Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Brigga

Brigga f. ‘die Brücke’ ist zu schwdt. Brugg, Bruggen, Brügg, Brüggen ‘Brücke als Übergang über einen Fluss, Bach, Graben, etc.’, auch ‘ein aus nebeneinander gelegten Prügeln verfertigter Weg, Knüppelweg, aus Bohlen oder Steinen gemachter Weg über nassen Boden’, ahd. brucca, mhd. brucke, brücke und wdt. Brigga, Briggä (Goms), Briggu f., ‘Brücke’ (ID. 5, 537 ff.; GRICHTING 1998, 42) zu stellen. Im Oberwallis kommt das Appellativ Brigga / Briggu nur entrundet (mit ehemaligem Umlaut) und mit Endung vor; die endungslose Kurzform Brigg erscheint nur in Flurnamen. Einen besonderen Fall mit einer falschen Diphthongierung findet man in zer Breigo ‘bei der Brücke’ (Saas-Balen). Häufig befinden sich Weiler oder Siedlungen bei den Brücken, die ZBrigg, Zer Briggu und ähnlich benannt werden. Dazu gesellen sich die Familiennamen Zurbriggen und Brigger (AWWB 44 und 302). In weitaus den meisten der rund 200 Fälle kommt das Lemma als Simplex im Singular, selten im Plural vor; häufigster Diminutiv ist Briggelti (Pl. Briggeltini). In einigen Fällen ist historisch der Vokal /u/ belegt, so etwa 1439 Brúg (Steinhaus) oder ein Diminutiv zem Brucgiltin ‘bei der kleinen Brücke’ (1389, Ulrichen). Diese Belege sind problematisch, weil sie keinen Umlaut aufweisen, während die lebenden Namen durchwegs Entrundungen des Umlauts sind (vgl. zum Problem PAUL 252007, 95 und SDS 1, 54). Die Form z Brick ‘bei der Brücke’ (Ernen, FLNK, LT und SK Z’Brigg) mit auslautender velarer Affrikata, ist selten; da die ältesten Belege von Brúcko (1328 u. später) sprechen, ist aber diese Affrikata als Alternative gebräuchlich.

Als attributive Adjektive erscheinen indertthalb der Boͤsen Bruggen ‘unterhalb der bösen Brücke’ (1502, Binn), di Grau Brigga ‘die graue Brücke’ (Stalden; Hängebrücke mit Rohrleitung der Lonza AG), t Hee Brigga ‘die hohe Brücke’ (Simplon), t Hee Briggu ‘die hohe Brücke’ (Leuk, Salgesch), Heeji Briggu ‘die hohe Brücke’ (FLNK, Erschmatt), Neÿ = oder Hohen Brügen ‘der neuen oder hohen Brücke’ (1747, Bratsch; 1747 u. später, Erschmatt), der Hochen Brúgen (1747 u. später, Feschel), beÿ der Langen Brücke ‘bei der langen Brücke’ (1839, Inden), Mittlescht Briggelti ‘der mittlere Teil des Gebietes der kleinen Brücke’ (FLNK, Oberwald), beÿ der Mittlesten Bruggen ‘bei der mittleren Brücke’ (1654, Naters), t Niww Brigga ‘die neue Brücke’ (Zwischbergen), zer Niwwu Briggu ‘bei der neuen Brücke (Weiler von Visperterminen, hdt. Neubrück)’ (FLNK, Visperterminen), zer Niwwu Briggu ‘bei der neuen Brücke’ (Stalden), vnder der Nüwen Briggen ‘unter der neuen Brücke’ (1676), bey der Obrn Brücken ‘bei der oberen Brücke’ (1662, Münster), Oberscht Briggelti ‘der obere Teil des Gebietes der kleinen Brücke’ (FLNK, Oberwald), die Rothen Brigen ‘die Brücke über den Rotten / die rote Brücke (unsicher)’ (1662, Geschinen), Roti Briggu ‘die rote Brücke’ (FLNK, Inden), Schwarz Brigga ‘die schwarze Brücke’ (FLNK, Termen), t Steinig Brigge ‘die Brücke aus Stein’ (Münster), bim ŭndersten Briggilti ‘bei der untersten kleinen Brücke’ (1684, Naters), zer Unnru Briggu ‘bei der unteren Brücke (Weiler von Saas-Grund)’ (Saas-Grund).

Zweimal belegt sind Präpositionen in ts Ännet Briggu ‘zu jenseits der Brücke (Dorfteil von Turtmann)’ (Turtmann), wo als Neutrum oder mit der Präposition ts (hdt. bei) ein Dorfteil jenseits der früheren Brücke über die Turtmänna gemeint ist (die ursprüngliche Lage des noch nicht korrigierten Baches sieht man noch auf SK, wo sich ein Dorfteil jenseits des Baches befindet) und Zwisch Briggen ‘zwischen den Brücken (von Leuk)’ (1865, Leuk; frühere Belege lateinisch: intra pontes Leucae).

