Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Pletscha

Pletscha f. ist zu schwdt. Plätschen, Pletschen, wdt. Pletscha, Pletschä (Goms), Bletscha, Bletscherna, in Leuk und den Leukerbergen auch Plätschu f. ‘Fläche (erhöhte, ebene), lange, kompakte Schicht (Eis, Gestein)’, ‘breite, zusammenklebende Masse, besonders von Schnee; mehr oder weniger ausgedehnte Schneeschicht, Schneeflecken, die sich an schattigen Stellen bis in den Hochsommer hinein halten; grosse Schneeflocken’, zu afrpr. *platsji aus lat. PLATEA, frz. place (ID. 5, 232 f.; ZINSLI 1945, 313; GRICHTING 1998, 153; GLATTHARD 1977, 285 f.) zu stellen, einem Lehnappellativ. In unseren Belegen erscheint es auch mit anlautendem bl-; es wird in den Namen normalerweise als ‘Ebene’ gedeutet und meint im Allgemeinen eine ebene Fläche. Das HL kommt in allen Bezirken vor, ist aber in Westlich-Raron und Leuk besonders viel häufiger als in den oberen Bezirken, und ist in rund 120 Namen belegt.

Das Simplex ist in den Formen Bletscha / Pletscha, Bletschä / Pletschä, Bletsche / Pletsche, Bletschu / Pletschu, Plätschu und weiteren Varianten wie Bletschen / Pletschen im ganzen Oberwallis rund vierzig Mal belegt. Darunter finden sich auch Plurale. Diminutive des Simplex sind selten: ts Bletschelti ‘die kleine Ebene’ (Birgisch) und im Plätschy (1740 u. früher, Bratsch) sind die einzigen sicheren Zeugen.

Attributive Adjektive zum HL sind ebenfalls selten: ts Chlein Pletschilti ‘die kleine Ebene’ (Ergisch), t Chrumm Bletscha ‘die krumme Ebene’ (Blatten), t Faggsig Bletscha ‘die ebene mit Borstengras’ (Ferden), di Gaaltun Bletschä ‘die unfruchtbare, nicht genutzte Ebene’ (Ferden), di Gross Bletscha ‘die grosse Ebene’ (Wiler), Nassi Pletscha ‘die nasse Ebene’ (Bürchen, Raron; 1857, Törbel), zer Obren Pletschen ‘bei der oberen Ebene’ (1700, Ergisch), t Obrun Bletschä ‘die oberen Ebenen’ (Wiler), Spächten Bletschun ‘die Ebene, von der man ausspähen kann’ (Blatten) und t Undrun Bletschä ‘die unteren Ebenen’ (Wiler). Unklar ist t Süüripletschu ‘die Ebene mit Sauerampfer’ (Ergisch), wo Süüri wohl ein vom Adjektiv süür ‘sauer’ abgeleiteter Pflanzenname für saure Pflanzen wie Sauerampfer (LAUBER / WAGNER / GYGAX 52014, 684–692 zu RUMEX mit verschiedenen Unterarten) ist. Ein Partizip Präsens liegt in t Schreeiendun Bletschu ‘die Ebene, durch die das Wasser herabströmt’ (Ferden) vor.

Besitzerangaben sind sehr selten. di Geenipletscha ‘die Ebene des Eugen (Meichtry)’ (Feschel), di Glaisbletscha ‘die Ebene des Glais (Klaus) / der Familie Gäisen’ (Wiler), t Magerannipletschu ‘die Ebene der Familie Mageran’ (Hohtenn, Steg), t Schmidig Bletscha ‘die Ebene der Familie Schmid / der Leute des Schmieds’ (Kippel), Schmidigi Bletscha ‘die Ebene der Familie Schmid / der Leute des Schmieds’ (Ferden), di Trogerpletsche ‘die Ebenen der Familie Troger / der Leute von der Alpe Trog’ (Ergisch) ist uneindeutig – da der Trogstafel in der Nähe liegt, ist wohl an die Leute von der Alpe Trog zu denken. t Wolfrätschbletschä ‘die Ebene des Wolfrat’ bezieht sich ursprünglich auf einen PN Wolfrat, dessen Name aber zu einem Lokalnamen ts Wolfrätsch geworden ist. Unklar ist Zanmaartisch Bletschu (Hohtenn), die heute nur Martisch Pletschu heisst (G. IMBODEN, p. c.). Es scheint, dass hier ein Martin oder Marti ein Stück Land besass, das von einer frommen Überlieferung zum Gut des heiligen Martin wurde; ein Bildstock ist an der Stelle nicht feststellbar.

