Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Bild

Bild kommt meistens im Zusammenhang mit einem Bildstock oder einem Heiligenbild an einem Baum vor; selten ist ein nicht-religiöses Bild gemeint (z. B. Kamilsch Bildji (Gampel)), laut Gwp. früher das Bild eines verunfallten Knaben. Das Wort ist zu schwdt., wdt. Bild n., mhd. bilde n., meist in der Bedeutung ‘Heiligenbild’ zur Bezeichnung einer Flur, die sich bei einem solchen befindet (ID. 4, 1197 f.; GRICHTING 1998, 37) zu stellen. Das Lemma kommt als Simplex (ts Bild) oder Diminutiv (ts Bildji, ts Bilgi) vor. In Komposita ist es häufiger Bestimmungswort als Grundwort.

Mit einem attributiven Adjektiv sind belegt: ts Hibsch Bildj ‘das schöne kleine Bild (Erinnerung an letzten Wolf)’ (Hohtenn), ts Leimige Bild ‘bei dem Bild(stock) aus Lehm’ (Betten), ts Ober und ts Unner Bild ‘der obere und der untere Teil des Gebietes Bild’ (Niedergesteln). Komplexere Belege sind zer Obren Bildschür (1740) und zúr Úndren Bildschir (1747, beide Niedergesteln) und der Ober und der Unner Billibodo ‘der obere und der untere Billiboden (der Boden beim kleinen Bild)’ (Mund).

Ein vorangestellter Genitiv erscheint in bÿ Fliero Bildt ‘beim Bild der Leute von der Fluh’ (1630 u. später, Naters, ev. zum FaN Supersaxo) und ts Kamilsch Bildji ‘das kleine Bild Kamils’ (Gampel) (siehe oben). Häufiger sind Genitive vor dem Kompositum Bildtanna, die alle für Birgisch belegt sind: ts Eggersch Bildtanna ‘die Bildtanne der Familie Egger’ (Birgisch) (<egger> ist der Beiname einer Familie), Chamsetsisch Bildtanna ‘die Bildtanne der Familie mit dem Übernamen Chammsetsi (Kammsetzer)’ (FLNK, Birgisch), ts Läntsch Bildtanna ‘die Bildtanne des Lenz (= Lorenz)’ (Birgisch), ts Zeitisch Bildtannu ‘die Bildtanne der Familie Zeiter’ (Birgisch).

Als Grundwort erscheint das HL in folgenden zweigliedrigen Komposita: zú dem Maúerbildlein ‘beim kleinen Bild an der Mauer (verhochdeutscht)’ (Varen), ts Stiigbild ‘das Bild an der Steige’ (Wiler).

Als Bestimmungswort kann es auch mit Fugen-/ER/ erscheinen. Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind Acher, Biel, Bode, Cheer, Egg(a), Haalta, Hüüs, Läärch, Platz, Schiir, Stadel, Stock, Tanna und Wald. Dazu kommen komplexere Konstruktionen wie in dem Bilder Aker Grŭnd ‘im Grund beim Bilder-Acker’ (1851, Brigerbad), die Bilderwasserleÿten ‘die Wasserleitung, die vom Bereich Bild kommt oder zu ihm führt’ (1716, Mörel), beÿ dem Tschillbildhaus ‘beim Bildhaus beim Gebiet Tschill’ (1760, Naters), beÿ dem Wartflüeier Bildhaús ‘beim Bildhaus im Gebiet der Wartfluh’ (1754 u. später, Naters), beÿm Obren Wartflühbildt ‘beim oberen Bild im Gebiet der Wartfluh’ (1795, Mund; 1738 ob Warpflierro Obren Bildÿ ‘beim oberen kleinen Bild der Leute von Wartfluh’).

Die Variante Billi (z. B. der Ober Billibodo (Mund)) (ohne -d-) entsteht aus einer Assimilation von Bild+li/yi.

VSNB, Bd. 1, Sp. 214

Vorkommen

bild

bilder

bildje

bildji

bildlein

bildli

billdji

billi

billji

biud