Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Güet

Güet n. ‘Gut’ ist zu schwdt. Guet, wdt. Güet, Guäd n. ‘Gut; Grundbesitz, Grundstück, Bauerngut’ (ID. 2, 546; GRICHTING 1998, 101) zu stellen. Das HL kommt in rund 140 Belegen vor.

Das Simplex im Singular tritt nur einmal auf als ts Güod ‘das Gut’ (Brigerbad). Ein Diminutiv im Singular Gjetji ‘kleines Gut’ ist rund sieben Mal belegt: ts Gietji (Bitsch, Glis (mit 2 Belegen), Leuk (mit 2 Belegen), Stalden) und – mit Assimilation – im Gietgi (Greich).

Mit einem attributiven Adjektiv sind vertreten: jm Alten Gútt (1694, Staldenried), ts Alt Güod (Eisten), ts Ennerscht Güod ‘das am weitesten entfernte Gut’ (Saas-Fee), die Gemeine Gütter ‘die der Gemeinde gehörenden Güter’ (1796, Feschel), ts Niw Güed ‘das neue Gut’ (Gampel und rund zehn weitere Belege mit formaler Variation), ts Ober Güed ‘das obere Gut’ (Fiesch und weitere acht Belege mit formaler Variation), Bluttigx Guͦt ‘das kahle Gut’ (1507, Ulrichen), das Wylt Guͦdt ‘das wilde (unfruchtbare) Gut’ (1620, St. Niklaus), ts Üsser Güod ‘das äussere Gut’ (Eggerberg (2 Belege) und zem Ausren Juott (Guott?) (1695, Eisten; unsichere Lesung). Komplexer ist etwa ts Unner Niwwgüod ‘das untere neue Gut’ (Turtmann).

Vorangestellte Genitive sind sehr häufig und bezeichnen meistens den Besitzer mit einem PN oder FaN, manchmal auch die Bewohner eines Ortes, so etwa in Ahornerro Guͤter ‘die Güter der Leute vom Ahorn (Weiler)’ (1383, Naters). Einige Belege für PN oder FaN sind Elsen Gietgi ‘das kleine Gut der Elsa’ (1712, Bitsch), Fintschengút ‘das Gut der Familie Fintschen’ (1748, Mörel), in Fúgsigen Gietren ‘in den Gütern der Familie Fux’ (1645, Mörel) (mit der kollektiven /-IG/-Ableitung), Gassnero Guͤtter ‘die Güter der Familie Gasser / der Leute von Zen Gassneru’ (1560, Unterems), Gattligen Gietji ‘das kleine Gut der Familie Gattlen’ (1857, Stalden) (mit der kollektiven /-IG/-Ableitung), Huotters Gúoth ‘das Gut der Familie Hutter’ (Ried-Brig) und viele weitere. ts Jesuitergüod ‘das Gut der Jesuiten’ (Glis) bezeichnet einen Orden, wobei Jesuiter wohl ein Genitiv Plural zum Sing. Jesuit ist. In ts Doktersch Güed ‘das Gut des Dr. med. Adolf Bayard’ (Agarn) ist eine Berufsbezeichnung enthalten. Nur selten werden solche Genitive erweitert wie in des Schriber Nellen Alpgut ‘das Alpgut des Schreibers Nellen’ (1741, Greich), wo eine Amtsbezeichnung zum FaN und eine Spezifikation zu Alpgut zu finden sind, oder die lateinisch-deutsche Mischform mit nachgestelltem PN: possessio Jacobi Suetzsch ‘das Gut des Jakob Sueth’ (1391, Zwischbergen). Der komplexeste Fall ist Michel Denen Haus Frauwen Guͦdt ‘das Gut der Hausfrau (Ehefrau) von Michel Thenen’ (1605, Embd).

Zweigliedrige Komposita mit Güet als Grundwort sind sehr häufig. Als Bestimmungswort kann auch hier ein FaN erscheinen wie in ts Alletgüed ‘das Gut der Familie Allet’ (Leuk), Antilljugüet ‘das Gut der Familie Antille / des Antille’ (Guttet), ts Fonteengüed ‘das Gut der Familie Fontaine’ (Niedergesteln), vf Huoberÿ Gŭot ‘auf dem Gut der Huberin’ (1644, Betten), ein seltener Fall einer femininen Ableitung zu einem FaN. ts Malergietji ‘das kleine Gut der Familie Maler’ (Grengiols) enthält laut Gwp. einen Beinamen ts Malersch der Familie Zenzünen. Doppeldeutig ist ts Müotergüod ‘das Gut der Mutter / des Mutter’ (Eisten) wo entweder ein ‘Besitztum von der Seite der Mutter’ oder der FaN Mutter gemeint sein kann. ts Riedmattergüod ‘das Gut der Familie Riedmatten’ (Bitsch) enthält einen alten Genitiv Plural zum FaN Riedmatten, obwohl auch ein Herkunftsname (‘Leute von der Riedmatte’) vorliegen könnte. Einen Firmennamen enthält ts Lonzagüod ‘das Gut, das der Lonza (Lonza-Werk in Visp) gehört’ (Baltschieder) – gemeint ist hier nicht der namengebende Fluss Lonza. Unsicher ist ts Pröusugüed ‘das Gut der Prejsini (Zuname der Familie Loretan)’ (Leuk); diese Deutung geht auf Gwp. zurück, da die namengebenden Preise sich weiter westlich befinden. Die Rundung zu Pröüsu ist wohl der sekundären Interpretation als ‘Preussen’ geschuldet; es liegt aber ein ursprünglicher patois-Ausdruck Preises vor (cf. HL PREISES).

