Ägerta
Ägerta f. ‘Brachland’ ist zu schwdt. Ägerte, Egerde zu stellen: ‘Stück Land, welches, nachdem es ausgereutet und meistens eine Zeit lang als Acker bebaut war, etwa wegen allzu steinigen Grundes, unfruchtbarer oder entfernter Lage in Wiese, Weide oder sogar wieder in Wald verwandelt worden; Brachland’ (ID. 1, 129 f.), mhd. egerde, egerte, gerte, egde. Die Herkunft dieses weit verbreiteten Namens ist nicht geklärt (GRWB 3, 34, 25; BENB 1, 1; 58 ff.; ZINSLI 1984, 556). GRICHTING (1998, 24) kennt Ägerta, Ägärta, Ägärtu nur als „Halde (sonnenreich)“. C. SCHMID (1969, 92) nennt sie „brachliegende Äckerlein“. In den Deutungen wird „Brachland“ verwendet, auch wenn das Land inzwischen umgenutzt wurde; der Plural wird als „die Stücke Brachland“ gedeutet, mit einer kollektiven Lesart.
Weitaus die meisten der rund 200 Flurnamen sind Simplizia im Singular (Ägerta und Varianten) oder im Plural (Ägerte und Varianten), sowie Diminutive im Singular wie Ägerti, Ägertji oder im Plural Ägertjini. Nur einmal ist die Form Ägreta (Bellwald) belegt. In älteren Texten erscheinen häufig die Formen Egerda und Egerden für das Simplex, Egerdgi, Egerdlin und weitere für Diminutive. Alle Belege können auch mit einer Präposition wie an, auf, in, bei, zu erscheinen. Mit agglutiniertem Artikel ist wohl zer Tägerte ‘beim Brachland’ (Obergesteln) zu verstehen. Unsicher ist weiter der Beleg in der Hasol Eggerstun (1678, Embd), wo eventuell das Wort für die Elster (Agelstere, ID. 1, 125) versteckt sein könnte, das aber sonst nie in den Flurnamen erscheint.
Adjektivische Attributbildungen sind in der Allten Egerten (1824, Bellwald), in der Kalten Egerten (1709, Visperterminen), Důnchlůn Egordon ‘das dunkle Brachland’ (1388, Glis), di Gaalt Ägerta ‘das unfruchtbare Brachland’ (Törbel), die Gemeine Egerden ‘das Brachland, das der Gemeinde gehört’ (1693, Gampel), in den Kleinen Egerden (1856, Guttet), in der Krůmmen Ägertten (1637, Obergesteln), aúff die Lenge Eggerden (1687, Raron; dazu vier weitere Belege in Embd, Grächen, Simplon und Staldenried), die Letz Egerda ‘das Brachland auf der Schattenseite’ (1680, Zwischbergen), t Leidu Ägerde ‘die schlechten Stücke Brachland’ (Hohtenn, dazu Niedergesteln und Steg), aúf der Niwen Eggerten (1783, Eischoll, älter auch in Mund), t Spitz Ägreta (Bellwald) und jn den Tieffen Egerden (1596, Turtmann). Relative Lagen werden – wie üblich – mit Ober und Unner konstruiert, einmal mit Voder ‘vordere’. Eher ungewöhnlich ist in Ergisch die Trias t Endruschtu Ägerde ‘die am weitesten entfernten Stücke Brachland’, t Mittluschtu Ägerde und t Undruschtu Ägerde.
Eigentliche Komposita zum Grundwort Ägerta sind selten. Genitive bezeichnen Nutzer oder Besitzer: in Bilgischeren Egerden ‘im Brachland der Familie Bilgischer’ (1695, Stalden), Hassens Egerda ‘das Brachland der Familie Haas’ (1448, Zermatt), in Maners Eggerden ‘im Brachland der Leute von St. German’ (1721, Raron) Perris Egerden ‘das Brachland der Familie Perri / des Perri (Peter?)’ (1603, Steg), und Peter Lochers Egerden (1540–1558, Erschmatt und Feschel). Andere Nutzungsformen werden genannt: t Acherägerda (Raron), di Biinuägerde ‘die Stücke Brachland beim Pflanzplatz’ (Hohtenn), Haber Eggerda ‘das Brachland mit Hafer’ (1505, Eischoll), in der Kries Egerten ‘im Brachland mit Kirschbäumen’ (1824, Bellwald), weitere Bäume wie zur Than=Eggerden ‘beim Brachland mit Tannen’ (1866, Oberems), in der Örill Egerden ‘im Brachland mit Erlen’ (1786, Eischoll) oder das schon erwähnte, unsichere in der Hasol Eggerstun (1678, Embd) und Tetzeggerten (1868, Birgisch) mit falsch agglutiniertem Artikel: ‘das Brachland, das der Viehweide (Etzweide) dient’.
