Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chalb

Chalb kommt in den Flurnamen als Bestimmungswort in Komposita in der Form Chalber (ursprünglich wohl Genitiv Plural) vor. Es ist zu schwdt., wdt. Chalb n. ‘Kalb’ (ID. 3, 215 ff.; GRICHTING 1998, 47) zu stellen. Schreibweisen sind Chalber, Challber, Chauber, Kalber und Kallber. Belegt sind rund 120 Flurnamen mit diesem HL.

Als Simplex ist nur an den Kalber (1636, Oberems) belegt, doch ist die Lesung unklar und das Genus maskulin, sodass wohl ein anderes Wort oder ein Erstglied eines unvollständigen Kompositums vorliegt.

Die Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind Äbi, Alpa, Biel, Bodu, Chromu, Egg(a), Eie, Fad, Fall, Färich, Fääsch, Grabu, Gadu, Haalta, Hitta, Lamma, Läger, Matta, Putz, Rufina, Schluocht, Spitz, Stafel, Stei, Stelli, Tiri, Tschugge, Wald, Wang, Wasser, Weid und Züü. Komplexere Konstruktionen sind etwa t Alti Chalbertreichi ‘die alte Tränke für die Kälber’ (Gampel), t Foder und t Hinner Chalberlamme ‘die vordere und die hintere Runse für die Kälber’ (Oberwald), t Fodere und t Hinnere Chalberweng ‘die vorderen und die hinteren Grasabhänge für die Kälber’ (Oberwald), Grüöbchalberspitz ‘die spitze zulaufende Weide für die Kälber beim Weiler Grüobu (Gruben)’ (FLNK, Oberems) und viele andere.

Unklar sind ts Ober und ts Unner Challmattu ‘bei den oberen und bei den unteren Kälberwiesen’ (Saas-Fee), wo von einer Assimilation des auslautenden /b/ von Chalb mit dem anlautenden /m/ von Matta auszugehen ist. Die Flur befindet sich heute im Siedlungsgebiet von Saas-Fee.

In Einzelfällen sind FaN betroffen: Kalbermatter, (de oder von) Kalbermatten (AWWB 138–140). Normalerweise wurden vor allem Kuhkälber aufgezogen, die nach einem Jahr etwa geschlechtsreif werden und dann Rind heissen (cf. RÜBEL 1950, S. 23 f. mit genaueren Angaben). Schwer verständlich der folgende Text: in alpegio vitulorum uel uulgariter in der kalber kúo (1631, Binn) – der lateinische Text legt eine Kalberalp oder einen Kalberstafel nahe. Normalerweise würde kúo ‘Kuh’ heissen, gemeint sein könnte also eine Kuhalpe mit Kälbern, eventuell also das, was modern ‘Mutterkuhhaltung’ heisst oder dann eine Alpe mit weiblichen Kälbern.

VSNB, Bd. 1, Sp. 322

Vorkommen

chalbär

chalber

chall

challber

chauber

kalber

kallber

kauber