Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Arbe - Arva

Arbe und Arva ‘Arve’ gehören zu schwdt. Arbe w./n. auch ‘Alpenzwergkiefer’, ‘Föhre’, ‘Kiefer’ und wdt. Aarva, Aarvä (Goms), Aarba (Leuk), Aarvu ‘Arve’ (ID. 1, 421 und ID. 1, 450f.; GRICHTING 1998, 16). Im Goms und in Östlich-Raron lautet die Bezeichnung Arve, von Brig abwärts Arb, Arba, Arbe, Arbu, im Wortstamm übereinstimmend mit arolle (GPSR 1, 626 ff.). Bei den Flurnamen ist die Situation nicht immer klar: so haben historische Belege im Goms von 1550 Arben, in Grächen ist 1304 zu der Niderun Arwa ‘bei der niederen (unteren) Arve’ belegt und in Leukerbad gibt es der Arvuwald ‘der Wald mit Arven’. Die Schreibung Arwa (1304, Grächen) deutet darauf hin, dass der Übergang von /f/ über /v/ zu /b/ stattfand. Auch hdt. ist für die deutsche Schweiz Arve ‘Zirbelkiefer’ (KLUGE / SEEBOLD 252011, 63) mit der Bemerkung „Entstehung dunkel“ belegt. Das Genus Neutrum vom Typ ts Arb ‘das Arvengehölz’ meint ein Kollektivum; sonst ist das Genus Feminin. Der Hauptvokal wird vor r+Kons üblicherweise gelängt; wir schreiben die Länge nur, wenn sie in der phonetischen Umschrift belegt ist.

Das HL kommt in rund 90 Flurnamen vor; wie bei anderen Baumnamen sagen die Gwpp. öfter, dass sich am Ort keine Arven befinden; die Namenmotivation betrifft dann frühere Zustände, die zum Zeitpunkt der Befragung nicht mehr gegeben sind. Zum Baumnamen PINUS CEMBRA ‘Arve’ vgl. LAUBER / WAGNER / GYGAX (52014, 86).

Das Simplex im Singular erscheint als Neutrum ts Aarb ‘das Arvengehölz’ (Erschmatt und vier weitere Gemeinden), unner dum Aarb ‘unter dem Arvengehölz’ (Täsch), das Arb ‘das Arvengehölz’ (1448, Zermatt), ts Aarv ‘das Arvengehölz’ (Münster). Das Lötschental weicht hier ab: ts Aarbä ‘das Arvengehölz (Alpe)’ (Wiler) und underm Aarbä ‘unter dem Arvengehölz (Alpe)’ (Wiler; FLNK under im Arbä).

Für den Einzelbaum sind als Simplizia im Singular belegt: Arba ‘die Arve’ (FLNK, Zermatt, unterhalb Findeln), uf der Aarbu ‘auf der Arven (Alpe)’ (Zermatt), Arbe ‘die Arve’ (1388, Täsch; unklar, da Genus nicht angegeben), t Aarva ‘die Arve’ (Grengiols), die Arfen ‘die Arve’ (1471, Reckingen; ev. Plural), zúr Arffen ‘bei der Arve’ (1614, Ried-Mörel).

Das Simplex im Plural ist nur in t Aarbe ‘die Arven’ (Termen) belegt.

Diminutive im Simplex sind ts Aarbi ‘die kleine Arve’ (Simplon), ts Aarbilti ‘die kleine Arve’ (Raron), zúm Arbilti ‘bei der kleinen Arve’ (1670 u. später, Oberems), zum Arbilti ‘bei der kleinen Arve’ (1670, Unterems), ts Arbji ‘das kleine Arvengehölz’ (Ergisch).

