Albinen
Albinen, gespr. Albinu (mit Erstbetonung), ist der Name einer Gemeinde im Bezirk Leuk auf der rechten Rottenseite, etwas höher gelegen (Zentrum auf ca. 1273 m). MATHIEU (2006) nennt nur die hochsprachliche Form im Titel und auf dem Kartenausschnitt (S. 60). Die ältesten Belege weisen folgende Formen auf: 1224 Albignun, 1225 (ca.) Albigniun, 1226 Albinnon, 1276 Dalbignon, 1300 Albignyon, 1320 Arbiniong, 1328 Albignon, 1331 Darbignon. Später wird vor allem die Form Arbign(i)on verwendet. Albinen, die heutige Schreibform, erscheint erstmals 1653; man weiss im Übrigen, dass das Dorf im 16. und 17. Jahrhundert zweisprachig war. Die Form mit /r/ an Stelle von /l/ entspricht der Entwicklung im Frankoprovenzalischen (vgl. barma vs. balma).
Zur Deutung des Namens greift STUDER (1896, 50) auf eine Pluralform von Alb, ahd. alpa, mhd. albe ‘Alpe, Bergweide’ zurück (siehe auch ID. 1, 194 Anmerkung). JACCARD (1906, 6 und 11) stellt Albinen zu Arbignon und vermutet, dass der Name durch eine Diminutivbildung von alb, alp ‘Alpe, Bergweide’ aus kelt. *alpis entstanden ist, das Wort Albinen würde also ‘kleine Alpe’ bedeuten. HUBSCHMIED führt den Namen auf den lat. Personennamen ALBINIUS zurück (GUEX 1938, 361 und 21976, 19; RÜBEL 1950, 132). Das BENB (1, 1, 14) schliesst aus den historischen Belegen, dass der Name die gleichen Grundlagen hat wie Albligen BE, die dort zur voridg. Wurzel alp-/alb- ‘Bergweide’ oder zu lat.-rom. ALBUS ‘weiss’ gestellt werden, ohne jedoch auf das Bedeutungsmotiv des lat. ALBINIUS, gebildet mit dem /-INIONE/-Suffix, einzugehen. KRISTOL ET AL. (2005, 81) stellen den Namen zu den Westschweizer Ortsnamen, die von einem Personennamen abgeleitet sind. Der Name würde also ‘Land, Besitz des Albinius’ bedeuten (KRISTOL ET AL., 2005, 81). SCHULZE (1991 [1904], 118 s.) erwähnt den Namen Albinius.
Ein historischer Beleg von 1361 in Albinen spricht von einem Stück Wiese retro cristam de Albignon ‘hinter dem Hügel von Albinen’. Der Gemeindename erscheint auch als Albinerleitre (FLNK, Albinen; LT und SK Albinenleitern), während MATHIEU (2006, 49) nur Leiträ und Leitrugrabu kennt. Die Leitern erlauben es, eine Felswand in Richtung Leukerbad zu überwinden.
In Albinen ist weiter ts Albiner Alputirli ‘die kleine Tür auf dem Weg zur Albiner Alpe’ erwähnt; ein Holztürchen im Alpzaun auf dem Alpweg von Albinen her. MATHIEU (2006, 59) kennt Zum Tirrli / Z Albiner Tirrli und zeigt diesen Durchgang auf einer Fotografie (zu Tirli cf. HL TIRI, hier als ‘Türe im Grenzzaun’).
Oberhalb von Leuk ist der Albinerstadil ‘der Stadel der Gemeinde Albinen (auf dem Boden von Leuk)’ (FLNK Albinärstadil) belegt. Anders ist ts Albinergräbji ‘der kleine Graben des Albiners (Einwohner von Albinen)’ (Steg) motiviert; die Gwp. gibt an, hier sei vor langer Zeit einer aus Albinen verunglückt. Der kleine Graben findet sich im steilen Gelände der Lonzaschlucht. Aus den Belegen erhellt, dass Albiner sowohl als attributives Adjektiv für die Gemeinde, als auch als Nomen für die Einwohner der Gemeinde steht.
VSNB, Bd. 1, Sp. 86
Vorkommen
albiner
- Albiner Alputiri Albinen
- Albinergräbji Steg
- Albinerleitre Albinen
albinu
- Albinu Albinen
- Cristam de Albinu Albinen
allbiner
- Allbinerstadil Leuk