Unklar sind t Chrizägerte ‘das Brachland beim Kreuz’ (Grächen, auch Embd und St. Niklaus, je historisch), sowie aúff der Schmitten Egerden (1733, Eischoll) und aúff den Schützen=Eggerden (1850, Eischoll), wo im ersten Fall eine Schmiede, ein Schmied oder die Familie Schmid gemeint sein kann, im zweiten Fall wohl das Eigentum der Schützengilde. Nur historisch belegt ist Koͧfegerda ‘das gekaufte Brachland’ (1383, Ried-Brig). Weitere Flurnamen sind aŭff der Bächin Egerde (1861, Bürchen), in der Bachtolen Egerden (1835, Niedergesteln), in der Blat Egerden (1786, Bürchen), t Brandägerta (Blitzingen) und in der Telschegerden (1743, Betten und später), wobei hier Teltsch unklar ist. Etwas seltsam mutet auch Deischägerta (Betten) an, befindet sich Deisch doch deutlich östlicher – es könnte sich also um Brachland im Besitz von Leuten aus Deisch handeln. Ganz unsicher schliesslich ist Viregerda (1398, Ried-Brig), wo eventuell das Präverb Fir- ‘Vor’ (Id. 1, 952 ff.) belegt ist, also wohl ‘das Vor-Brachland’, gemeint könnte das Land sein, das später zum Brachland wurde.
Als Bestimmungswort ist Ägerte selten belegt. Grundwörter sind Acher, Bode, Bord, Gassa, Hüs, Matta, Schiir, Schlüocht, Wäg Wasserleita und Wildi.
Die insgesamt nicht seltenen Ägerta-Namen deuten darauf hin, dass Grundstücke mit wechselnder Nutzung vorhanden waren; die spätere Entwicklung des Wortes zu ‘Halde’ bei GRICHTING würde sich auf die eher steilen Grundstücke beziehen, die nicht mehr beackert wurden.
VSNB, Bd. 1, Sp. 78
Vorkommen
äägerte
- Äägerte Täsch
aegerten
- Aegerten Eisten
ägärda
- Ägärda Kippel
ägärdä
- Ägärdä Blatten
ägärda
ägärdu
- Ägärdu Ferden
ägärtä
äger(t)gi
- Äger(t)gi Termen
ägerda
- Acherägerda Raron
- Ägerda Ausserberg
- Ägerda Ausserberg
ägerdä
- Ägerdä Gampel
- Ägerdä Gampel
- Ägerdä Gampel
- Gemeine Ägerdä Gampel
- Obren Ägerdä Gampel
ägerde
- Ägerde Ergisch
- Ägerde Hohtenn
- Ägerde Hohtenn
- Ägerde Eischoll
- Ägerde Eischoll
- Ägerde Eischoll
- Ägerde Niedergesteln
- Ägerde Niedergesteln
- Ägerde Niedergesteln
- Ägerde Niedergesteln
- Ägerde Ausserberg
- Ägerde Ausserberg
- Ägerde Bratsch
- Ägerde Hischru Eischoll
- Ägerde Matte Ausserberg
- Ägerde Schiir Bürchen
- Ägerde Wasserleite Ausserberg
- Bachtole Ägerde Niedergesteln
- Biinnuägerde Hohtenn
- Blat Ägerde Bürchen
- Enndruschtu Ägerde Ergisch
- Eril Ägerde Eischoll
- Haber Ägerde Eischoll
- Leiden Ägerde Niedergesteln
- Leidu Ägerde Hohtenn
- Mittluschtu Ägerde Ergisch
- Niwwu Ägerde Eischoll
- Obru Ägerde Bürchen
- Schmitten Ägerde Eischoll
- Schützen Ägerde Eischoll
- Undruschtu Ägerde Ergisch
- Unner Ägerde Ergisch
ägerdji
- Ägerdji Ergisch
ägerdu
- Ägerdu Ergisch
- Ägerduwildi Ausserberg
ägerdusch
- Ägerdusch Acher Bratsch
ägerschta
- Hasol Ägerschta Embd
ägert
- Ägertbode Bellwald
- Ägertschlüocht Eggerberg
ägerta