Mit attributiven Adjektiven, Partizipien und Zahlwörtern erscheint das HL in zweigliedrigen Konstruktionen wie folgt: zer Dirrun Arbun ‘bei der dürren Arve’ (Blatten), zen Drÿ Arben ‘bei den drei Arven’ (1550, Obergesteln), zen Drÿ Arbun ‘bei den drei Arven’ (1550, Oberwald), das Vordere únd Hintere Arfelti ‘der vordere und der hintere Teil des kleinen Gebietes mit Arven’ (1843, Fieschertal), bis auff die Hon Arba ‘bis auf die hohe Arve’ (1658, Baltschieder), zu der Niderun Arwa ‘bei der niederen (unteren) Arve’ (1304, Grächen), ts Ober und ts Unner Aarb ‘der obere und der untere Teil des Arvengehölzes’ (Törbel), Obru und Unnru Arbe ‘der obere und der untere Teil der Arben (Arven)’ (FLNK, Termen) und t Stotzendu Aarbe ‘das steile Gebiet mit Arven’ (Täsch; FLNK Schtotzund Arbe).

Ein Genitiv Singular ist belegt in zer Zületen Arbun (1550, Obergesteln), resp. zer Zÿletten Arbun (1550, Oberwald). Es handelt sich wohl um Ziileta ‘Zeile, Reihe’: ‘bei der Reihe von Arven’ und ist eine Umschreibung von zen Drÿ Arben / zen Drÿ Arbun ‘bei den drei Arven’ (cf. HL ZIILETA).

Als Grundwort erscheint das HL in zweigliedrigen Konstruktionen als t Hooarba ‘die hohe Arve’ (Randa), ts Illarb ‘das Arvengehölz auf der Illalp’ (Leuk), Märetschiarb ‘das Arvengehölz auf der Märetschi-Alpe (Sumpfgebiet)’ (FLNK, Leuk, LT Meretschiarb), ts Mittelarbe ‘der mittlere Teil der Alpe Arbä (Arven)’ (Wiler), ts Muzenarve ‘die Arven des Mutz / bei den kleinen Arven’ (Grengiols, FLNK Mutzenarve, LT Mutzenarve), di Patrullarba ‘die Arbe der Patrouille’ (Zermatt) (laut JULEN ET AL. 1995, 235 nach einer französischen Patrouille 1798 benannt), di Zaalaarbu ‘die Arve mit Zahlen’ (Oberems) (laut Gwp. durften Sennen, die während des Sommers keinen Unfall hatten, ihre Initialen und die Jahreszahl einschreiben).

Als Bestimmungswort ist das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern verbunden: Blatta, Chnubel, Egg(a), Fääsch, Fläck, Flüö, Gletscher, Hooru, Joch, Litzi, Löuwina, Schleif, Schluocht, Schlüche, See, Stadel, Stei, Stock, Tola, Treije, Tschugge, Wald, Wase und Zug.

Komplexer sind t Honaarbustelli ‘die Stelli (Ort, wo das Vieh gestellt wird) bei der hohen Arve’ (Baltschieder), der Läg Arbbodem ‘der ebene Boden mit Arven’ (Wiler).

Als Adjektiv sind belegt: der Aarbi Schluichen ‘die Schlucht mi Arven oder Arvengebüsch’ (Blatten), beÿ der Arfinen Fluho ‘bei der Fluh mit Arven’ (1753, Bister), in der Arfinen Kúmmen ‘in der Chumma (Mulde) mit den Arven’ (1753, Filet), t Arvi Chumma ‘die Chumma (Mulde) mit Arven’ (Betten), t Arvichumma ‘die Chumma (Mulde) mit Arven’ (Ried-Mörel). Im Einzelnen ist nicht immer klar, ob ein Adjektiv oder ein Kompositum mit dem HL vorliegt.

Einen speziellen Fall bildet ts Aarbol ‘der Ort, wo es Arven hat’ (Ausserberg), wo eine Ableitung auf -OL (SONDEREGGER 1958, 513; Stellenbezeichnung, hier Neutrum) vorliegt.

Generell cf. HL ARULA.

VSNB, Bd. 1, Sp. 124

Vorkommen

aarb

aarbä

aarba

aarbe

aarbi

aarbilti

aarbol

aarbu

arb

arbä

arba

arbä

arbe

arbe (f.)

arben

arbi

arbilti

arbji

arbun

arfelti

arfinen

arv

arva

arve

arvelti

arvi

arvu