Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Hitta

Hitta ist zu schwdt. Hütten f., ahd. hutta, mhd. hütte f., allgemein wie nhd. ‘Hütte, selbständiges Gebäude’ und ‘Alp-, Sennhütte, Käserei’ (ID. 2, 1781) und wdt. Hitta, Hittä (Goms), Hittu (GRICHTING 1998, 108) zu stellen. Inhaltlich handelt es sich in den meisten Fällen um eine Alphütte, die je nach Standort sehr einfach oder besser ausgebaut sein kann. Der zweite, sehr verbreitete Typ sind Schutzhütten des SAC (Schweizer Alpenclub) oder privater Organisationen; die modernsten dieser Hütten sind „bewartet“ und weisen hohen Komfort auf, andere dagegen sind sehr einfach und dienen nur dem Schutz. Eine dritte Gruppe stellen Militärbaracken dar, die meist im Zweiten Weltkrieg gebaut wurden und heute auch zivilen Zwecken dienen. In einigen wenigen Fällen wird Hitta – Hittu auch für ein Gebiet verwendet, wo es heute keine Hütte gibt – es ist unklar, ob dort je eine Hütte stand oder ob eine metaphorische Bezeichnung verwendet wurde (ähnlich wie Sall, cf. HL SALL). Diminutive wie Hittji, Hittelti, Higgi sind als Simplizia nicht vertreten, kommen aber in den folgend aufgeführten Konstruktionen ab und zu vor.

Formal sind Simplizia im Singular oder Plural meist mit einer Präposition wie Zer oder Zen (Plural) vertreten, aber es gibt auch einfach Simplizia wie t Hitte ‘die Hütten’ (Simplon).

Mit attributiven Adjektiven gebildet ist der häufige Typ t Niw Hitta ‘die neue Hütte’ (z. B. Grengiols), eher selten dagegen tsen Aalte Hittu ‘bei den alten Hütten’ (Saas-Almagell). Andere Adjektive sind selten wie ts Fiischter Hittji ‘die kleine, finstere Hütte’ (Visperterminen). Zahladjektive sind in t Erscht Hitta ‘die erste Hütte’ (Steinhaus), biner Zweite Hitte ‘bei der zweiten Hütte’ (Steinhaus) vertreten.

In einigen Fällen ist auch eine Partizipform als Attribut belegt: die Gebrochne Hitten ‘die zerstörte Hütte’ (1730, Ried-Brig) oder di Zerkitu Hittjini ‘die zerfallenen kleinen (Alp-)Hütten’ (Zwischbergen).

Konstruktionen mit Hitta – Hittu oder einer Diminutivform als Grundwort sind häufig. Die Bestimmungswörter beziehen sich vor allem auf die Alpe, zu der eine Hütte gehört, wie z. B. die Boduhitta ‘die Alp-Hütte der Alpe Nidrostu Bodo’ (Visperterminen). Daneben sind häufig Besitzer- oder Nutzernamen vertreten, wie Venetz Hütta (1562, Mund) mit dem FaN Venetz oder Grunerru Hitte ‘die Alphütten der Leute von Saas-Grund’ (Saas-Almagell). Besitzernamen sind auch sonst belegt, etwa in ts Kämpfe Higgi ‘die kleine Hütte der Familie Kämpfen’ (Obergesteln); am ausführlichsten ist hier Jodro Helners Hütten ‘die Hütte des Joder (Theodul) Heldner’ (1750, Visperterminen). Eine Firma (Alusuisse Chippis) ist der Urheber und Besitzer von t Aleminjuhitta ‘die Hütte beim Illsee, die von der Alusuisse Chippis erstellt worden war’ (Leuk) (die Firma existiert heute so nicht mehr). Häufig sind die Hütten, in denen der Milchertrag während der Alpzeit gemessen wurde, benannt als Mässhitta ‘die Hütte, in der die Milch gemessen wurde’ (z. B. Binn, Greich, Varen). Prominent sind die Schutzhütten, die nach einem Alpinisten oder Geldgeber benannt sind wie t Solve(i)hitta ‘die Solvayhütte’ (Zermatt) am Matterhorn nach dem Gönner Ernest Solvay. Ähnlich sind di Topaalihitta ‘die Hütte im Andenken an Dr. Topali’ (St. Niklaus) und andere zu deuten. Gerade die Schutzhütten des SAC tragen aber Namen der nächstliegenden Gipfel, wie etwa t Finschteraarhorehitta ‘die SAC-Hütte beim Finsteraarhorn’ (Fieschertal). Auch Besitzer einer Hütte werden genannt, etwa ts Alfrigisch Hitta ‘die Hütte des Alfred (Diminutiv)’ (Betten). Einen Sonderfall stellt Furri Hütte (Martisberg) dar: gemeint ist ein Restaurant, das dem Unternehmer Art Furrer gehört.

Komplexere Namen tragen eine Reihe weiterer Hütten, etwa die Wildhüterhütte (Ferden) oder die Forschtund Jägerhitta (Raron).

Wohl einen etwas anderen Hüttentyp vertreten die Belege Zer Glashitten (1585 Raron), und die Glasshütten (1659, Turtmann), die auf Glasherstellung hinweisen, die es vermutlich auch im Oberwallis gab.

Als Bestimmungswort fällt Hitta fast vollständig aus. Neben der Hitgigrabo ‘der Graben bei der kleinen Hütte’ (Termen) und der Hittebode ‘der Boden bei den Hütten (Hauptsiedlung von Martisberg)’ sind noch Hittuwald (Mund, Simplon), sowie Hittenweg ‘Hüttenweg’ (1786, Greich) vertreten.

VSNB, Bd. 2, Sp. 486

Vorkommen

higgi

hitgi

hitta

hittä

hitta

hittä

hitta

hitte

hittelti

hitten

hitti (Hitta)

hittji

hittjini

hittjinu

hittli

hittu

hiyte

huitte

huittun

hütgy

hutta

hütte

hütten

hüttli

hüttun