Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Weid

Weid f. ‘Weide’ ist zu schwdt. Weid f., ahd. weida, mhd. weide, wesentlich wie nhd. ‘Weide, Gras- und Futterland für das Vieh, Futterplatz für Tiere’ und wdt. Weida, Weidä (Goms), Weid, Weidu ‘Voralpe’ (ID. 15, 499 ff.; GRICHTING 1998, 237) zu stellen. RÜBEL (1950, 66) macht deutlich, dass in Goms und Östlich-Raron Wet, sonst Weida (beide vereinfacht) verwendet wird. Die Bedeutungsangabe ‘Voralpe’ bei GRICHTING (1998, 237) bezieht sich laut RÜBEL (1950, 81) als Wet auf Betten, Binn und Ernen, als Weida auf Lalden, Bürchen, Eischoll, Turtmann, Ergisch, Ems und Leuk (wobei RÜBEL etwa die Hälfte der Gemeinden untersucht hat; SDS (6, 77 das Maiensäss) zeigt eine ähnliche Verteilung). In der Datenbank findet sich die monophthongierte Form Wet zwar nicht; in den phonetischen Notationen ist jedoch der zweite Teil des Diphthongs häufig reduziert. Der Explorator M. S. stammte aus dem Lötschental und war in Brig tätig, sodass er Monophthongierungen zurückhaltend notierte. Unklar ist weiter, ob im Singular das endungslose Weid oder die Form Weida / Weidu mit einer Endung auftreten; auch ID. notiert beides. Wenn die Begleiter des Substantivs (Artikel, Attribute) Kasus und Numerus klar machen, wird in der Deutung nach Möglichkeit darauf Bezug genommen; das ist aber nicht immer möglich, da (a) FLNK-Belege normalerweise keinen Artikel aufweisen, und (b) historische Belege wie in der Weiden vs. in den Weiden keinen Rückschluss auf die dialektale Form zulassen. Das HL kommt in rund 440 Namen vor, die hier nicht alle behandelt werden können.

Das Simplex ist im Singular als t Weid (Fieschertal, Geschinen, Steinhaus) und t Weit (Obergesteln) notiert, überall mit reduziertem /i/. In Blatten kommen hinder der Weid und uf der Weid vor. Historisch sind in der Weidt (1707, Oberwald, beÿ der Weÿden (1628, Münster), in der Weiden (1661, Saas-Fee), vnder der Weÿden (1620, St. Niklaus; FLNK Weidji) belegt; die historischen Belege des Typs Weiden sind hochdeutsch beeinflusst.

Das Simplex im Plural weist den Typ t Weide (Reckingen, mit auslautendem Schwa), t Weide (Hohtenn, mit auslautendem /e/), t Weidä (Ferden, Gampel), ine Weide (Martisberg, mit auslautendem Schwa) auf. Historisch erscheinen in den Weiden (1863, Greich; 1727, Naters), ob den Weiden (1823 u. später, Bellwald). Unklar in Bezug auf den Numerus sind Weide (FLNK, Betten; vermutlich Plural) und Weiden (SK, Bürchen; heute überbaut).

Diminutive des Simplex im Singular sind: ts Weiderli (Eggerberg, Niedergesteln), im Weiderli (1820, Steg) (wobei die /-er-/-Erweiterung zu Weiderra (vgl. unten) gehören kann), Weidji (FLNK, Birgisch; FLNK, Grächen; FLNK, St. Niklaus), im Weitgÿ (1824, Bellwald; 1824 auch im Weitÿi).

Diminutive des Simplex im Plural sind: t Weiderlini (Hohtenn), Weidjini (FLNK, Bratsch; FLNK, Gampel), t Weidjini (Baltschieder, Bratsch), t Weitgini (Ulrichen), t Weitjini (Naters).

