Betten
Betten ist der Gemeindename in der hdt. Form; die dial. Form ist Bättu. Die Gemeinde befindet sich auf rund 1200 m oberhalb des Rotten. Historisch ist 1243 Bettan, 1292 in Bettan und so weiter belegt; es wird immer ein auslautendes [-an] verwendet; erst 1587 ist Bettŭn erwähnt und ab 1599 erscheint Bättun. Das Seltsame ist, dass fast kein anderer Name auf historisch [-an] belegt ist. Betten wird von RÜBEL (1950, 131) nach einem Vorschlag von HUBSCHMIED als altalemannisch *bet(w)un (< kelt. betwas ‘Birkengehölz’) gedeutet. ID. (4, 1810 ff.) stellt den Namen zu schwdt. Bett n. in FlN ‘Wildheuplanke, Heubett’ (cf. SONDEREGGER 1967, 47). Die Erklärung von HUBSCHMIED und RÜBEL, aber auch von SONDEREGGER wird von den älteren Belegen nicht gestützt. Der zentrale Vokal von Bett kann laut SDS (1, 15) nur als geschlossener oder offener /e/-Vokal, praktisch nie als /ä/, realisiert werden. Die Deutungen mit /e/ sind also irreführend.
Der Name wird dialektal im 16. Jahrhundert als Bättun (cf. 1599 Bättun) notiert, die schon in lateinischer Form 1635 belegt ist (montis orationis ‘des Bet-Bergs’). Auf dieser Umdeutung beruht auch die entsprechende Ortsnamenlegende, laut der zur Pestzeit 1720/30 das Dorf beinahe ausgestorben sei; die Leute sollen so laut geweint und gebetet haben, dass man sie in Bister gehört habe. Von dieser Zeit an habe man das Dorf Betten genannt (KRISTOL ET AL. 2005, 146 f.). Tatsächlich würde das Wort bätte, bättä (Goms), bättu ‘beten’ (GRICHTING 1998, 33) hieher passen.
Ein weiteres, seltsames Indiz ist die Tatsache, dass Ableitungen von diesem Gemeindenamen fast in jedem Fall Bättmer enthalten. Das in Filet belegte Betnerbach (1460) weist diese Form zwar nicht auf, ebenso wenig der lebende Beleg der Bättebach (Grengiols, FLNK Bättmerbach), der aber bei FLNK das /m/ enthält. Das Bestimmungwort Bättmer tritt mit den Grundwörtern Allmei, Alp, Bach (Wasser), Breit, Chumma. Graat, Hooru, See, Stafel und Weri auf. Die meisten dieser Komposita befinden sich in Betten, einige in Fiesch, Filet, Grengiols, Lax, Martisberg und Ried-Mörel, also in der Umgebung von Betten. Auf eine Unterscheidung von Komposita und auseinandergeschriebenen Formen wurde hier verzichtet. Die Form auf /-m-/ lässt sich wohl als doppelte Assimilation vom Typ /bättner/ -> /bäpner/ -> /bäpmer/ -> /bättmer/ verstehen.
VSNB, Bd. 1, Sp. 193
Vorkommen
bätte
- Bättebach Grengiols
bättmer
- Bättmer Allmend Betten
- Bättmer Alp Betten
- Bättmer Bach Betten
- Bättmer Breiten Betten
- Bättmer Weri Martisberg
- Bättmerchumma Grengiols
- Bättmergraad Betten
- Bättmergrat Lax
- Bättmerhore Betten
- Bättmerhoru Ried-Mörel
- Bättmersee Betten
- Bättmerstafel Betten
bättu
- Bättu Betten
betner
- Betnerbach Filet
bettmer
- Bettmergrat Fiesch
- Bettmerhorn Lax
- Stn. Bettmergrat Betten
bettner
- Bettnerbach Mörel