968, 193).
Neben dem Gemeindenamen erscheint das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita zu Alpa, Chumma, Flüö und Hooru. Komplexer sind Ärgischalphoru (Ergisch; LT Ergischalphorn) (zu unterscheiden von ts Äärgischhoru ‘das Ergischhorn’ (Eischoll), das sich nördlich davon befindet) und Erüesch (sic!) Kummen Bort ‘das Bord (Abhang, Böschung) bei der Ergischer Chumma (Mulde)’ (1709, Ergisch).
Ein Adjektiv auf /-ER/, das wohl als alter Genitiv Plural von Ortsbewohnern zu deuten ist (SONDEREGGER 1958, 526), erscheint in t Ärgischerwasserleitu ‘die Wasserleitung durch Ergisch’, jm Eriescher Ried ‘im Ried unterhalb von Ergisch’ (Turtmann). Deutlicher ist das im lat. antiquam viam Argessanorum ‘der alte Weg der Leute von Ergisch’ (1723, Ergisch), und almeniam Argessensium ‘die Allmein (gemeinsamer Besitz) der Leute von Ergisch’ (1630, Ergisch).
Ein Problem geben die historischen Formen für Edlen Matten ‘die Wiese bei den Erlen’ (1761, Turtmann) (cf. HL ERLE) auf, die 1453 in Eryes Matte, 1510? jn Ergissmatten, 1755 in der Edjo Matten haben. Es sieht so aus, dass hier wohl ‘die Wiese von Ergisch’ gemeint war, dass aber im 18. Jahrhundert die alte Form Edjo Matten als Edlen Matten interpretiert wurde, die wir als ‘die Wiese bei den Erlen’ gedeutet haben. Die Umdeutung könnte durch das nicht mehr verstandene Eryes für Ergisch entstanden sein.
VSNB, Bd. 2, Sp. 76
Vorkommen
äärgisch
- Äärgisch Ergisch
- Äärgisch Allmei Ergisch
- Äärgisch Chummu Bord Ergisch
- Äärgischchummu Ergisch
- Äärgischflie Ergisch
- Äärgischhoru Ergisch
- Äärgischhoru Eischoll
ärgisch
- Ärgischalphoru Ergisch
- Ärgischalphoru Eischoll
ärgischer
- Alt Ärgischer Wäg Turtmann
- Ärgischerwasserleitu Ergisch
ergisch
- Ergischalpen Ergisch
- Ergischalphorn Eischoll
eriescher
- Eriescher Ried Turtmann