Attributive Adjektive oder Partizipien mit dem HL in zweigliedrigen Konstruktionen sind: di Gross Weid ‘die grosse Weide’ (Ferden), in der Grossen Weiden ‘in der grossen Weide’ (1746, Grächen), di Grossu Weidä ‘die grossen Weiden’ (Wiler), t Hertu Weide ‘die harten Weiden’ (Eggerberg), ts Hibsch Weidji ‘die hübsche kleine Weide’ (Oberems), ts Hipsch Weitji ‘die hübsche kleine Weide’ (Naters), t Indru Weidä ‘die inneren (taleinwärts liegenden) Weiden’ (Gampel), t Chleinu Weidjini ‘die kleinen Weiden’ (Leuk), ts Leid Weidji ‘die hässliche kleine Weide’ (Oberems), t Lenne Weide ‘die langen Weiden’ (Bellwald, FLNK Lenge Weide), Lägundi Weida ‘die ebene Weide’ (FLNK, Bürchen), ts Läng Weidi ‘die lange kleine Weide’ (Oberems; FLNK Längweidji), t Niiw Weid ‘die neue Weide’ (Kippel), t Ober Weid ‘die obere Weide’ (Ulrichen), di Pmei Weid ‘die gemeinsame Weide (von zwei Alpen)’ (Selkingen), di Pschissi Weid ‘die minderwertige Weide’ (Ferden), ts Stotzund Weidji ‘die kleine, steile Weide’ (Albinen, Naters), t Stotzänd Weid ‘die steile Weide’ (Wiler), t Stuidig Weid ‘die Weide mit Stauden (heute wohl Wald)’ (Kippel), t Unner Weid ‘die untere Weide’ (Ulrichen), Vodru Weidä ‘die vorderen (talauswärts liegenden) Weiden’ (Gampel) und ts Wiiss Weidji ‘die kleine weisse Weide’ (Raron; LT Wyssweidji).

Vorangestellte Genitive (heute als Adjektive verstandene alte Genitive auf -ER nicht erwähnt) zum HL sind: der Feliseren Weid (1734, Agarn; 1734, Leuk) ‘die Weide der Familie Feliser’, z Fransch Weidu ‘die Weide des Franz’ (FLNK, Gampel), Furrisch Weid ‘die Weide der Familie Furrer’ (FLNK, Saas-Balen), ts Fäderlisch Weid ‘die Weide der Familie Schmidt mit dem Beinamen ts Fäderlisch’ (Grengiols), ts Gieschersch Weidu ‘die Weide des Mannes aus Giesch (Weiler von Hohtenn)’ (Hohtenn), ts Hans Baiartsch Weidu ‘die Weide des Hans Bayard’ (Leuk), t Hirrlisch Weid ‘die Weide der Familie Hirili’ (Ferden), ts Hirrlisch Weidji ‘die Weide der Familie Hirili’ (Gampel) (die beiden Namen bezeichnen die gleiche Flur), ts Hüetersch Weiderli ‘die kleine Weide der Familie Hüeter / des Hüters’ (Niedergesteln), Chräjigsch Weid ‘die Weide der Familie Kräig’ (FLNK, Ernen), Kummersweida ‘die Weide der Familie Kummer’ (1676, Oberems), ts Lengusch Weidu ‘die Weide der Familie Lengen’ (Hohtenn), ts Leetschisch Weidu ‘die Weide des Lötschentalers’ (Hohtenn; Besitzer war ein Kalbermatten aus Lötschen), ts Lidnerschweidu ‘die Weide eines Mannes aus Lidu (auf dem Spiblielapji)’, i Ludischweid ‘in der Weide des Ludi’ (Wiler), ts Lärchisch Weid ‘die Weide der Familie Lerjen (laut Gwp. Lärchisch Weid, da FaN Lerjen nicht bekannt, sonst auch Lärjisch Weid)’ (Fiesch; FLNK Läärgischweid), ts Lärjisch Weid ‘die Weide der Familie Lerjen’ (Fiesch, siehe vorausgehenden Namen), Mascheresweyd ‘die Weide der Familie Macheri / Macherel’ (1670, Guttet), t Morellschweid ‘die Weide der Familie Morell’ (Kippel), Niglas Weidlin ‘die kleine Weide des Nikolaus’ (1821, Kippel; unsicher, ob Genitiv oder Zusammensetzung), ts Batischtsch Weidu ‘die Weide des Baptist’ (Gampel), ts Beegersch Weidji ‘die kleine Weide der Familie Beeger’ (Leukerbad), ts Biezisch Weid ‘die Weide der Familie mit dem Beinamen Biezi (Näher oder Näherin)’ (Oberwald), ts Bitschisch Weidji ‘die kleine Weide der Familie Bitschin’ (Ergisch), ts Bobmersch Weidu ‘die Weide der Familie Bodmer’ (Hohtenn), ts Bodisch Weid ‘die Weide der Familie mit dem Beinamen Bodi’ (Steinhaus), Borters Weÿdt ‘die Weide der Familie Borter’ (1753, Fiesch), ts Poschtrafisch Weidu ‘die Weide des Postrafi (Raphael von der Post)’ (Gampel), Profässersch Weid ‘die Weide des Professors (vermutlich Lehrer am Kollegium Spiritus Sanctus in Brig)’ (FLNK, Ernen), ts Bundesweitji ‘die kleine Weide des Bundes (Schweizerische Bundesbahnen)’ (Naters), ts Pärrigsch Weidu ‘die Weide der Familie Perrig’ (Hohtenn), ts Riedisch Weid ‘die Weide der Familie Riedi / des Rudolf’ (Steinhaus), ts Schinnerlisch Weid ‘die Weide der Familie Schiner (Diminutiv für Männer der Familie Schiner)’ (Ernen), die Schnegen Weidt ‘die Weide mit Schnecken’ (1824, Binn; unsicher), ts Staaldersch Weidu ‘die Weide der Familie Stalder / der Leute vom Stalden’ (Ergisch), ts Schteinersch Weidu ‘die Weide der Familie Steiner’ (Hohtenn), ts Volkegregorsch Weid ‘die Weide des Gregor Volken’ (Grengiols), ts Waroniersch Weid ‘die Weide der Familie Varonier’ (Leukerbad), Willigen Weÿd ‘die Weide der Leute des Willa / der Familie Willa’ (17??, Leuk), ts Xaaversch Weidu ‘die Weide des Xaver’ (Gampel) und t Äggschweid ‘die Weide der Familie Eggs’ (Niederwald; unsicher, ob Genitiv oder Kompositum). Komplexer sind Finnero Härte Weiden ‘die harten Weiden der Leute von Finnen (Weiler von Eggerberg)’ (1788, Mund) und von der Mauren Zschampigen Abentweÿdt ‘von der Abendweide des Moritz Tschampen’ (1714, Binn). Diese hohe Zahl an vorangestellten Genitiven mit Besitzernamen zeigt, dass Weiden häufig Privatbesitz waren.

