Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Fang

Fang m. ist zu schwdt. Fang m. ‘Einfriedung, eingehegtes Stück Land, Wiese, Weinberg’ (ID 1, 855) zu stellen (cf. HLL BI, IN). Im Kompositum der Kiisfang (Niedergesteln), auch der Kisfang (Niedergesteln), ist jedoch eine Bachverbauung zu verstehen, die den vom Bach mitgeführten Kies auffängt; der Name scheint aus dem Hochdeutschen entlehnt.

Belegt ist 1653 in Leuk jn Fange ‘im Fang (eingehegtes Stück Land)’, wobei hier auch das synonyme I(n)fang gemeint sein kann. In Fiesch ist 1638 im Feng belegt. Wiler hat ts Feng und t Fengmatte ‘die Wiesen beim eingehegten Stück Land’. Das sonst unbelegte Neutrum deutet auf ein Kollektivum hin: ‘die eingehegten Stücke Land’. In Fiesch ist das Genus unklar.

Das Verhältnis zu ts Fa (Zwischbergen), historisch 1461 als jn Fan, ist unklar (cf. HL FA).

Der Typ Bifang ist auf schwdt. Bîfang Pl. Bifäng ‘Einzäunung; ein von Furchen oder Zaun umgebenes, mit Bäumen besetztes, meist als Wiese benutztes Stück Land’, ahd. bīfang, mhd. bifanc zurückzuführen. Die phonetisch verkürzte Form Bifig erscheint im Walliserdeutschen sehr häufig (ID. 1, 856; LUNB 1, 1, 188 f.). Von den zwölf belegten Namen ist das Simplex im Singular als der Bifang (FLNK, Oberems), historisch als Bifang (1297, Lalden), Biuanc (1302, Mund) und Jmbifeng (1560, Steg, unsichere Lesart) belegt. Der Plural ist als di Bifäng (Gampel, Guttet) bezeugt. Nur historisch findet sich an den Byvyngue (1337, Bratsch). Einmal erscheint der Diminutiv Plural di Bifängjini ‘die kleinen eingehegten Stücke Land’ (Ergisch; FLNK hat Bifängji). Unsicher sind die Belege aus Unterems: in dem Biuanc (1306), ol Biwanc (1328), ou Biwant (1328, Leuk). Der romanische Artikel ol/ou dürfte zum dt. Bifang gesetzt worden sein; ob der Ersatz von {f} durch {u}, resp. {w} eine stimmhafte Aussprache meint oder bloss eine Variante ist, bleibt unklar.

Ein attributives Adjektiv ist in jm Niwen Bifang ‘im neuen eingehegten Stück Land’ (1516, Ergisch) belegt.

Zweimal finden sich vorangestellte Genitive: Follins Byfang ‘das eingehegte Stück Land beim Folli’ (1516, Ergisch) und in Peter Hischiers Bifang ‘das eingehegte Stück Land des Peter Hischier’ (1682, Oberems). Der Genitiv Follins lässt sich wohl zum belegten ts Folli (Ergisch) stellen (cf. HL FOLLA); der FaN Hischier ist für Oberems gut belegt (AWWB 125).

Bifig m. ist als lautlich reduzierte Form (historisch auch Bifing) häufiger als die volle Form Bifang. Daraus abgeleitet ist im Wallis der FaN Biffiger (AWWB 32). Der Namenstyp fehlt im Bezirk Leuk.

Die ältesten Belege zeigen grafische Unsicherheiten: 1292 wird in Visp apud Bynynguen ‘beim eingehegten Stück Land’ notiert, 1300 in Bürchen Bifingue ‘das eingehegte Stück Land, 1301 in Eischoll ze dien Biuinguen ‘bei den eingehegten Stücken Land’ und apud Biuingue ‘beim eingehegten Stück Land’, sowie in Saas-Balen jn dem Bifinge und in Mörel jn dem Bifingue, 1303 in Raron Biuyng und im gleichen Jahr in Ausserberg in dem Biuingue. Umstritten sind also die Schreibung von {f} vs. {u} und des Auslauts {ge} vs. {gue}. Die jeweils zweiten Schreibungen entsprechen eher der romanischen Tradition, die ersten der deutschen.