Eine zweite, oft belegte Gruppe enthält Ausdrücke für Kirche, Kapelle, Pfarrei usw. und deutet auf Güter in Kirchenbesitz: das Kaplaneigút (1853, Stalden), Caplaneÿ Gúoth (1803, Ernen), ts Chappelegüed (Geschinen, Saas-Almagell), im Kirchengut (1741, Ausserberg), ts Chilchugüed (Raron), ts Chiuchegüed (Bellwald, Ernen, Fieschertal), Heeregüet (Grengiols), ts Pfargüed (Zwischbergen), unnerm Pfariigüed (Münster), ts Pfrüemdgüed ‘das Gut, dessen Ertrag dem Pfründer zu Gute kommt’ (Staldenried). Zu dieser Gruppe ist auch zu zählen das Spital=Gŭt (1854, Glis), das Spitaalgúot (1651 u. später, Brig), Spittell Gúot (1680, Zwischbergen), wobei Spital als eine Art von Fürsorgeeinrichtung (auch für Alte, Arme und Behinderte) zu verstehen ist. Wohl ebenfalls hierzu ist ts Ampelu Gietji ‘das kleine Gut für die Ampel (Kirchenlicht)’ (Glis) zu stellen, dessen Ertrag für den Unterhalt des Kirchenlichtes verwendet wurde.

Eine dritte Gruppe enthält lokale Bestimmungswörter wie ob dem Flueligut ‘oberhalb des Gutes bei der kleinen Fluh’ (1850, Obergesteln), die Ferrich Gieter ‘die Güter beim Pferch’ (1624, Eischoll), Jm Len Gŭt ‘im Gut beim Lehn / im Gut, das als Lehen gegeben wurde’ (1602, Brig), ts Pfigüed ‘das Gut im Pfynwald’ (Leuk), im Steingút ‘im Gut mit Steinen / bei den Steinen’ (1826, Niedergesteln), Dohlengütter ‘die Güter bei der Tola (Mulde)’ (1860, Unterems) und weitere.

Ein komplexer Fall ist t Wildi unner dum Güed ‘die Wildi (unfruchtbares Gebiet) unter dem Gut’ (Brigerbad).

Eine gesonderte Gruppe sind Namen mit Chöüf ‘Kauf’, resp. Köüft ‘gekauft’: im Kaufgut (1816, Raron; 1821, Eischoll), ts Chöüfgüed (Hohtenn, Unterbäch), ts Köüft Güed (Törbel), die ein gekauftes Gut (wohl im Unterschied zu einem ererbten Gut) meinen. Ein komplexerer Fall ist hier t Chöüfgüed(e)räbe ‘die Reben beim gekauften / verkauften Gut’ (Hohtenn).

Einen Sonderfall bildet schliesslich ts Füfugüod ‘das Gut, das fünf Besitzern gehört’ (Unterems).

Als Bestimmungswort erscheint das HL nur in Gieterbahnhof ‘der Güterbahnhof entlang dem Rotten’ (Naters), wobei hier natürlich bewegliche Güter gemeint sind.

Wohl zum Adjektiv güet ‘gut’ gehört Guetkinn (Gurtkinn?) ‘das gute Chi (Schlucht)’ (1857, Termen), wobei die Lesung unsicher ist. 1858 ist in Naters Gúoth-Wingÿ und Guͤoth-Wengi belegt; wir vermuten eine Umdeutung des heute belegten di Gotwingge (Naters) zum HL TWINGGE.

VSNB, Bd. 2, Sp. 398

Vorkommen

gieter

gietgi

gietji

gietli

gudt

güed

gued

güed

gued

güed

gued

güed

gued

güed

güedtlein

güet

guet

güet

gueter

güett

güetter

güod

guot

güot

guot

güot

guot

guoth

guott

gut

güter

gütgy

gutt

gütter

juott