Biss
Biss ‘Wasserleitung, Suon’ ist zu frpr. bisse ‘Bach, Wasserlauf’ zu stellen, das seinerseits zu einem aus dem keltischen *BEDU entwickelten afrz. biez zu stellen ist (TAGMANN 1946, 5 ff.; FEW 1, 312/313; GPSR 2, 387 s. v. bief).
Eine Art von doppeltem Diminutiv bietet Bissetji ‘die kleine Wasserleitung’ (Salgesch, s. auch MATHIER 2015, 64), das zum Stamm Biss zunächst eine rom. /-ITTA/- Ableitung und danach eine deutsche Ableitung auf /-LI/ (palatalisiert zu /-ji/) hat.
Die meisten Belege enthalten Biss als Grundwort, so t Bismerting (FLNK Bismarting) ‘die Wasserleitung des Martin’ (1346 aqueductum dou Martini). In Varen ist 1664 Maimbys und 1721 Mengbis belegt; nach TAGMANN (Ms., 62 f.) ist Mängis oder Mengis (Salgesch) gleichfalls als *meiŋ < lat. MEDIANU- ‘mittel’ und bisse zu erklären, also die mittlere Wasserleitung (s. auch MATHIER 2015, 42 f.). Die Stellung des Adjektivs vor dem Bezugsnomen ist nach TAGMANN zwar selten, aber nicht unbelegt. Anders hingegen hat ein Beleg aus Albinen von 1783 Bis nove ‘die neue Wasserleitung’. Schwierig zu erklären bleibt ebenfalls in Albinen en Riwa Bÿs (1650), in Riua Bÿs (1703), etwa ‘am Rand der Wasserleitung’ (mit Riwa < lat. RIPA; cf. HL RIVA).
VSNB, Bd. 1, Sp. 223