Lebend belegt ist am häufigsten das Simplex im Singular der Bifig (Binn und zwölf weitere Gemeinden), manchmal als im / em / ufum Bifig. FLNK hat in Termen Biffig, in Staldenried und Kippel Bifig. Historisch kommen sehr unterschiedliche Schreibungen vor (siehe schon oben). Flektierte Formen wie de Byvingen (1336, Birgisch) und apud Bynynguen (1292, Visp, eventuell verlesen zu Byuynguen) können zu Bifing (Singular) gestellt werden. Einige wenige Gemeinden haben die Pluralform t Bifega (Blitzingen), di Bifige (Bellwald, Mund) als Feminin Singular reanalysiert; unklar ist, ob dies Grundstücke der Familie Biffiger sind. Im Fall von t Bifega (Fieschertal) ist unklar, ob ein Singular oder ein Plural vorliegt. Die übrigen Belege wie di Bifiga (Hohtenn und fünf weitere Gemeinden), historisch auch in den Bivingen (1388, Törbel) zeigen jedoch den Plural an. Seltsam ist das zweimal belegte ze Bifigu ‘bei den eingehegten Stücken Landes’ (Eischoll, Zeneggen), das auch den Wohnort der Familie Biffiger meinen kann.

Mit attributiven Adjektiven ist das HL wie folgt konstruiert: der Inner Biffig ‘das innere eingehegte Stück Land’ (Eisten; 1866, Steg), das Klein Bifiglin ‘das kleine eingehegte Stück Land’ (1645, Simplon), ze den Nideren Bifingen ‘bei den unteren eingehegten Stücken Land’ (1309, Zeneggen), der Ober Bifig ‘der obere Teil des Gebietes Bifig (eingehegtes Stück Land)’ (Kippel, Unterbäch), t Obre Bifige ‘die oberen eingehegten Stücke Land’ (Münster), der Under und der Ober Biffig ‘das untere und das obere eingehegte Stück Land’ (1756, Betten), t Under Bifig ‘die untere Bifig (das eingehegte Stück Land)’ (Kippel, hier Fem. Sg.!), t Unner Bifega ‘das untere eingehegte Stück Land’ (Blitzingen), t Unnere Bifige ‘der untere Teil des Gebietes Bifige (die eingehegten Stücke Landes)’ (Münster), in (lat.:) inferiori (unter) Bifingen ‘in den unteren eingehegten Stücken Land’ (1354, Ulrichen), der Unner Bifig ‘der untere Teil des Gebietes Bifig (das eingehegte Stück Land)’ (Eisten), der Üsser Bifig ‘der talauswärts liegende Teil des Weilers Bifig (das eingehegte Stück Land)’ (Eisten).

Zweigliedrige Komposita mit dem Grundwort Bifig sind selten: der Birchibifig ‘das eingehegte Stück Wiese im Bereich Birchi (Birkengehölz)’ (Obergesteln), Soppenbifing ‘das eingehegte Stück Land, auf dem Soppen (Bocksbart) wächst’ (1309, Törbel). Komplexer ist der Ho(f)stetterbifig ‘das eingehegte Stück Land im Bereich Hostette (Hofstatt)’ (Obergesteln), wo wohl ein ursprünglicher Genitiv ‘der Leute von Hofstetten’ vorliegt.

Als Bestimmungswort ist das HL Bifig mit den Grundwörtern Acher, Alpa, Bord, Brunnu, Egg(a), Färich, Flüö, Kapälla, Matta, Schiir, Schleif, Spiss, Suon, Wald und Wier verbunden.

Komplexer ist dr Bifigegguschleif ‘der Schleif im Gebiet Bifigeggu (die Ecke im Bereich Bifig (das eingehegte Stück Land))’ (Kippel).

Eine Ableitung auf /-ER/ ist in di Bifigertola ‘die Mulde im Gebiet Bifiga (das eingehegte Stück Land)’ (Mund) vertreten; es geht wohl auf einen alten Genitiv Plural zurück.

Eine Ableitung auf /-ERRI/, die Wasserleitungen kennzeichnet, ist in die Biffigerri ‘die Wasserleitung, die zum Gebiet Bifig (das eingezäunte Stück Land) führt’ (1597, Eisten) und Bifigerri ‘die Wasserleitung, die zum Bifig (das eingehegte Stück Land) führt’ (1759, Simplon) vertreten.

I(n)fang m. ist zu schwdt. Infang m. ‘Einhegung, eingehegtes Stück Land, Wiese, Weinberg’ (ID. 1, 855) zu stellen. Die gut 20 Belege weisen die Singularformen der Einfang (1824, Bellwald), der Ifang (Bitsch und weitere acht Gemeinden), (im/am) Jnfang (1304, Stalden und weitere sechs historische Belege), der Jnvang (1308, Saas-Balen), den Plural t Ifeng (Glis) und die Diminutive ts Ifangji (FLNK Eischoll, Unterbäch) und ts Ifengji (Mund, Täsch) auf.

VSNB, Bd. 2, Sp. 119

Vorkommen

fang

fäng

fang

fange

fangji

fängjini

fega

feng

fengji

ffig

fig

figa

fige (Fang)

figer

figeri

figerri

figji

figjini

figlin

figu

fing

finge

fingen

fingue

vang

ving

vingen

wanc