Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Ersch

Ersch ist im Wesentlichen belegt als der romanische Name der Gemeinde Erschmatt, die sich auf der linken Rottenseite auf einer Höhe von rund 1200 m erstreckt. Die ältesten Belege zeigen durchweg Huers, später Varianten davon. Die Zusammensetzung mit -matt kommt erst spät vor, nämlich im Buch des Pfrantier-Kehrwassers (1878–1963); als Ortsname ist aber immer noch Ersch geläufig (siehe unten). JACCARD (1906, 152) sieht darin einen Plural zu huert ‘Garten’, zu lat. HORTUS. KRISTOL ET AL. (2005, 333) lehnen diese Deutung ab: im den frpr. Dialekten des Wallis sei courtil die Bezeichnung für ‘Garten’ (BOSSARD / CHAVAN 2006, 150). In der mittelalterlichen frz. Schreibtradition sei das anlautende, etymologisch unbedeutende h zur Unterscheidung eines am Wortanfang stehenden u von einem v verwendet worden. Deswegen setzen sie eine Lautung wers oder wersch zu einem germanischen Etymon auf /w-/ an und schlagen spätlat. *WERSICUS ‘krumm’ vor (2005, 333). Diese Deutung kommt dem Ortsnamen am nächsten.

Ersch ist als Simplex an Ersch ‘in Erschmatt’ belegt; vgl. auch Eersch (GRICHTING 1998, 63).

Lateinische Konstruktionen finden sich in iuxta torrentem de Huers ‘neben dem Erschbach’ (1242, Erschmatt) und cristam de Hoers ‘der Hügel von Erschmatt’ (1357).

Ersch als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita ist belegt als mit du Erschleerchu ‘bei den Lärchen von Erschmatt’ (Guttet; kaum zu schwdt. erst und wdt. eerscht ‘erst’ (ID. 1, 470 f.; GRICHTING 1998, 63)), das Erschthall ‘das Tal von Erschmatt’ (1796, Erschmatt; 1701 Feschel), der Erschwäg ‘der Weg von / nach Ersch (Erschmatt)’ (Bratsch; 1722 u. später, Leuk) und das unsichere in der Ersmatten (Eschmatten?) (1682, Feschel). Kaum hieher zu stellen ist aus räumlichen Gründen der Beleg Erswaso ‘die Ers-Wiese’ (1307, Eischoll); er ist jedoch isoliert, weswegen er unter diesem HL aufgeführt wird.

Einen vorangestellten Genitiv einer Herkunftsangabe auf /-ER/ zeigt an Erscherren Wengen ‘an den Grasabhängen der Leute von Erschmatt’ (1592, Erschmatt).

Etwas schwieriger sind die zwei historischen Belege jn der Erschibinen (1746, Gampel) und in den Erschel Binen (1865, Gampel). Vermutlich sind die beiden Ableitungen Erschi und Erschel Bildungen, welche die Zugehörigkeit zu Erschmatt ausdrücken ‘die zu Erschmatt gehörenden / Richtung Erschmatt liegenden Pflanzplätze’.

Sehr unklar ist schliesslich Wanniersch (FLNK, Grächen), die bei einem kleinen See liegt (er ist schon auf SK belegt). Zwar ist die Trennung in Wanni ‘die kleine Wanne’ und Ersch möglich, aber Ersch bleibt in diesem Zusammenhang undeutbar. Grächen liegt im Übrigen zwischen Matter und Saaser Vispe auf rund 1620 m, ist also weit von Erschmatt entfernt.

VSNB, Bd. 2, Sp. 82

Vorkommen

ers

ersch

erschel

erscherren