Die Formen auf -ER (sofern alte Genitive) werden hier gesondert erwähnt: t Eggerweid ‘die Weide bei der Ecke’ (Obergesteln; kann auch die Bewohner der Egge meinen), di Guiferweid ‘die Weide bei den Guifrä (Abgrund)’ (Ferden), Haslerweidä ‘die Weide der Familie Hasler / Imhasly’ (FLNK, Blatten), t Haslärweidu ‘die Weide der Familie Hasler / Imhasly’ (Gampel) (die beiden Fluren sind nicht am gleichen Ort), Hinnri Rufinerweid ‘der hintere Teil der Weide der Familie Rufiner’ (FLNK, Leukerbad), die Laxer Weiden ‘die Weiden, die zu Lax gehören’ (1849, Martisberg), die Bieler Weiden ‘die Weide im Bereich Biel (Hügel)’ (1779, Ergisch), das Bielerweidlein ‘die kleine Weide im Bereich Biel (Hügel)’ (1776, Ergisch), Bistetterweid ‘die Weide der Familie Bistetter’ (FLNK, Bellwald), in Brigger Weiden ‘auf der Weide der Familie Brigger’ (1786, Niedergesteln), Burgerweide ‘die Weide, die den Burgern gehört’ (LT, Eggerberg), t Schreeter Weide ‘die Weiden der Familie Schröter’ (Eischoll), Seilerweid ‘die Weide der Familie Seiler’ (FLNK, Blitzingen), die Seilerweide ‘die Weide der Familie Seiler’ (1927, Eischoll), Seematter Weiden ‘die Weiden der Familie Seematter’ (1772, Oberems), beÿ der Dieperweid ‘bei der Weide der Leute des Diebold / der Familie Diebold’ (1810, Feschel; 1810, Guttet), di Zuberweidu ‘die Weide der Familie Zuber’ (Gampel) (auch hier kann ein Kompositum vorliegen).

Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita sehr häufig; einige davon sind im ID. (15, 508 ff.) belegt; um den Artikel zu entlasten, werden sie hier nicht einzeln aufgeführt. Oft vertreten sind Tiernamen: t Eschilweid ‘die Weide für die Esel’ (Eggerberg), t Feeweide ‘die Weiden für das Vieh’ (Selkingen) und eine Reihe von weiteren Belegen vom Typ Fieweide ‘Weide für das Vieh’, Vieweide ‘Weide für das Vieh’ usw., wobei das Appellativ sogar latinisiert als vieweidarum (1337, Täsch; Genitiv Plural), vieweÿdas (1392, Ried-Brig; Akkusativ Plural), vieweida (1522, Eischoll, Nominativ Singular), vieweidiam (1672, Filet) usw. erscheint, Chalberweid ‘die Weide für die Kälber’ (FLNK, Oberwald und rund 18 weitere Belege mit teilweise anderen Formen), t Geisweid ‘die Weide für die Ziegen’ (Grengiols, Lax), die Geÿssweÿdt ‘die Weide für die Ziegen’ (1718, Mühlebach), t Gitziweid ‘die Weide für die kleinen Ziegen’ (Steinhaus), t Kchieweide ‘die Weiden für die Kühe’ (Bratsch), Kieweiden ‘die Weiden für die Kühe’ (1679 u. später, Ried-Mörel; 1716, Visp), t Kchueweide ‘die Weiden für die Kühe’ (Greich), Kuͦweidon ‘die Weiden für die Kühe’ (1424, Baltschieder; 1424 Eggerberg), t Maadriweid ‘die Weiden mit Mardern’ (Leukerbad), die Mehre Weith ‘die Weide für die Mähren (Stuten)’ (1792, Ernen), t Oggsuweida ‘die Weiden für die Ochsen’ (Törbel), dvͥ Ochsenweyda ‘die Weide für die Ochsen’ (1307, Visperterminen), Rossweid ‘die Weide für die Pferde’ (FLNK, Lax und weitere vier Belege), in der Schaafweid ‘in der Weide für die Schafe’ (1784, Leuk). Unsicher ist t Füolweid ‘die Weide mit Veilchen / die Weide für die Fohlen’ (Zeneggen), wo Gwp. auf <füolini> ‘Veilchen’ verweist, allerdings hat ID. keine der beiden Formen. Im Zusammenhang mit dem Vieh steht auch der Typ t Etzweid ‘die Weide mit Viehfutter’ (Niederwald und fünf weitere Belege).

Eine zweite Konstruktion umfasst Komposita mit dem einfachen Besitzernamen als Bestimmungswort: ts Annaweidji ‘die kleine Weide der Anna’ (FLNK, Erschmatt), t Friiandweidu ‘die Weide der Familie Friand’ (Gampel), t Hermaweid ‘die Weide der Familie Hermann’ (Albinen), t Hoiriweid ‘die Weide des Hoiri (streitbarer Mann)’ (Ferden), t Höüriweidu ‘die Weide der Familie Roth mit dem Beinamen <ts Höüri>’ (Gampel) (die beiden Namen bezeichnen die gleiche Flur), Joopi Weid ‘die Weide des Joopi (wohl Beiname)’ (FLNK, Bellwald), t Kaschtlaweid ‘die Weide des Kastlans (laut Gwp Amt eines früheren Eigentümers)’ (Leukerbad), Chräjigweid ‘die Weide der Familie Kräig’ (FLNK, Fiesch), t Maartigweidu ‘die Weide der Familie Martig’ (Gampel), di Pfarrweidu ‘die Weide, die der Pfarrei gehört’ (Leuk), di Pfruändweid ‘die Weide, deren Erträge dem Pfründer zu Gute kommen’ (Wiler), in Brigger Weiden ‘auf der Weide der Familie Brigger’ (Niedergesteln), di Bruttingweid ‘die Weide der Familie Bruttin’ (Leukerbad), Ribordiweid ‘die Weide der Familie Ribordi’ (FLNK, Leukerbad), ts (e)Riediweidji ‘die kleine Weide des Rudolf / der Familie Riedi’ (Leukerbad), t Sigruschtuweid ‘die Weide des Sigrists (Sakristans)’ (Kippel), Stufel=Weid ‘die Weide des Stoffel / der Familie Stoffel’ (1596, Ulrichen), Stúffelweit ‘die Weide des Stoffel / der Familie Stoffel’ (1712, Oberwald), Tonium Weiden ‘die Weide des Anton (unsicher wegen der Namenform)’ (1674, Eischoll), di Tschändruweida ‘die Weide der Familie Gendraux (Gendroz?)’ (Grächen), Werraweidu ‘die Weide der Familie Werra (beim Wärruwald)’ (Leuk), t Wilaweid ‘die Weide der Familie Willa’ (Leukerbad), t Willuweidu ‘die Weide der Familie Willa’ (Oberems).

