Schnitta
Schnitta f. ist zu schwdt. Schnitten f., wie nhd. ‘der einzelne Streifen einer in regelmässigen Abschnitte geteilten Wiesenfläche; abgemarkte, langgestreckte Fettwiese’ und wdt. Schnitta, Schnittä (Goms), Schnittu ‘Schnitte, Scheibe’ (ID. 9, 1359 ff.; GRICHTING 1998, 175) zu stellen. In Flurnamen ist mit Schnitta ein ausgeschnittener Teil eines Grundstücks gemeint; faktisch sind das meistens langgezogene, schmale Grundstücke. Um den Zusammenhang mit dem HL herzustellen, wird hier aber normalerweise die Deutung ‘ausgeschnittenes Stück Land’ gegeben, ausser wenn der Kontext sehr deutlich etwas anderes angibt. Das HL scheint nur noch im Walsergebiet Graubündens belegt zu sein, vgl. RN (2, 285 s. v. Schnitte). ZINSLI (1984) kennt es nicht, was den Schluss nahelegt, dass die Bündner Walser den Flurnamen aus dem Oberwallis mitgenommen haben, wo er in allen Bezirken mit rund 130 Flurnamen gut belegt ist.
Davon zu unterscheiden ist das Kollektiv G(e)schnitt ‘das Gebiet einer Gemeinde’ (ID. 9, 1358), siehe unten.
Das Simplex im Singular ist belegt als t Schnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land’ (Staldenried), historisch als die Schnitta (1484 u. später, Ernen; 1586 Naters). Unsicher ist die Schnida (1534, Steg), zu vermuten ist aber auch hier das HL SCHNITTA. Historisch häufig ist an der Schnitten (1532, Fieschertal) in der Schniten (1751, Bürchen; 1837, Obergesteln; 1772 Oberwald; 1774, Raron; 1677, Steinhaus; 1605, Varen; 1752, Zwischbergen), die Schnitten (1781, Binn), under der Schnitten (1680, Münster). In einigen Fällen wechseln Singular und Plural, so hat etwa Greich 1789 in den Schnitten, ebenso 1802, aber 1814 in der Schnitten, oder Ausserberg 1693 in den Schnitten, 1729 jn der Schnitten, 1770 in den Schnitten, 1795 auf der Schnitten. t Schnittu (Leuk) weist die typische Endung der Nomina auf -A im Bezirk Leuk auf.
Sicher Plurale des Simplex sind: t Schnittä (Gampel), t Schnitte (Embd, Ergisch, Erschmatt, Hohtenn, Niedergesteln, Saas-Almagell (zweimal), Salgesch, Zeneggen). Unterbäch hat laut FLNK Schnitte; die historischen Belege sind 1641 in den Schnitten, 1667 jn der Schnitten, 1738 in der Schnitten. Auch weitere Belege haben in den Schnitten (1818, Oberems; 1746, Ried-Mörel; 1605, Varen), in die Schnitten (1687, Albinen). Die hohe Variabilität deutet darauf hin, dass Singular und Plural nicht klar unterschieden sind.
Diminutive sind nur im Plural belegt: t Schnittjini ‘die kleinen ausgeschnittenen Stücke Land’ (Niedergesteln) und in den Schnittlinen (1709, Eischoll).
