Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Grüeba

Grüeba ‘Grube’ f. ist zu schwdt. Grueb(e) f. wdt Grüeba, Grüäba (Goms), Grüebu (Saastal), Gruäba (Lötschental), Grüöbu ‘Grube, Graben, Mulde, Abgrund, Vertiefung, Delle; Bodenvertiefung, kesselförmige Talerweiterung, Mulde’ (ID. 2, 692 f. (Bed. 6); ZINSLI 1945, 321; BENB 1, 2, 120; URNB 2, 74 f.; GRICHTING 1998, 98) zu stellen. Das Lemma kommt in rund 200 Namen vor.

Die Formenbildung ist komplex, weil Palatalisierung (von /ue/ zu /üe/, mit unterschiedlicher Realisierung) und Umlaut mit Entrundung (von /üe/ zu /ie/ mit unterschiedlicher Realisierung) eine Rolle spielen. Vereinfacht steht dem Singular Grüeba der Plural Grüebe, den diminutiven Singularen Grüebi und Griebji die Plurale Grüebini und Griebjini entgegen. Historisch sind auch Gruoba und Gruoben für das Simplex belegt. Eine Ableitung auf -LA- mit Palatalisierung von /l/ liegt in Griebja, Plural Griebje vor. Diese Ableitung hat kollektiven Charakter (‘das Gebiet mit Gruben’), ebenso wie ts Grüeb n. (Grengiols, Leukerbad). Die Zahl der Simplizia ist hoch – rund die Hälfte aller Belege; häufig sind sie mit Präpositionen wie in und uf verbunden. Singulär ist der Grüebu m. (Ergisch).

Attributive Adjektive zu Grüeba sind die Giltsteinini Gruben ‘die giltsteinhaltige Grube’ (1682, Zeneggen), t Hinner Grüebe (Geschinen), t Indrun Gruäbä (Blatten), Mittelgrüebe (Geschinen), der Mittluschte Grüebu (Ergisch), t Obru Grüebe (Täsch, Zeneggen), der Obruschte Grüebu (Ergisch), jn der Tieffen Gruͦben (1581, Ferden), t Uistrun Gruäbä ‘die äusseren Gruben’ (Blatten), t Undru Grüobe (Täsch, Zeneggen), t Voder Grüebe (Geschinen, Münster), die Wilde Gruben (1716/17, Glis). Die meisten Adjektive sind relative Lagebezeichnungen. Ein Partizip Präsens enthält Fillundgrüeba ‘die zu füllende Grube (Abwasser)’ (Täsch, FLNK): Als Grundwort ist Grüeba mit seinen Varianten verbunden mit Tiernamen – entweder als Falle (Wolfgrüeba) oder als Lebensraum (zer Hasengrubun (1638, Staldenried)). Neben Wolfgrüeba mit elf Nennungen und mit Erweiterungen wie bis zuo der althun Wollffgruobŭn (1588, Staldenried) kommen vor: die Bärugrüeba ‘die Bärengrube’ (Visp), in den Fúx Grúben (1770 u. früher, Naters) und t Schlangugrüeba (Täsch, Zermatt).

Sehr häufig ist eine Gruppe von Bezeichnungen mit Materialien, die aus einer Grube stammen: Cholgrüebe ‘die Gruben, wo Kohle gebrannt wurde’ (Oberwald und mehrfach), ehemalige Erzgruben (LT, Grengiols), in der Gildgrŭben ‘in der Grube mit Giltstein (Ofenstein)) (1729, Visp, mehrfach auch lebendig), t Iisegrüebe ‘die Eisengruben’ (Binn), t Kalchgrüebe ‘die Kalk-Gruben’ (Oberwald), t Leimgruäbä ‘die Lehmgruben’ (Blatten, ähnlich Grächen und Salgesch), Mineraliengrube (Binn, Grube im Lengtal), Ofegrüebe ‘Grube mit Ofenstein (Giltstein)’ (Oberwald und mehrfach), t Sandgrüebe ‘die Grube mit Sand / beim Sand’ (Biel und öfters), vff der Silber Ertz Grŭben ‘auf der Silbererz-Grube’ (1586, Naters), t Straalgruäba ‘die Grube mit Bergkristall’ (Ferden) und Talggrüeba ‘die Grube mit nasser, weicher Erde’ (Stalden, FLNK). Während Fleeschgruäbä ‘die Gruben mit Wasserstellen’ (Blatten) hierzu gehören kann, ist Fleischgruäbä (Blatten) am gleichen Ort wohl eine Umdeutung des nicht mehr verstandenen Fleesch (cf. HL FLESCH).

Komplexere Formen weist etwa di Griebjini der Unner Stafil ‘der untere Stafel der Alpe Griebjini (kleine Gruben)’ (Oberems) auf; sie sind selten, auch jene vom Typ t Lengbachgrüeba ‘die (Mineralien-)Grube am Lengbach’ (Binn).

Grüeba als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vom Typ der Gruäbustutz ‘derAnstieg / Abhang bei Gruäbä (Gruben)’ (Blatten) sind eher selten belegt. Grundwörter mit verschiedenen Varianten von Grüeba sind Acher, Bach, Bodu, Cheer, Egg(a), Gassa, Gletscher, Hooru, Lerch, Matta, Schleif, Schluocht, Schnitta, See, Stadel, Stutz, Tal, Tola, Wald und Wasser. Komplexere Konstruktionen sind Grüobchalbärspitz ‘die spitz zulaufende Weide für die Kälber beim Weiler Grüobu (Gruben)’ (Oberems), ts Grüobtagfäld ‘die Weide tagsüber der Alpe Grüob’ (Ergisch, Oberems), dr Chollgruebuschleif ‘der Schleif bei der Chollgruebu (Kohlengrube)’ (Kippel) und die Grŭebwasserleita ‘die Wasserleite von / zu der Grube’ (1653, Raron).

VSNB, Bd. 2, Sp. 382

Vorkommen

grieb

griebgi

griebi

griebienen

griebja

griebje

griebjini

griibil

gruäbä

gruäba

gruäbä

gruäba

gruäbä

gruäba

gruäbä

gruäbu

gruäbun

gruba

grube

gruben

grubi

grubun

grüeb

grueb

grüeb

grüeba

grueba

grüeba

grüebe

gruebe

grüebe

gruebe

grüebe

grüebi

gruebi

grüebi

grüebini

grüebje

grüebji

grüebjini

grueblin

gruebu

grüebu

gruebu

grüebu

grüebun

grüob

gruob

grüob

gruob

grüob

gruob

grüob

grüoba

gruoba

grüoba

gruoba

grüoba

gruoba

grüobe

gruobe

grüobe

grüöbe

grüobe

gruobe

grüobe

grüöbe

gruoben

gruoberen

grüoberi

grüobi

gruobilti

grüobini

grüobjini

gruobjini

gruobo

grüobu

gruobu

grüobu

grüöbu

grüobu

gruobu

gruobun