Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Grooss

Grooss ‘gross’ Adj. ist zu schwdt., wdt. grōss ‘gross’, mhd. grōz, öfters als attributives Adjektiv im Gegensatz zu klein (ID. 2, 803 f.; BENB 1, 2, 116; GRICHTING 1998, 9) zu stellen.

Das HL kommt in rund 380 Namen vor. In den meisten Belegen ist es attributives Adjektiv, manchmal flektiert. Der häufigste Typ ist der Gross Stei oder di Grossu Steina mit über 40 Belegen, wobei auch komplexere Bildungen wie di Grosssteihaalta ‘die Halde beim Gross-Stein (Weiler von Hegdorn)’ (Naters) oder di Grosssteiüowenner ‘die Magerwiesen im Gebiet mit grossen Steinen’ (Embd) vorkommen. Weitere häufig belegte Substantive sind Acher (19 Belege), Hooru (18 Belege), Matta (15 Belege), Wang (15 Belege), Grabu und Gufer (je 12 Belege) und Schluocht (10 Belege). Weitere sind: Ab, Äbi, Alaliin, Alpa, Altana, Arsch, Bann, Biel, Bietsch, Biina, Binn, Blatta, Bleicka, Bodu, Brunnu, Bäärg, Chaschtel, Chella, Cheer, Chumma, Costergium, Crosum, Dili, Egg(a), Eie, Esch, Flüö, Furgga, Fura, Färich, Gartu, Gasner (FaN), Glischer, Grund, Gufer, Haalta, Höupt, Hilla, Hitta, Hooru, Hubel, Huwwez, Kanaal, Kapälla, Lamma, Läicha, Lerch, Licka, Los, Lischa, Löüb, Löuwina, Läger, Müra, Mitt-, Moos, Müra, Pletscha, Putz, Räbe, Rigg, Riss n., Ritz, Rufina, Rüüs, Saass, Schandarm, Schild, Schiir, Schleif, Schnitta, Schnüär, Schuss – Schutz, Schwung, See, Stadel, Stafel, Stall, Stelli, Stock, Strich, Stüde, Tola, Triel, Trog, Ture, Twära, Tunnel, Wald, Wang, Wanna, Wasser, Weid, Wickert, Wier, Wiescht, Wild und Zälg. Auch hier gibt es komplexe Formen, auf die nur hingewiesen wird.

Einen besonderen Fall bilden die Gipfelnamen, wo oft einem Simplex ein Groos- und ein Chlei- / Chlii- gegenüberstehen, z. B. Huwetz, der Gross Huwez, der Chlei Huwez (alle Termen); ähnliches gilt von Gletschernamen. Einen zweiten Sonderfall stellen Baumnamen dar wie zum Grossu Leerch ‘bei der grossen Lärche’ (Staldenried), zem Grossen Eesch ‘bei der grossen Esche’ (Kippel, Wiler), beÿm Grossen Núsbaúm (1663, Eggerberg) und andere.

Die elliptisch gebrauchten Simplexbildungen (Grossen, Grossu, Grossa u. ä.) bezeichnen in der Regel Wasserleiten, ausgenommen Grossen (1548, Visp), welches dem historischen Beleg nach (vnum cum dimidio sectorio prati situm sub villa vespie cui (dicitur) in der grossen) entweder eine Wiese oder eine Aue meinte.

Beim Beleg ts Grossmeiersch Hüs (Baltschieder) handelt es um das Haus des Grossmeiers (Amtsbezeichnung, kaum FaN). Bei der Grossmüeterrigg ‘der Rücken der Grossmutter’ (Oberwald) ist wohl ein Felsrücken gemeint, der so gektümmt ist, wie der Rücken einer alten Frau.

In komplexeren Fällen wie z. B. di Gross Ahoruschlüocht ‘die grosse Geländeeinbuchtung beim Ahorn’ (Glis) bezieht sich das attributive Adjektiv normalerweise auf das Grundwort; im genannten Fall gibt es auch t Chlei Ahoruschlüocht ‘die kleine Geländeeinbuchtung beim Ahorn’ (Glis). Zum FaN Grossen cf. HL GROSSEN (FAN).

VSNB, Bd. 2, Sp. 379

Vorkommen

gros

grosen

gross

grossa

grossä

grosse

grossen

grosser

grosses

grossi

grossu

grossun