Attributive Adjektive in zweigliedrigen Konstruktionen kommen wie folgt vor: in der Andren Schnitten (1745, Visperterminen) – hier ist zu vermuten, dass Andren als Endren ‘jenseitig’ zu lesen ist –, in der Breiten Schnitten ‘im breiten ausgeschnittenen Stück Land’ (1708, Ernen), ähnlich Breiti Schnittu (FLNK, Bratsch) und die Breit Schnitta (1679, Betten). beÿ den Dreÿ Schnitten ‘bei den drei ausgeschnittenen Stücken Land’ (1661, Münster) enthält ein Zahlwort, dagegen nicht t Eeberi Schnittu ‘das apere ausgeschnittene Stück Land’ (Gampel), wobei das Adjektiv wohl ein unfruchtbares Stück Land meint. di Glatti Schnittu ‘das glatte ausgeschnittene Stück Land’ (Hohtenn) und di Glattu Schnitte ‘die glatten ausgeschnittenen Stücke Land’ (Raron) meinen abschüssige Stücke. Vnder der Grossen Schnitten (1779, Ernen) und iner Grossen Schnitten ‘im grossen ausgeschnittenen Stück Land’ (1684, Blitzingen) sind ebenso belegt wie t Lägendi Schnitta ‘das ebene ausgeschnittene Stück Land’ (Blitzingen; FLNK Lägend Schnitta). In mehreren Belegen kommt Lang vor: beÿ der Langen Schnitten (1761, Salgesch), in der Längen Schnitten (1754, Eischoll), in der Lengen Schnitten (1685, Bürchen), die Lengschnitta (1505 u. später, Lax), an der Lengen Schnitten (1532 u. später, Fieschertal), t Leng Schnitte (Fiesch). die Mittleste Schnitten (1686, Eischoll), die Mittlest Schnitta (1528, Mühlebach), die Mittlost Schnitta (1545, Unterbäch) sind Belege für eine mittlere Schnitte. t Schmalu Schnitte ‘die schmalen ausgeschnittenen Stücke Land’ (Stalden), jn der Stozenden Schnitten ‘im steilen ausgeschnittenen Stück Land’ (1650, Ausserbinn) und in der Stotzenttenen Schnitten ‘im steilen ausgeschnittenen Stück Land’ (1702, Ernen) beziehen sich auf die Steilheit. Unklar ist z Trÿgen Schnitten ‘bei den drei ausgeschnittenen Stücken Land’ (1753, Mühlebach) (vgl. oben beÿ den Drey Schnitten). in der Untern Schnitte ‘im unteren ausgeschnittenen Stück Land’ (1872, Glis) findet sich neben d Wissu Schnitta ‘das weisse, ausgeschnittene Stück Land’ (1832, Bürchen).
der Schwarz Schnitt ‘der schwarze Schnitt’ (Oberwald) bezieht sich auf einen dunklen Felszug, der wie ein Schnitt aussieht; es ist der einzige Beleg, der Schnitt m. aufweist.
Vorangestellte Genitive zum HL SCHNITTA sind die Brindlen Schnitten ‘das ausgeschnittene Stück Land der Familie Brindlen’ (Termen), in Elsenn Schnitten ‘im ausgeschnittenen Stück Land der Elsa’ (Ernen), in des Ettren Schnitginen ‘in den kleinen ausgeschnittenen Stücken Land des Onkels’ (Mühlebach), Gineten Schnitten ‘das ausgeschnittene Stück Land des Ginet / der Ginet’ (1576, Eischoll), des Haubtmansschnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land des Hauptmanns (wohl Funktion)’ (1768, Ernen), Jaggun Schnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land des Jaggen (PN Jakob)’ (Raron), Jostsch Schnittú ‘das ausgeschnittene Stück Land der Familie Jost’ (1704, Ried-Mörel), t Madleenerschnitte ‘die ausgeschnittenen Stücke Land der Magdalena (Marx)’ (Ergisch), zúr Mehren Schnitte ‘bei dem ausgeschnittenen Stück der Mährenweide (unsicher)’ (1839, Eisten) Moriego Schnitten ‘die ausgeschnittenen Stücke Landes der Leute von Mörel’ (1645, Mörel; ein latinisierter Genitiv Plural), di Pfaffuschnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land des Pfarrers / der Familie Pfaffen’ (Ried-Brig), Rieders Schnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land der Familie Rieder’ (1465, Lax), Schwickingen Schnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land der Familie Schwick / der Leute des Schwick’ (1772, Bellwald).