Der grösste Teil der Belege umfasst zwei- und mehrgliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort. In einigen Fällen sind Pflanzennamen belegt, wie das schon erwähnte t Süüripletschu (Ergisch), dann t Aamatbletscha ‘die Ebene mit dem Spätheu’ (Törbel), di Bärnbletscha ‘die Ebene, auf der es Bärenkraut hat (nach Gwp.)’ (Blatten), di Bärupletschu ‘die Ebene mit Bären / mit Bärenkraut (?)’ (Oberems), t Edelwiisbletscha ‘die Ebene mit Edelweiss’ (Ferden), auff den Eichpletschen ‘auf den Ebenen mit Eichen’ (1690, Turtmann), t Hasolpletscha ‘die Ebene mit Haselsträuchern’ (Bürchen), t Heiperpletschu ‘die Ebene mit Heidelbeeren’ (Ergisch), ts Leerchbletschi ‘die kleine Ebene mit Lärchen’ (Raron), die Lindpletschen ‘die weiche Ebene / die Ebene mit Linden’ (1860, Steg) sowie di Ober und Under Dischelbletscha ‘die obere und die untere Ebene mit Disteln’ (Ferden).

Mehrfach belegt sind t Fuggsbletscha ‘die Ebene mit Füchsen (ev. der Familie Fux)’ (Ferden, Kippel, Törbel, Wiler), zer Roosbletschu ‘bei der Ebene, wo Hanf und Flachs geröstet wurden’ (Hohtenn, Niedergesteln), und di Bsetzpletschu (Ergisch), auch di Psetzbletschu (Oberems, Steg), Orte, wo man das Vieh am ersten Tag der Alpauffahrt weiden (oder stechen) liess. Mehrfach belegt sind auch t Stägbletscha ‘die Ebene beim Steg’ (Kippel, Wiler), während t Schtägnbletschun ‘die Ebene bei den Treppenstufen’ (Kippel) eine Wiese oberhalb eines treppenartigen Weges meint. Einen Sonderfall stellt Eÿbÿetschun ‘die Ebene bei der Aue’ (1588, Brigerbad) dar; es ist der einzige Fall, bei dem /l/ im Anlaut nach /p, b/ palatalisiert wird zu Bÿetschun.

Weitere Komposita sind meist mit den Namen nahegelegener Fluren gebildet. Komplexere Konstruktionen sind etwa t Längi Leerchbletschu ‘die lange Ebene mit Lärchen’ (Niedergesteln), t Lindwaldbletschu ‘die Ebene im Lindwald’ (Hohtenn) und t Mittoleggipletschu ‘die Ebene in der kleinen mittleren Ecke’ (Hohtenn).

Ein eigentliches Namennest gibt es bei Leuk, wo es einen Weiler Plätschu hat, zu dem sich die Namen di Plätscheiu ‘die Aue beim Weiler Plätschu’, ts Gross und ts Chlei Plätschgässi ‘das grosse und das kleine Gässchen zum Weiler Plätschu’, di Plätschmattu ‘die Wiese beim Weiler Plätschu’, di Plätschgässimatte ‘die Wiesen am Plätschgässi’ und di Plätschustrass ‘die Strasse zum Weiler Plätschu’ gesellen. Nur historisch belegt sind Pletschgassen (1773, Leuk) und das Plätz=Gässi (1775), wo vermutlich ebenfalls Plätschu gemeint ist.

Ein zweites Namennest bildet sich um den Alpnamen Zer Pletschu (Ergisch), wozu sich der Pletschbach, der Pletschwald, ts Pletschtagfäld ‘das Tagfeld der Alpe Zer Pletschu’, ts Pletschtelli ‘das kleine Tal bei der Alpe Zer Pletschu’, Pletschu der Mittluscht Stafil und Pletschu der Ober Stafil gesellen.

Weitere Belege mit dem HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita sind mit folgenden Grundwörtern konstruiert: Chrumm, Hooru, Hüs, Los, Matta, Pische, Schiir, Stei, Rüüs, Wäg und Weid.

Komplexere Fälle sind etwa dr Stockbletschuschleif ‘der Schleif bei der Ebene mit Baumstöcken’ (Kippel) und t Schtägnbletschuweidä ‘die Weiden bei der Ebene bei den Treppenstufen’.

VSNB, Bd. 3, Sp. 378

Vorkommen

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pletsch

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plettscha

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