Erle
Erle f. ‘Erle’ ist ein Baumname für verschiedene Erlen-Arten (LAUBER / WAGNER / GYGAX 52014, 210–212, s. v. ALNUS), der zu schwdt. Erle f., Pl. Erlen, Dim. Erli, wie nhd. ‘Erle’, ahd. erila und elira zu stellen ist; in GRICHTING (1998) ist er nicht belegt, dafür der Typ Troosla ‘Schwarzerle’. Das neutrale Erli n. ‘Erlengebüsch, -wald’ (ID. 1, 451) ist wohl auf ahd. eril-ahi ‘Erlengehölz’ (so TGNB 2, 2, 174) zurückzuführen. Das HL kommt in rund 90 Namen vor.
Das Simplex ts Erl (Eisten) und ts Erel (Mund, SK, LT und FLNK Erl) ist zweimal lebend belegt; die historischen Belege enthalten den Typ Zum Erill. Das Simplex Eril mit der Variante Erill, häufig mit einer Präposition zum, kommt in rund zehn Fällen vor; Erell (1702, Zermatt) ist nur einmal sicher belegt. Das Lötschental weist mehrfache Zem Errlä (Blatten, Kippel) auf. Der Kollektiv-Typ Erli ‘die Erlen, das Erlengehölz’ kommt rund zehn Mal vor. Im Fall von t Erlini ‘die kleinen Gebiet mit Erlen’ (Binn, zwei Belege) ist unklar, ob es sich um einen Plural eines Diminutivs, oder um den Plural des Kollektivs Erli handelt. Soweit erkennbar ist das einzige klare Simplex im Plural in den Erlen (1752, Zwischbergen). Ob das einmal belegte ts Äärli ‘die Erlen’ (Leukerbad) hieher gehört, ist unklar; zusammen mit dem Kompositum der Äärligrabu ‘der Graben zum Äärli’ (Leukerbad) stellt es die einzigen Fälle mit offenem /ä/ dar.
Attributive Adjektive sind selten: die Lengen Erle ‘das lange Gebiet mit Erlen’ (1519, Törbel), t Nassu Erle ‘das nasse Gebiet mit Erlen’ (Ried-Brig), ts Ober Erli ‘das obere Gebiet mit Erlen’ und ts Unner Erli ‘das untere Gebiet mit Erlen’ (beide Filet) sind alle Belege, die dokumentiert sind.
Einen vorangestellten Genitiv des Besitzers oder Nutzers zeigt Elsingo Erlen ‘das Gebiet mit Erlen der Familie Elsig’ (1519, Törbel). Der gleiche Typ, etwas komplexer, findet sich in Unner Erlerru Alpmattu ‘die Alpwiese der Leute vom unteren Gebiet mit Erlen’ (Mund).
Das HL als Grundwort ist vor allem im Lötschental belegt als Bätzlärerlä, Biälerlä, Chaschtlärerlä und Schnäggunerlä (alle Kippel), wobei das Bestimmungswort jeweils die Lage des Erlengehölzes deutlich macht: Bätzla, Biäl, Chaschtlär sind auch sonst als Fluren belegt; Schnäggu ‘Schnecke’ scheint das Vorkommen von Schnecken im feuchten Erlengehölz zu bezeichnen.
Zahlreicher tritt Erle mit seinen Varianten als Bestimmungswort auf. Grundwörter sind Acher, Ägerta, Biel, Bodu, Bord, Egg(a), Eia, Gand, Gartu, Gassa, Grabu, Haalta, Höu (Howata), Mad, Spitz, Steg, Wald und Wase.
Eine /-ER/-Ableitung als Stellenbezeichnung (SONDEREGGER 1958, 541 ff.) stellt der Erler ‘das Gebiet, wo es Erlen hat’ (1542, Grächen) dar.
Etwas problematisch sind Belege mit Edle, Edel (cf. HL EDEL). ID. kennt Edle für das Berner Simmental (1, 451; nicht so BRATSCHI / TRÜB 1991); eine Beschreibung zum Namen t Edelgassu (Saas-Grund) nennt „Edle“ als ‘Erlen’. Historisch gibt es für die gleiche Gemeinde dÿ Erilgassen (1509) und die Erlingassen (1561). Komplexer ist eine Belegreihe aus Turtmann: 1453 in Eryes Matte, 1510? jn Ergissmatten, 1755 in der Edjo Matten, 1761 zúr Edlen Matten. Der Wechsel von /r/ zu /d/ geschieht offenbar nach dem 16. Jahrhundert; die Schreibungen mit /y/, /g/, /j/ und /l/ deuten darauf hin, dass hier ein palatalisiertes /l/ wiedergegeben wird. Da auch der Gemeindename Ergisch teilweise mit /i/ und /j/ an Stelle von /g/ geschrieben wird, kann auch ‘die Wiese von Ergisch’ gemeint sein. Dass im Übrigen eine Palatalisierung möglich ist, zeigt der Beleg ts Erjerli ‘die kleine Wasserleitung nach Erl’ (Eisten), eine sonst unbelegte Ableitung. Weitere Belege cf. HL EDEL.
Zwei weitere Belege sind kurz zu erwähnen: Herle Waso ‘der Wasen mit Erlen’ (1300, Lalden), wo /h/ den Glottis-Verschluss-Anlaut wiedergibt, und di Teerlumatta ‘die Wiese bei den Erlen’ (Ried-Brig), wo der feminine Artikel an Erle agglutiniert wurde.
Inhaltlich ist zu erwähnen, dass Erlen in feuchtem Gebiet gut gedeihen. Wenn die Gebiete entwässert wurden (z. B. durch die Rhonekorrektion), blieben die Namen erhalten, auch wenn die Erlen verschwunden sind.
VSNB, Bd. 2, Sp. 79
Vorkommen
äärli
- Äärli Leukerbad
- Äärligrabu Leukerbad
edel (Erle)
- Edelgassu Saas Grund
edlen
- Edlen Matten Turtmann
er(i)l
- Er(i)lgäärtjini Turtmann
erel
erell
- Erell Zermatt
- Erellachren Turtmann
eril
- Eril Niedergesteln
- Eril Bürchen
- Eril Naters
- Eril Stalden
- Eril Ausserberg
- Eril Turtmann
- Eril Eischoll
- Eril Ägerde Eischoll
- Eril Egga Termen
- Eril Gassen Eischoll
- Erilacher Eischoll
- Erilegga Ried-Brig
- Erilgärtjini Turtmann
- Erilgassen Saas-Balen
- Erilgassu Saas Grund
- Erilgassu Turtmann
- Erilhouwatun Stalden
- Erilwaguleisu Turtmann
- Erilwase Eischoll
- Niww Erilgrabu Turtmann
- Undren Eril Turtmann
erill
- Erill Eggerberg
- Erill Törbel
- Erill Egga Ausserberg
- Erillbodo Eggerberg
- Erillgässin Erschmatt
eriltini
- Eriltini Eisten
erjerli
- Erjerli Eisten
erl
erlä
- Bätzlärerlä Kippel
- Biälerlä Kippel
- Chaschtlärerlä Kippel
- Schnäggunerlä Kippel
erle
- Elsingo Erle Törbel
- Erle Visperterminen
- Leng Erle Törbel
- Nassu Erle Ried-Brig
erlen
- Erlen Zwischbergen
- Erleneia Fiesch
- Erlenmatta Baltschieder
erler
- Erler Grächen
erlerru
erli
erlin
- Erlingassu Saas-Almagell
erlini
errlä
errli
- Errli Ergisch
herle
- Herle Waso Lalden
teerlu
- Teerlumatta Ried-Brig