Das HL erscheint mehrfach als Grundwort in zweigliedrigen Komposita, wobei die Bestimmungswörter meist nahegelegene Fluren, manchmal auch Gemeinden oder Einzelbesitzer kennzeichnen. So enthält im Ritterbarbi=Schnittelti ‘im kleinen ausgeschnittenen Stück Land der Barbara Ritter’ (1842, Binn) den Namen einer Besitzerin, in die Ritterschnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land der Familie Ritter’ (1842, Binn) ist die gleiche Familie oder eine gleichen Namens gemeint. die Brindlen Schnitten ‘das ausgeschnittene Stück Land der Familie Brindlen’ (1791, Termen) erwähnt eine Besitzerfamilie genau wie Schmidschnitte ‘die ausgeschnittenen Stücke Land der Familie Schmid’ (FLNK, Ernen) auf der Alpe Frid. in Alberschnitten ‘im ausgeschnittenen Stück Land beim Alber’ (1771, Ergisch) ist ein Flurname Alber (wohl: Pappel) genannt, in der Aspschnitten ‘im ausgeschnittenen Stück Land beim Asp’ (1785, Ergisch) sind Espen gemeint, jn den Birchschnitten ‘in den ausgeschnittenen Stücken Landes beim Birch’ (1762, Ergisch) bezieht sich auf ts Birch ‘das Birkengehölz’, t Eichschnitte ‘die ausgeschnittenen Stücke Land beim Eich’ (Raron) meint eine Flur namens Eich (wo es Eichen hat). In Raron ist auch t Erbschnitte ‘die ausgeschnittenen Stücke Land beim Erb’ belegt, wo aber das Erb nur historisch vorkommt. Zum Weiler Giesch sind Giesch Schnitte (1902, Hohtenn) zu stellen, während im Giescherschnitten (1775, Eischoll; 1825 in der Giescherschnitten) bei ts Breiu undeutbar ist; ob hier jemand aus Giesch ein Stück Land besass, ist unklar. Unklar ist auch t Fasnachtschnitta ‘im ausgeschnittenen Gebiet, wo ein Fasnachtsbrauch stattfand’ (Ernen), wo man einen Fasnachtsbrauch nur vermuten kann (cf. HL FASNACHT). in den Giltschnitten (1826, Steg) kann sowohl bei einem Giltsteinbruch, wie eine Wiese mit einer Gült (Schuldverschreibung) meinen - aus dem Kontext lässt sich das nicht erkennen. Unter den übrigen Namen fällt ein weitere auf: in Pollen Schnitten ‘in den ausgeschnittenen Stücken Land beim runden Hügel / des Pollen (PN)’ (1637 u. später, Fiesch), wo unklar ist, ob das HL BOLL oder ein PN vorliegt; im zweiten Fall würde übrigens ein Genitiv Singular vorliegen, also kein Kompositum. Weitere Belege sind unter den verschiedenen Bestimmungswörtern behandelt.
Komplexer sind die Heimen Haús Schnitten ‘die ausgeschnittenen Stücke Land beim Haus des Heimen (PN)’ (1852, Hohtenn), wobei Heimen ein FaN oder ein PN sein kann, in den Oberhaus Schnitten ‘in den ausgeschnittenen Streifen Land beim oberen Haus’ (1755, Bürchen) - gemeint ist wohl der Weiler zum Oberhüs. t Steihüserschnitta ‘das ausgeschnittene Stück Land der Leute von Steinhaus’ (Binn); ob hier die Gemeinde Steinhaus gemeint ist, bleibt unklar. Der Beleg Her Lusenschnitta (1432, Fiesch) lässt sich nicht deuten; es ist unklar, ob Her tatsächlich als Herr zu deuten ist (und in welcher Bedeutung); wenn ja, wäre dann Lusen der Genitiv eines PN oder FaN Luse, das allerdings unbelegt ist.
Als Bestimmungsname kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Bodu und Matta. Seltsam ist zen Schnittengebineren ‘bei den Pflanzplätzen im ausgeschnittenen Stück Land’ (1808, Raron), wo ein Kollektiv zum Grundwort Biina erscheint.
Formal gehört auch Schnittlöich ‘der Schnittlauch; der Ort, wo wilder Schnittlauch wächst’ (FLNK, Bratsch) (ID. 3, 1007 f.; GRICHTING 1998, 175 s. v. Schnittlöib) zu den Komposita; es wird hier nur wegen des Bestimmungswortes Schnitt zu schnîden ‘schneiden’ (ID. 9, 1080) erwähnt; Schnittlech ist als Flurname u. a. in LUNB (1, 2, 919 s. v. Schnitt) und RN (2, 450), dort als Schnittlauch (Davos), belegt.
Das Kollektiv G(e)schnitt ‘das Gebiet einer Gemeinde’ (ID. 9, 1358) ist mehrfach belegt: das Egger-Geschnitt ‘das Geschnitt der Egga’ (1824, Naters) (gemeint ist wohl der Weiler Egga oberhalb Blatten), in Greniarro Geschnitt ‘im Geschnitt (Gemeindegebiet) der Leute von Grengiols’ (1645, Grengiols), das Rischiner Geschnitt ‘das Geschnitt (Gebiet) der Leute von Rischinen’ (1824, Naters) (gemeint ist der Weiler Rischine von Naters), im Seiter Geschnidt ‘im Geschnitt (Gebiet) von Seit’ (1740, Selkingen) (gemeint ist der frühere Weiler Seit), im Urlicher Geschnitte ‘im Geschnitt (Gemeindegebiet) der Leute von Ulrichen’ (1833, Ulrichen).