Eine weitere Konstruktion gibt Zeiten an: t Aabeweid ‘die Abendweid (Weide, auf die das Vieh abends zum Ätzen getrieben wird)’ (Ernen und zehn weitere Gemeinden, teilweise historisch) ist die Weide auf der Alpe, die abends benützt wird. Das Gegenstück ist t Morgeweid ‘die Morgenweide (die Weide, auf die das Vieh am Morgen zum Ätzen getrieben wurde)’ (Fieschertal und zwei weitere Gemeinden). Weiter ist belegt: t Öugschteweid ‘die Weide im Monat August (wegen der Lawinengefahr erst im August beweidet)’ (Oberwald) und t Üsstagweide ‘die Austagsweiden (Frühjahrsweiden, die früh genutzt wurden)’ (Saas-Almagell). Indirekt ist die Zeitangabe in t Mässweide ‘die Weiden, wo der Milchertrag der Kühe gemessen wurde’ (Täsch und zehn weitere Gemeinden), wobei die Weide für die Kühe benützt wurde, deren Milchertrag man messen wollte, um den Alpnutzen unter die Geteilen zu verteilen.

Ein häufig vertretener Typ bezeichnet im Bestimmungswort eine nahegelegene Flur. Einige Beispiele: t Eggweide ‘die Weiden bei der Ecke’ (Bürchen), t Eiuweide ‘die Weiden im Auengebiet’ (Oberems), ts Glaabinuweidji ‘die kleine Weide bei der Alpe Glaabinu’ (Leukerbad), Griinweidä ‘die Weiden beim Griin (wo umgehauene Baumstämme herumliegen)’ (Blatten), t Heejiweide ‘die Weiden auf der Höhe’ (Oberems), t Chelluweidä ‘die Weiden bei den Chellä (kellenförmiges Gebiet)’ (Wiler) und viele andere mehr.

Isoliert ist t Üsweid ‘die Ausweide (ehemalige Alpweide)’ (Fieschertal), steil und glatt, heute nicht mehr benützt.

Einige Konstruktionen sind schwierig zu deuten, auch wenn sie eigentlich klar sind, so etwa t Krizweid ‘die Chrizweid (Weide beim Kreuz; mangels Koordinaten unklar)’ (Bellwald), wo die Gwp. sagt, man habe jedes Jahr die weggeschwemmten Wege neu machen müssen, das sei ein <Kreuz> gewesen. Diese Deutung kann wohl nur volksetymologisch verstanden werden; sonst ist die Motivation entweder ein Kreuzbild, ein Kreuzweg oder ein Wegkreuz. t Leerchweid ‘die Weide mit Lärchen’ (Feschel) enthält zwar ein geläufiges Leerch ‘Lärchen’, aber es ist unklar, ob sich die Weide bei den Lärchen befindet, oder ob auf der Weide Lärchen sind. Im Fall von in Lissen Weid ‘in der Weide mit Lischengras (unsicher)’ (1824, Bellwald) ist unklar, ob hier das Nomen Lischa ‘Lischengras’ vertreten ist oder nicht. Ein rätselhafter Name ist Salweide (Oberems) mit t Obru und t Undru Salweide (beide Oberems, LT Obri und Undri Salweide). Der Baum Salweide hat im Dialekt ein langes /i/: Salwiidu ‘die Salweide’; das HL WEID wird hier als Weidu, Pl. Weide ausgesprochen; die Deutung muss also ‘die Weide mit Salweiden’ usw. lauten; dass der Weidenbaum als Widu erscheint, zeigt der Name Widubrunnu ‘die Quelle / der Brunnen bei der (Sal-)Weide (Dorfteil von Oberems)’.