- Ägerta Fiesch
- Ägerta Steinhaus
- Ägerta Termen
- Ägerta Blitzingen
- Ägerta Ausserbinn
- Ägerta Simplon
- Ägerta Zeneggen
- Ägerta Betten
- Ägerta Betten
- Ägerta Glis
- Ägerta Glis
- Ägerta Glis
- Ägerta Fieschertal
- Ägerta Fieschertal
- Ägerta Martisberg
- Ägerta Mühlebach
- Ägerta Ernen
- Ägerta Ernen
- Ägerta Ernen
- Ägerta Ernen
- Ägerta Betten
- Ägerta Ried-Brig
- Ägerta Raron
- Ägerta Brigerbad
- Ägerta Brigerbad
- Ägerta Brigerbad
- Ägertagassa Raron
- Alten Ägerta Bellwald
- Brandägerta Blitzingen
- Deischägerta Betten
- Duonchluon Ägerta Glis
- Gaalt Ägerta Törbel
- Koufägerta Ried-Brig
- Kriesägerta Bellwald
- Läng Ägerta Raron
- Leng Ägerta Simplon
- Maners Ägerta Raron
- Tellschägerta Betten
- Virägerta Ried-Brig
- Voder Ägerta Täsch
ägerte
- Ägerte Embd
- Ägerte Visperterminen
- Ägerte Zeneggen
- Ägerte Zeneggen
- Ägerte Bürchen
- Ägerte Fieschertal
- Ägerte Zwischbergen
- Ägerte Saas-Almagell
- Ägerte Saas-Almagell
- Ägerte Guttet
- Ägerte Saas-Balen
- Ägerte Saas-Fee
- Ägerte Greich
- Ägerte Törbel
- Ägerte Törbel
- Ägerte Törbel
- Ägerte Birgisch
- Ägerte Unterems
- Ägerte Raron
- Ägerte Raron
- Ägerte Naters
- Bächi Ägerte Bürchen
- Chaalt Ägerte Visperterminen
- Chriz Ägerte Embd
- Chrizägerte Grächen
- etzägerte Birgisch
- Kleine Ägerte Guttet
- Läz Ägerte Zwischbergen
- Leng Ägerte Embd
- Ober Ägerte Naters
- Obru Ägerte Visperterminen
- Obru Ägerte Birgisch
- Undru Ägerte Visperterminen
- Undru Ägerte Birgisch
- Untern Ägerte Raron
ägerten
- Ägerten Bord Fiesch
- Krummen Ägerten Obergesteln
ägerti
- Ägerti Raron
ägertji
ägertjini
ägertsch
- Ägertschwäg Niederwald
ägertu
- Ägertu Oberems
- Thanägertu Oberems
äggrete
- Äggrete Geschinen
ägreta
- Ägreta Bellwald
- Spitz Ägreta Bellwald
ägretgi
- Ägretgi Lax
ägrute
- Ägrute Ried-Mörel
egerda
- Egerda Leuk
- Egerda Saas Grund
- Egerda Eyholz
- Egerda Zermatt
- Egerda Grengiols
- Egerda Unterbäch
- Hassens Egerda Zermatt
- Nuw Egerda Mund
egerden
- Bilgischere Egerden Stalden
- Egerden Bitsch
- Egerden Erschmatt
- Egerden Münster
- Egerden Binn
- Egerden Stalden
- Egerden Lalden
- Egerden Feschel
- Egerden Mund
- Egerden Matten Guttet
- Leiden Egerden Steg
- Ober Egerden Zeneggen
- Obru Egerden Stalden
- Perris Egerden Steg
- Peter Lochers Egerden Erschmatt
- Peter Lochers Egerden Feschel
- Tieffen Egerden Turtmann
- Undru Egerden Stalden
egerder
- Egerder Steg
- Egerder Boden Leuk
egerdgi
- Egerdgi Niedergesteln
egerdi
- Egerdi Oberems
egerdli
- Egerdli Eischoll
egerdlin
egerdun
- Egerdun Baltschieder
egerdy
- Egerdy Steg
egerta
- Egerta Eggerberg
egerten
egertlinen
- Egertlinen Naters
eggerda
- Eggerda Grächen
eggerden
- Eggerden Gassiltin Oberems
- Lengen Eggerden Grächen
eggerdun
- Eggerdun Visp
- Krütz Eggerdun St. Niklaus
eggerten
- Lengu Eggerten Staldenried
tägerte
- Tägerte Obergesteln