Abend
Abend ‘Abend’ ist im Oberwallis laut SDS 1, 61 in den Formen Aabet, Aabut, Aabu, Aabun, Aabnt und Aabunt vertreten und zu schwdt. Aabend (mit verschiedenen Formen), mhd. âbent, ahd. âpand, âbant, âbunt ‘eig. der spätere Teil des Tages’ und wdt. Aabed. Aabäd (Goms), Aabnd (Lötschtal), Aabu oder Aabund ‘Abend’ (ID. 1, 34ff.; GRWB 1, 22, 48; GRICHTING 1998, 15) zu stellen. In Flurnamen gibt der Name eine Lage oder eine Richtung an, die Abendseite f. ist die gegen Westen gerichtete Seite eines Berges, Gebäudes (BENB 1, 1, 2; GRWB 1, 26, 18).
Als Simplex findet sich nur einmal Abendyn ‘der kleine Abend’ (1760, Birgisch), wobei wohl ein westlich gelegenes Gebiet gemeint ist. Als Grundwort erscheint es nur in drei Belegen zu Fiirabend (Visperterminen, Saas-Almagell), wobei die Belege in Saas-Almagell insgesamt Bestimmungswörter zu Loch und Weid sind (siehe LK Fiir). Weitaus am häufigsten (rund 15 Belege) ist Abend als Bestimmungswort zu Abe(nd)weid, Plural Abe(nd)weide. Das Wort bezeichnet eine Weide, die sich meist in der Nähe des Stalls befindet und gegen sieben Uhr abends genutzt wird, auch die Weidefläche, die zur Abendfütterung auf den Alpen benötigt wird (ID. 15, 508; RÜBEL 1950, 84; SCHMID 1969, 156). Adjektive als Attribute sind in t Gross Aabeweid ‘die grosse Abendweide’ (Ernen) und t Beesch Aabeweid ‘die böse (steile) Abendweide’ (Oberwald) zu finden. In einigen Fällen kommt ein zusätzliches Bestimmungswort hinzu, das die betreffende Alpe oder den Besitzer angibt, z. B. t Chummabeweid ‘die Abendweide der Alpe Chumm’ (Ulrichen) oder Mauren Zschampigen Abentweÿdt ‘die Abendweide des Moritz Tschampen’ (1714, Binn), um nur zwei zu nennen.
Unklar ist ts Aabuwasser ‘das Wasser (Bach) im Westen’ (Unterems). Zweimal erscheint Abubrod ‘das Abendbrot’ (hier das Essen zur Abendzeit nach der Arbeit) in Aabundbrodeggilti ‘die kleine Ecke, bei der das Abendbrot gegessen wurde’ (Visperterminen) und der Aabundbroodstei ‘der Stein, bei der das Abendbrot gegessen wurde’ (Randa). Abendbrot bezeichnet nach ID. ‘frugales Abendessen, meist aus Brot und Wein, ursprünglich nur aus Brot bestehend’ (ID. 5, 952). In Saas-Grund, Saas-Almagell und Törbel wird auch die Viehfütterung Morgenbrot n. und Abendbrot n. genannt (RÜBEL 1950, 84). Nicht ganz klar sind Abenberg (1310, Saas-Balen; 1305 Stalden) ‘der gegen Westen gelegene Berg’ (?) und Abenlende (1304, Bürchen; 1307 Eischoll), von dem unklar ist, ob es überhaupt das HL ABEND enthält und welches der zweite Teil des Namens ist. Zu vermuten ist, dass es eher zu Abländsch ‘abländisch, abgelegen’ (ID. 1, 42) zu stellen ist; das ist aber auch unsicher. BENB (1, 1, 3 s. v. Abländschen) macht klar, dass der Ortsname zum frz. avalanche ‘Lawine’ gebildet wurde und ursrpünglich nichts mit abländsch zu tun hat.
VSNB, Bd. 1, Sp. 65
Vorkommen
aabe
- Aabeweid Ernen
- Aabeweide Ulrichen
- Aabeweide Fieschertal
- Aabeweide Geschinen
- Beesch Aabeweid Oberwald
- Gross Aabeweid Ernen
aabu
- Aabufäsch Naters
- Aabuwasser Unterems
- Aabuweide Termen
aabund
- Aabundbroodstei Randa
abe
- Abeweide Ritzingen
- Kummabeweid Ulrichen
- Ladabeweid Ulrichen
- Ladstägabeweide Ulrichen
- Tüechmattabeweid Ulrichen
aben
abend
- Abend Schiir Greich
- Abendweid Mühlebach
- Abendweid Steinhaus
- Abendweiden Ried-Mörel
- Mauren Z'schampigen Abendweidt Binn
- Virabend Visperterminen
abendy
- Abendy Birgisch
abund
- Abundbrodeggilti Visperterminen
- Abundweid Saas-Almagell
- Fierabundloch Saas-Almagell
- Fierabundweid Saas-Almagell