Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Faggs

Faggs ‘Borstengras, Knäuelgras’ ist zu schwdt. Fachs, Faggs, Fax m., Pl. Faxen, mhd. vachs m./n., typisches Bergwort für ‘glattes, kurzes, borstenartiges Gras, nie recht grün, das an Abhängen, etwa auch aus Felsenritzen hervor büschelweise und um Sennhütten wächst; besonders Borstengras oder Knäuelgras’, ‘Heugras’ als Pl. ‘die Rasenbänder an felsigen Halden’ (ID. 1, 655; C. SCHMID 1969, 26 u. 122; ZINSLI 1984, 563; ZINSLI 1946, 317) zu stellen. Die Pflanzen heissen auch Gemschfaggse (ID. 1, 655). LAUBER / WAGNER / GYGAX (52014, 1492) kennen die Pflanze als NARDUS STRICTA ‘Borstgras’ für die Berggebiete der Schweiz.

Das Simplex kommt im Plural als uf de Faggse ‘auf den Fachsen (Ort, wo es Borstengras hat) (Bellwald), t Faggse ‘der Ort, wo es Borstengras hat’ (Zeneggen) und jn den Faxen ‘in den Fachsen (wo es Borstengras hat)’ (1648, Eggerberg) vor. Als Grundwort erscheint es in der Gämschfaggs (Obergesteln, Oberwald), das auch nur das Borstengras bezeichnet (Gämsch wohl nur als Höhenangabe) und in t Forfaggse (Hohtenn) mit unklarer Deutung ‘die vorne liegenden Gebiete, wo es Borstengras hat’. Als Bestimmungswort kommt es zusammen mit den Grundwörtern Biel, Egg(a), Grund, Rigg und Wang vor. Eine Sonderform kennt Ferden mit der Adjektivbildung Faggsig Bletscha ‘die Ebene mit Borstengras’; dieses Adjektiv ist in ID. nicht belegt. GRICHTING (1998, 76) kennt das Verb faggse ‘heuen (Wildheu), faxen’ und das Nomen Faxa, Faxä (Goms), Faxn (Lötschtal), Faxu ‘Wildgras, Faxe (Spass, Dumheit), Unart’ (GRICHTING 1998, 76); gemeint ist in den Flurnamen immer ‘Wildheu’.

VSNB, Bd. 2, Sp. 107

Vorkommen

faggs

faggse

faggsig

faggsu

fax

faxen