VSNB, Bd. 4, Sp. 107
Vorkommen
geschnidt
- Seiter Geschnidt Selkingen
geschnitt
- Egger Geschnitt Naters
- Grängier Geschnitt Grengiols
- Rischiner Geschnitt Naters
geschnitte
- Üerlicher Geschnitte Ulrichen
schnida
- Schnida Steg
schniten
- Schniten Steinhaus
schnitginen
- Ettren Schnitginen Mühlebach
schnitt
- Schnittlöich Bratsch
- Schwarz Schnitt Oberwald
schnitta
- Breit Schnitta Betten
- Breiten Schnitta Ernen
- Brun schnitta Fiesch
- Elsen Schnitta Ernen
- Fasnachtschnitta Ernen
- Gross Schnitta Ernen
- Gross Schnitta Blitzingen
- Höupmisch Schnitta Ernen
- Hubuschnitta Ernen
- Jaggun Schnitta Raron
- Lägendi Schnitta Blitzingen
- Läz Schnitta Fieschertal
- Leng Schnitta Fieschertal
- Lengen Schnitta Lax
- Lusenschnitta Fiesch
- Mittlost Schnitta Unterbäch
- Mürschnitta Grächen
- Pfaffuschnitta Ried-Brig
- Pollen Schnitta Fiesch
- Rieders Schnitta Lax
- Ritterschnitta Binn
- Schnitta Naters
- Schnitta Binn
- Schnitta Ernen
- Schnitta Fieschertal
schnittä
- Schnittä Gampel
schnitta
- Schnitta Staldenried
- Schwickigen Schnitta Bellwald
- Schwickschnitta Fieschertal
- Spicher Schnitta Filet
- Spicherschnitta Ernen
- Stadelschnitta Lax
- Stallschnitta Staldenried
- Steihüserschnitta Binn
- Stotzenttenen Schnitta Ernen
- Trogschnitta Ernen
- Waudschnitta Ernen
schnitte
- Alberschnitte Ergisch
- Aspschnitte Ergisch
- Bachtole Schnitte Niedergesteln
- Birchschnitte Ergisch
- Bodu Schnitte Embd
- Bordschnitte Unterbäch
- Chrizschnitte Bratsch
- Eichschnitte Raron
- Erbschnitte Raron
- Giesch Schnitte Hohtenn
- Glattu Schnitte Raron
- Guferschnitte Embd
- Heimen Hüüs Schnitte Hohtenn
- Langen Schnitte Salgesch
- Leng Schnitte Fiesch
- Madleenerschnitte Ergisch
- Mehren Schnitte Eisten
- Schmalu Schnitte Stalden
- Schmidschnitte Ernen
- Schnitte Unterbäch
- Schnitte Hohtenn
- Schnitte Saas-Almagell
- Schnitte Salgesch
- Schnitte Saas-Almagell
- Schnitte Embd
- Schnitte Erschmatt
- Schnitte Niedergesteln
- Schnitte Ergisch
- Schnitte Zeneggen
- Schwickschnittewaud Bellwald
- Unner Schnitte Glis
- Werrligschnitte Unterbäch
schnittelti
schnitten
- Andren Schnitten Visperterminen
- Bielschnitten Eischoll
- Bodenschnitten Filet
- Brindlen Schnitten Termen
- Dorfschnitten Eischoll
- Drei Schnitten Münster
- Gassen Schnitten Bister
- Giescherschnitten Eischoll
- Giltschnitten Steg
- Gineten Schnitten Eischoll
- Grubenschnitten Martisberg
- Hoffschnitten Raron
- Längg Schnitten Bürchen
- Längu Schnitten Eischoll
- Mittlest Schnitten Mühlebach
- Mittloscht Schnitten Eischoll
- Moriego Schnitten Mörel
- Ober Hüüs Schnitten Bürchen
- Obern Bielacherschnitten Feschel
- Schnitten Raron
- Schnitten Münster
- Schnitten Albinen
- Schnitten Bürchen
- Schnitten Ausserberg
- Schnitten Unterems
- Schnitten Oberwald
- Schnitten Greich
- Schnitten Oberems
- Schnitten Obergesteln
- Schnitten Ried-Mörel
- Schnitten Zwischbergen
- Schnitten Varen
- Schnittengebineren Raron
- Schnittenmatta Raron
- Sinnerschnitten Eischoll
- Speicher Schnitten Mörel
- Stotzenden Schnitten Ausserbinn
- Süoschnitten Eischoll
- Triigen Schnitten Mühlebach
- Waldschnitten Grengiols
- Wiiss Schnitten Bürchen
schnitter
- Schnitterbodo Birgisch
schnittil
- Schnittilmatten Hohtenn
schnittjini
- Schnittjini Niedergesteln
schnittlinen
- Schnittlinen Eischoll
schnittu
- Bättilschnittu Albinen
- Breiti Schnittu Bratsch
- Eeberi Schnittu Gampel
- Glatti Schnittu Hohtenn
- Jostsch Schnittu Ried-Mörel
- Schnittu Leuk