Vorangestellte Genitive oder Formen auf /-ER/, die ältere Genitive vertreten, sind: beÿ der Geschinern Brüggen ‘bei der Brücke von Geschinen (Gemeindename)’ (1628, Münster), zer Briggen Leuce ‘bei der Brücke von Leuk (wohl zwischen Agarn und Leuk über den Rotten) (1543, Leuk) [der Genitiv Leuce ist hier in romanischer Weise nachgestellt], t Michaelsbrigga ‘die Brücke (über die Vispe), die nach St. Michael benannt ist’ (Stalden), Napoleonsbrücke ‘die Brücke der Napoleonsstrasse über die Saltina’ (LT, SK Brig), bÿ dem Schmitten Brigelte ‘bei der kleinen Brücke bei der Schmiede / der Familie Schmid’ (1716, Vispe), bey der Zeiter Brüggen ‘bei der Brücke von Seit (früherer Weiler von Selkingen)’ (1791, Selkingen; FLNK Zeiterbrigge).

Als Grundwort nimmt das HL Fluss- oder Bachnamen zu sich wie di Ganterbrigga ‘die Brücke über den Ganterbach’ (Ried-Brig; heute Alti Ganterbrigga ‘die alte Brücke über den Ganterbach’ (FLNK)), nachdem eine neue Brücke gebaut worden war, Daalubriggu ‘die Brücke über die Dala’ (FLNK, Leuk; FLNK, Varen), t Illgrabubriggu ‘die Brücke über den Illgraben’ (Leuk), di Kanalbrigga ‘die Brücke über den Kanal (des Kraftwerks Mörel)’ (Grengiols), beÿ der Massenbrúggen ‘bei der Brücke über die Massa’ (1825, Bitsch), bi der Massubriggu ‘bei der Brücke über die Massa’ (Naters) und andere mehr. Die Namen benachbarter Siedlungen oder Fluren sind im Bestimmungswort gemeint in ts Badnerbriggelti ‘die kleine Brücke über die Wasserleitung oberhalb von Brigerbad’ (Mund), Balltschiederbruggen ‘die Brücke von Baltschieder’ (1626, Baltschieder), Bietschtalbrigga ‘die Brücke (der BLS) über das Bietschtal’ (Raron), Riederbrigga ‘Brücke nach (Stalden-)Ried’ (FLNK, Stalden), Schweigmattubriggi ‘die kleine Brücke bei der Schweigmatte’ (Zermatt), uf der Säältinubrigga ‘auf der Brücke über die Saltina’ (Brig) und vielen anderen. In den Beispielen sind schon komplexere Belege genannt worden; der Beleg t Rosswangbrigga ‘die Brücke (über die Vispe) im Gebiet Rosswang’ (Randa) zeigt, dass auch Ausgangsund Zielorte eine Rolle spielen können.

In einer Reihe von lateinischen Belegen erscheint das Wort pons, Gen. pontis ‘Brücke’. Es ist manchmal sehr unsicher, ob es sich hier wirklich um einen übersetzten Namen oder doch um ein Appellativ handelt. Diese Belege sind vorsichtig zu interpretieren.

Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Biina, Bodu, Loch, Los, Matta, Moos, Schiir, Schluocht, Schlüche, Stutz, Wäg und Wang.

Eine komplexere Konstruktion ist: zer Altun Brúckstat ‘bei der alten Stelle der Brücke’ (1438, Visp).

Bei Namen in der Umgebung von Brig kann allerdings auch diese Gemeinde gemeint sein, deren Namen nichts mit Brigga zu tun hat (cf. HL BRIG). Verwechslungen sind auch mit Brigi ‘Lagerplatz für das Vieh (im Stall), Behelfssteg’ usw. und Brigil ‘Knüppel’ möglich (cf. HL BRIGI). Hingegen ist der Beleg Zbruggbresen (1722 u. später, Ergisch) nicht hieher zu stellen; es handelt sich um eine unverstanden Umschrift zum Namen Prupräsu ‘Stück Land’ in Unterems.

VSNB, Bd. 1, Sp. 279

Vorkommen

breigo

brick

brig (Brigga)

brigen

brigg

brigga

brigge

briggelti

briggeltinen

briggeltini

briggen

brigger (Brigga)

briggeri

briggerli

briggi

briggilti

briggiltini

briggiltinu

briggu

briggulti

briggun

brigu

brucca

brucgiltin

bruck

brücke

brucken

brug

brugen

brügg

brüggelti

bruggen

brüggen

bruggen

brüggen

bruggen

brüggen

brüken

bruquen