Mehrgliedrige Bestimmungswörter sind ebenfalls mehrfach vorhanden, so etwa t Alpligstägweid ‘die Weide beim Steg (über den Dornbach) von Alpligen (kleine Alp)’ (Ferden), t Fierabundweid ‘die Weide, auf die das Vieh am Feierabend getrieben wurde’ (Saas-Almagell), t Fischbiälweidä ‘die Weiden beim Fischbiäl (Hügel in Fischform?)’ (Wiler), t Färdanbachweidä ‘die Weiden bei der Mündung des Färdanbachs in die Lonza’ (Ferden), t Hostattweidjini ‘die kleinen Weiden bei der Hofstatt’ (Unterems), Jägithierweidli ‘die kleine Weide für die Tiere (Gemsen) in der Jegi (Jagdgebiet, Felsbänder)’ (SK, Baltschieder) und t Ladstägabeweide ‘die Abendweiden (Weiden, auf die das Vieh abends zum Ätzen getrieben wurde) beim Ladstäg (Steg über die Ägene auf der Alpe Lad)’ (Ulrichen) und andere mehr. Tiere und ihre Höhlen spielen in t Murmdlochweidä ‘die Weiden mit dem Murmdloch (Höhle von Murmeltieren)’ (Wiler), t Schärmüseweid ‘die Weide mit Maulwurfhügeln’ (Reckingen) und Scherenmausi-Weid ‘die Weide mit Maulwurfshügeln’ (1899, Münster) eine Rolle.

Es gibt auch attributive Adjektive mit solchen Konstruktionen: t Hinnri und t Voodri Rufinerweid ‘der hintere und der vordere Teil der Weide der Familie Rufiner’ (Leukerbad), t Obere und t Unnere Mäsweide ‘die oberen und die unteren Weiden, wo der Milchertrag der Kühe gemessen wurde’ (Oberwald) und andere mehr.

Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bodu, Los, Rüüs, Schiir, Stafel, Wäg und Wald.

Komplexere Konstruktionen sind etwa: der Fooder und der Inner Weiduhubil ‘der vordere und der innere Hügel bei der Weide’ (Gampel), der Chalberweidhubil ‘die Hügel im Gebiet Chalberweid (Weide für die Kälber)’ (Erschmatt), t Chalberweidtolu ‘die Mulde bei der Chalberweid (Weide für die Kälber)’ (Erschmatt), ts Chalberweidtrogji ‘der kleine Trog bei der Weide für die Kälber’ (Gampel), der Mittluscht, der Obruscht und der Undruscht Chalberweidbodu ‘der mittlere, der obere und der untere Boden bei der Kälberweide’ (Gampel) und andere mehr.

In Ausserberg, Baltschieder, Eggerberg und Niedergesteln, Raron kommt die Ableitung t Weiderra, teilweise mit zusätzlichen Bestimmungswörtern vor. Die Ableitung -ERRA ist vergleichbar der schwdt. Ableitung auf -ERE (SONDEREGGER 1958, 471 f.) und meint etwas, das in grosser Menge vorhanden ist; in unserem Kontext ist also wohl ‘das Gebiet mit Weiden’ gemeint. Belegt sind neben dem Simplex t Weiderra ‘das Gebiet mit Weiden’ (Ausserberg, Baltschieder) auch t Chummuweiderre ‘das Gebiet mit Weiden bei den Chumme (Mulden)’ (Niedergesteln), di Bälweiderre ‘die Gebiete mit Weiden beim Bäll’ (Niedergesteln) mit t Obrun Bälwederre ‘die oberen Gebiete mit Weiden beim Bäll’ und di Bällweiderrungassu ‘die Gasse, die zu den Bällweiderren (Weiden bei Bäll) führt’ (beide Niedergesteln), t Eichweiderre ‘die Gebiete mit Weiden beim Eich’ (Raron), t (e)Reftweiderre ‘die Gebiete mit Weiden am Ranft (Abhang)’ (Niedergesteln), t Schallbettweiderre ‘die Gebiet mit Weiden beim Schallbett (steiler Grashang)’ (Eggerberg), di Dirriweiderra ‘die dürren Gebiete mit Weiden (keine Koordinaten)’ (Eggerberg) und t Wangweiderra ‘das Gebiet mit Weiden beim Grasabhang’ (Eggerberg).

VSNB, Bd. 4, Sp. 529

Vorkommen

weid

weid(g)jini

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weida

weidä

weidärre

weide

weidel

weiden

weiderli

weiderlini

weiderra

weiderre

weiderrun

weidgi

weidi

weidji

weidjini

weidlein

weidli

weidlin

weidren

weidt

weidu

weidun

weigi

weit

weitgini

weitji

weitjini

weydgy

weydin